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Im Fokus: Zeitumstellung


1. Alles neu ab 2019?
Im Zuge der geplanten Abschaffung der Zeitumstellung möchte die EU-Kommission die Mitgliedstaaten entscheiden lassen, ob sie künftig die Winter- oder Sommerzeit permanent beibehalten wollen. In einer nicht repräsentativen Online-Umfrage der EU-Kommission haben sich 84 Prozent der Teilnehmer gegen die Zeitumstellung ausgesprochen; in Österreich waren es 77 Prozent.

2. Warnung vor dauerhafter Sommerzeit 
Deutsche Forscher warnen, dass die dauerhafte Einführung der Sommerzeit die Wahrscheinlichkeit für Diabetes mellitus, Depressionen, Schlaf- und Lernprobleme erhöhen könnte. Wenn es abends länger hell ist, setzt die Produktion von Melatonin später ein, man wird später müde, muss aber früh aufstehen. Damit entsteht auf lange Sicht Schlafmangel. Den Forschern zufolge entspricht die bisherige Winterzeit den Verhältnissen, die unter Berücksichtigung der natürlichen Lichteinflüsse für unseren Schlaf-Wach-Rhythmus am günstigsten sind.

3. Müdigkeit & Schlafprobleme

Nach chronobiologischen Gesichtspunkten gewöhnt sich ein gesunder Mensch in der Regel binnen 24 Stunden an die Zeitumstellung, sagen Salzburger Schlafforscher. Die häufigsten medizinischen Effekte sind demnach Müdigkeit am Morgen und Einschlafstörungen am Abend. Generell stelle die Umstellung im Frühjahr eine größere Herausforderung für den Körper dar als jene im Herbst. Im Frühjahr etwa ist die Unfallrate in den Morgenstunden leicht erhöht.

4. Kinder stärker betroffen

Kinder und Jugendliche sind durch den Wechsel von Winter- auf Sommerzeit stärker betroffen. Wissenschaftlichen Studien zufolge kostet sie die Zeitumstellung effektiv 32 Minuten Schlaf. Dieses Schlafdefizit kann über Wochen kumulieren und Stress-Intoleranz und ein Leistungstief verursachen.

5. 1979: Beginn in Österreich

1784 erklärte Benjamin Franklin, Naturwissenschafter und einer der Gründerväter der USA, dass ausgedehntes Nachtleben durch künstliches Licht Energie vergeude. 1916 wurde die Sommerzeit erstmals im Deutschen Reich und Österreich-Ungarn eingeführt. Einen zweiten – erfolglosen – Versuch gab es von 1940 bis 1948. In Europa wurde die Sommerzeit 1973 anlässlich der Ölkrise eingeführt, Österreich folgte 1979.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 19 / 10.10.2018