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ArchivÖÄZ 2017ÖÄZ 21 - 10.11.2017

Standpunkt - Vize-Präs. Harald Mayer


Es kracht im System

© Gregor Zeitler

Das Linzer Meinungsforschungsinstitut IMAS hat in einer aktuellen Umfrage nicht nur den subjektiven Gesundheitszustand der Österreicher erfasst, sondern auch eine Bewertung über das österreichische Gesundheitssystem eingeholt. Bekanntlich sind die Österreicherinnen und Österreicher mit ihrem Gesundheitssystem im Großen und Ganzen zufrieden - das bestätigen auch die Umfragen, die regelmäßig wiederkehrend durchgeführt werden. Und auch von Seiten der Politik wird man nicht müde zu betonen, dass Österreich eines der besten Gesundheitssysteme auf der ganzen Welt hat. So weit, so gut.

Allerdings zeigt die aktuelle Befragung von mehr als 1.000 über 16-Jährigen einen steigenden Anteil an Unzufriedenen. Nur noch 29 Prozent sind der Ansicht, dass die Patienten in den Spitälern optimal versorgt werden. Im Vergleichsjahr 2001 waren es noch 49 Prozent, was einen Rückgang um 20 Prozent (!) bedeutet. Die Aussage, „es gibt manches, was anders und besser sein sollte“, war im Jahr 2001 nach Ansicht von nur 35 Prozent der Befragten zutreffend. Jetzt präsentiert sich ein völlig anderes Bild: Schon 43 Prozent sehen Verbesserungsbedarf, was also ein Plus von acht Prozent bedeutet. Das ist bezeichnend für die sich schon seit Längerem abzeichnenden Entwicklungen in unserem System, worauf wir Spitalsärztinnen und Spitalsärzte schon lange aufmerksam machen. Offensichtlich kommt das mittlerweile auch bei den Patienten an – was sich in dieser Umfrage auch widerspiegelt. Die Einschätzung, dass die Patienten in den Spitälern optimal versorgt werden, geht dramatisch zurück, während die Prozentzahl derer, die Verbesserungspotential sehen, massiv angestiegen ist. Und die Einschätzung, dass nicht nur ‚manches‘, sondern sogar ‚vieles‘ in den Spitälern anders und besser sein sollte, hat sich von ursprünglich zwölf Prozent im Jahr 2001 auch auf 20 Prozent erhöht – jeder fünfte Befragte sieht hier Handlungsbedarf.

Die Studienautoren fassen das wie folgt zusammen: „Die Einschätzung der Situation in den Krankenhäusern bringt (…) im Trend einen deutlichen negativen Eindruck der Versorgung.“

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen – außer: Die Auswirkungen der immer höheren Arbeitsbelastung von Ärztinnen und Ärzten in den Krankenhäusern merken inzwischen auch die Patienten; das macht die aktuelle Studie deutlich. Es wird Zeit, hier gegenzusteuern, bevor die Zufriedenheit in und mit dem Gesundheitssystem noch weiter absinkt – und zwar sowohl bei Patienten als auch bei Ärzten. Und man wird auch nicht darum herumkommen, sich ernsthaft mit einer sinnvollen Lenkung der Patientenströme auseinanderzusetzen.


Harald Mayer
3. Vize-Präsident der Österreichischen Ärztekammer



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 21 / 10.11.2017