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ArchivÖÄZ 2017ÖÄZ 4 - 25.02.2017

kurz & informativ: Politische Kurzmeldungen (25.02.2017)


Derzeit hohe Masernaktivität in Österreich

Seit Jahresbeginn werden in Österreich mehr Masern-Fälle registriert als im gesamten Jahr 2016: So wurden in sieben Bundesländern heuer schon 32 Masernfälle gezählt, 2016 waren es insgesamt nur 28 Fälle. Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (S) rief daher alle nicht-geimpften Personen dringend dazu auf, den Empfehlungen des österreichischen Impfplans nachzukommen. Der MMR-Impfstoff ist für Kinder und Erwachsene kostenfrei erhältlich. Um eine ausreichend hohe Durchimpfungsrate zu erreichen, sollten mehr als 95 Prozent der Kinder rechtzeitig zweimal gegen Masern immunisiert werden. Tatsächlich sind sechs Prozent der Zwei- bis Fünfjährigen derzeit gar nicht geimpft; etwa zehn Prozent der geimpften Kinder nur einmal. Um eine weitere Ausweitung möglichst hintanzuhalten, haben Experten des Gesundheitsministeriums, der AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) und der Landessanitätsdirektionen Sofortmaßnahmen vereinbart: u.a. die Einrichtung eines Bereitschaftsdienstes der Landessanitätsdirektionen und behördliche Kontroll- und Präventionsmaßnahmen.

In einem Schreiben an die ÖÄK weist das Gesundheitsministerium darauf hin, dass durch die hohe Masernaktivität in Rumänien besonders bei Personen mit Reiseanamnese aus Rumänien beziehungsweise Kontakten zu Personen dieser Region erhöhte Aufmerksamkeit zu widmen sei. Unter den gemeldeten Fällen seien auch zahlreiche unter einjährige Kinder. Weil auch Mitarbeiter des Gesundheitswesens betroffen waren, verwies das Ministerium auf den Impfplan 2017 (Impfungen für Personal des Gesundheitswesens) sowie auf das Fragerecht des Arbeitgebers hinsichtlich des Impfstatus bei neu eintretenden und angestellten Mitarbeitern. Bei geringstem klinischem Verdacht auf Masern sind laut Gesundheitsministerium folgende Maßnahmen zu treffen:

  • diagnostische Labor-Abklärung
  • Meldung laut Epidemiegesetz
  • Einleitung notwendiger Absonderungsmaßnahmen.



Deutschland: bisher schwerster Vogelgrippe-Ausbruch

Eine derart schwere Vogelgrippe-Epidemie, wie sie Deutschland derzeit erlebt, hat es Experten zufolge seit Entdeckung der Krankheit im 19. Jahrhundert nicht gegeben. In allen Bundesländern außer dem Saarland sind bereits Viren nachgewiesen worden. Die Virus-Typen H5N8 und H5N5 sind für Vögel meist tödlich; für Menschen nach bisherigem Erkenntnisstand aber ungefährlich. Auch in anderen europäischen Staaten gibt es bereits Vogelgrippe-Fälle. Um eine weitere Ausbreitung zu unterbinden, werden Hunderttausende Tiere getötet.


Kenia: wochenlanger Ärztestreik

Mehr als sieben Wochen lang haben in Kenia die Ärzte in öffentlichen Krankenhäusern gestreikt. Dadurch ist die staatliche Gesundheitsversorgung zusammengebrochen, die Krankenhäuser sind geschlossen. Unter der Bevölkerung gibt es dennoch Rückhalt für den Protest der Ärzte. Die rund 5.000 Ärzte der staatlichen Spitäler fordern eine Vervierfachung der Gehälter, wie es die Regierung schon 2013 zugesichert hatte.


Frankreich: „glamouröse“ Zigarettenmarken verboten

Zigarettenmarken, deren Namen beispielsweise wie ein Modemagazin klingen wie „Vogue“ sowie Zigarren und Zigarillomarken wie Café crème und Paradiso werden in Frankreich verboten, weil sie glamourös und verlockend klingen. Das erklärte das französische Gesundheitsministerium. Die Zigarettenhersteller bekommen ein Jahr Zeit, die Namen ihrer Marken zu ändern.


AUVA gegen Zusammenlegung

Widerstand gegen die von der Regierung angedachte Zusammenlegung der Krankenversicherungen kommt von der AUVA: Deren Obmann Anton Offner sieht keine Schnittstellen zwischen den einzelnen Institutionen und meinte kürzlich bei einer Pressekonferenz: „Ohne AUVA geht es nicht. Bekanntlich hatte Bundeskanzler Christian Kern (S) bei der Präsentation des „Plan A“ für die Arbeit der Bundesregierung eine Zusammenlegung der Träger vorgeschlagen. Nach Ansicht von Ofner wäre lediglich eine Fusion der vier Unfallversicherungsträger denkbar, wie er in einem Hörfunk-Interview erklärte. In anderen Staaten, in denen Kranken- und Unfallversicherungen zusammengelegt wurden, sei man dabei, dies wieder rückgängig zu machen. Nachdem die AUVA im Vorjahr einen Verlust von 44 Millionen Euro zu verzeichnen hatte, will man spätestens 2020 wieder schwarze Zahlen schreiben – vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen blieben gleich, so Ofner. Die AUVA hat im Vorjahr 453 Millionen Euro für die Unfallbehandlung, 95 Millionen Euro für Rehabilitation sowie 78 Millionen für Prävention ausgegeben.


Fukushima: höchste radioaktive Strahlung

Auf dem Gelände des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima ist kürzlich nach Angaben des Betreibers Tepco die höchste radioaktive Strahlung seit der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe im März 2011 gemessen worden. An einer Stelle des Reaktors 2 lag die Strahlung bei geschätzten 530 Sievert pro Stunde. Aus dem Reaktor trete aber laut Tepco keine Radioaktivität aus. Der bisherige Höchstwert von 73 Sievert pro Stunde war 2012 gemessen worden. Gravierende akute Strahlenschäden treten auf, wenn ein Mensch in kurzer Zeit einem Sievert beziehungsweise 1.000 Millisievert Strahlung ausgesetzt ist. Im März 2011 starben fast 19.000 Menschen, als es nach einem schweren Erdbeben und Tsunami zu einer Kernschmelze in der Atomanlage von Fukushima kam. Die Aufräumarbeiten in Fukushima sollen noch mindestens drei Jahrzehnte dauern.


Drogenbericht: mehr Todesfälle

Laut dem Österreichischem Drogenbericht 2016 ist die Situation bei den illegalen Suchtgiften in Österreich stabil. Zwischen 29.000 und 33.000 Menschen weisen einen risikoreichen Opioid-Konsum auf – vor allem von Heroin. 2013 waren es noch knapp unter 30.000. Positiv ist die Entwicklung bei Jugendlichen: Hier ist die Zahl von rund 10.000 Menschen (2004/2005) auf knapp ein Drittel (etwa 3.000) gesunken. Allerdings gab es 153 durch Suchtgift verursachte Todesfälle, 2014 waren es 122. Dies waren vor allem ältere und nicht im Substitutionsprogramm betreute Drogenkranke. Insgesamt sind etwa 60 Prozent der Drogensüchtigen in Behandlung. 2005 gab es 6.594 Behandelte, 2015 schon 17.599. Designerdrogen oder Amphetamin (Methamphetamin) werden in Österreich selten konsumiert. Deutlich zurückgegangen ist die Raucherquote unter Jugendlichen. Je nach Umfrage rauchen zehn bis 16 Prozent der 15-Jährigen täglich. Damit liegt Österreich etwa im EU28-Durchschnitt. Bei den über 15-Jährigen ist die Raucherquote mit 21 bis 24 Prozent noch über dem EU-Durchschnitt. In Österreich gibt es jährlich 12.000 bis 14.000 Todesfälle aufgrund von Tabakkonsum


Zum Schutz vor Arzneimittelfälschungen: neue Organisation

Die neu gegründete Organisation AMVO (Austrian Medicines Verification  Organisation) ist für die Planung und Umsetzung des von der EU vorgeschriebenen nationalen Verifizierungssystems für rezeptpflichtige Arzneimittel in Österreich verantwortlich. Die Kosten werden zur Gänze von der Industrie getragen. Laut EU-Verordnung muss ab Februar 2019 jedes rezeptpflichtige Medikament aus einem System ausgelesen werden, bevor es in der Apotheke an Patienten abgegeben wird. So wird sichergestellt, dass es keine Fälschung ist. Das österreichische Datenspeicherungssystem wird an ein europäisches System angeschlossen, damit eine lückenlose Nachverfolgung der einzelnen Arzneimittelpackungen innerhalb von Europa gewährleistet ist. Gegründet wurde die AMVO von der Pharmig (Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs), dem Österreichischen Generikaverband (OeGV), der Apothekerkammer sowie dem Verband der Österreichischen Arzneimittelvollgroßhändler (PHAGO).


Gesundheitsausgaben: Wachstum verlangsamt sich

In den letzten Jahren hat sich das Wachstum der Gesundheitsausgaben deutlich verlangsamt. Das zeigen die Zahlen der Statistik Austria. Während die Gesundheitsausgaben zwischen 1990 und 2010 durchschnittlich noch um 5,3 Prozent pro Jahr gestiegen sind, waren es zwischen 2011 und 2015 jährlich nur noch durchschnittlich 3,5 Prozent. Dennoch lag der Wert über dem durchschnittlichen BIP-Wachstum von 2,4 Prozent. Als Gründe dafür werden vor allem ein gedrosseltes Wachstum der Ausgaben für pharmazeutische Erzeugnisse und medizinische Ge- und Verbrauchsgüter, der öffentlichen Ausgaben für stationäre Gesundheitsversorgung sowie der öffentlichen Ausgaben für häusliche Pflege genannt.

2015 wurden für Gesundheitsleistungen inklusive Langzeitpflege in Österreich 10,3 Prozent des BIP ausgegeben – das sind 35,077 Milliarden Euro. Gemessen am BIP sind die Ausgaben gegenüber 2014 damit gleich geblieben; nominell um 1,1 Milliarden Euro gestiegen. Im OECD-Vergleich liegt Österreich an zehnter Stelle und im oberen Drittel der 35 OECD-Mitgliedsstaaten. Der OECD-Durchschnitt beträgt 9,0 Prozent des BIP. An erster Stelle des Vergleichs liegen erneut die USA mit laufenden Gesundheitsausgaben von 16,9 Prozent des BIP. In der Schweiz und Deutschland werden 11,5 beziehungsweise 11,1 des BIP aufgewendet.

Für Langzeitpflege wurden 2015 rund 5,2 Milliarden Euro oder 14,9 Prozent der gesamten Gesundheitsaufwendungen ausgegeben, jeweils zur Hälfte für die Versorgung in Pflegeheimen (51,2) und die häusliche Pflege (48,8 Prozent). Trotz des demografischen Wandels hat sich das Wachstum dieser Ausgaben in den letzten Jahren verlangsamt: von 1990 bis 2010 betrug der Anstieg durchschnittlich 6,3 Prozent pro Jahr, seit 2011 nur noch 3,5 Prozent jährlich. Grund dafür ist das niedrige Ausgangsniveau öffentlicher beziehungsweise professioneller Langzeitpflegeleistungen im Jahr 1990.

Für den laufenden Betrieb der öffentlichen Spitäler wurden rund 40 Prozent der gesamten öffentlichen Gesundheitsausgaben oder 10,5 Milliarden Euro aufgewendet. Der Großteil betraf die Sozialversicherungsträger (45,7 Prozent oder 4,8 Milliarden Euro), danach folgten die Bundesländer (31,9 Prozent oder 3,35 Milliarden Euro) sowie Bund und Gemeinden (je knapp über zehn Prozent).



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 4 / 25.02.2017