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Standpunkt - Finanzreferent Michael Lang


Ausbildung: Fakten und Probleme

© Christian Leopold

Ausbildung ist ein zentrales Thema einer zukunftsorientierten Gesundheitsversorgung. Sie ist wesentlich mehr als das vermittelte Wissen. Trotz aller Bemühungen der ÖÄK ist es noch immer nicht in den Köpfen der politisch Verantwortlichen angekommen, dass gut ausgebildete Ärzte nicht nur dem Patienten helfen, sondern auch Garant dafür sind, dass die Kosten und die Ressourcen im Gesundheitssystem effizient (kostengünstig) und effektiv (systemwirksam im Sinne der Gesundheitsversorgung) eingesetzt werden.

Die Nachhaltigkeit einer guten Ausbildung rechtfertigt jede Investition. Denn je kompetenter die Ärzte sind, umso besser ist die Versorgung und das verringert Folgekosten. Leider fehlt anscheinend der Politik hier die langfristige Perspektive.

Die Ursachen sind vielschichtig. Zunächst hat man den Eindruck, dass die Ausbildung der jungen Kolleginnen und Kollegen nach dem Studium oft nicht den Stellenwert hat, der ihr zukommen sollte. Oft sind Kollegen in Ausbildung Lückenbüßer für personelle Mängel und bequeme Erfüllungsgehilfen für Routinearbeiten. Es gibt meines Wissens weder Modelle, die Oberärzte von der Routinetätigkeit für die Ausbildung freistellen, um ein Mentoring zu ermöglichen, noch gibt es eine Finanzierung für diese Tätigkeit.

Weiters geht es um die Lehrpraxis und deren Finanzierung. Nach jahrelanger beschämender Diskussionen ab wann, wie lange, wie organisiert und ob es sie überhaupt geben soll (und das obwohl Österreich in Europa eines der wenigen Länder ohne verpflichtende Lehrpraxis war) gibt es sie jetzt zumindest für sechs Monate (gegenüber zwölf Monaten in vielen EU-Staaten). Lediglich die Finanzierung ist noch nicht gesichert.

Dabei gibt es ja schon funktionierende Systeme! Das überaus erfolgreiche Pilotprojekt Lehrpraxis in Vorarlberg wird dort schon in eine Dauerlösung übergeführt - mit geklärter Finanzierung! Dabei geht es nicht einmal um horrende Summen.

Wenn allerdings nicht rasch eine Lösung kommt, dann stehen wir vor einem gesundheitspolitischen Desaster. Ohne Lehrpraxis werden keine Allgemeinmediziner mehr fertig werden und dies angesichts der Pensionierungswelle der Babyboomer-Generation. Zwei von drei niedergelassenen Allgemeinmedizinern wird es dann in den nächsten zehn Jahren nicht mehr geben.

Mit dem Nachwuchs in diesem Bereich sieht es schon von Studienseite her eher bescheiden aus. So gab es im Studienjahr 2015/2016 zwar insgesamt 1.218 Medizinabsolventen in Österreich. Von diesen waren im Herbst 2017 allerdings nur 745 als Ärztin oder Arzt in Österreich tätig.

Setzt sich diese Entwicklung fort, kann man sich – auch ohne große rechnerische Fähigkeiten – leicht ausrechnen, dass die Nachbesetzung aller frei werdenden Stellen von Allgemeinmedizinern nicht möglich sein wird.

Den Gipfel der Paradoxie lieferte jüngst die Politik: Drei Jahre lang werden mit insgesamt neun Millionen Euro jeweils 25 zusätzliche Studienplätze an der Paracelsus Medizin Privatuniversität Salzburg finanziert. Dies ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein und wirkt darüber hinaus frühestens in 10,5 Jahren (sechs Jahre Studium plus 4,5 Jahre Allgemeinmediziner-Ausbildung). Mit diesem Geld hätte man nicht nur finanzielle Anreize für Ausbildungsinitiativen in Krankenhäusern setzen, sondern auch die Lehrpraxis finanzieren können.

Man sieht: Es geht ohne uns Ärzte nicht, wenn die Qualität der gesundheitspolitischen Versorgungsstruktur und die Qualität der medizinischen Versorgung im Sinne der Patienten stimmen sollen.

Um das zu gewährleisten, bedarf es der Forcierung und Finanzierung einer qualitativ hochwertigen Ausbildung auf allen Ebenen.


Michael Lang
Mitglied des Präsidiums und Finanzreferent der ÖÄK



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 23-24 / 15.12.2017