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ArchivÖÄZ 2018ÖÄZ 19 - 10.10.2018

Interview – EbM-Guidelines: Update


Der stetige Wandel in der Medizin spiegelt sich auch im Buch EbM-Guidelines wider, das kürzlich in 7. Auflage im Verlagshaus der Ärzte erschienen ist. Wie die Guidelines fachliche Sicherheit im Praxisalltag bieten können, das erklärt Susanne Rabady, Mit-Herausgeberin und Allgemeinmedizinerin, im Gespräch mit Lisa Türk.

Welche Updates sind in der 7. Auflage der EbM-Guidelines zu erwarten? Da die Medizin stets im Wandel der Zeit ist, unterliegen auch die EbM-Guidelines einem laufenden Update-Prozess. Vor allem wenn man die Online-Ausgabe betrachtet, passiert ständig etwas: Pro Jahr werden hier in etwa 300 bis 500 medizinische Fachartikel aktualisiert. Diese werden dann in regelmäßigen Abständen in ein neues Buch übernommen. Die 7. Auflage bringt demnach vor allem inhaltliche Neuerungen mit sich. Den Wissensstand der Allgemeinmedizin so aktuell und übersichtlich wie möglich wiederzugeben, ist das Hauptaugenmerk der Leitlinien.

Wie kann man die EbM-Guidelines im Klinik- und Praxisalltag „leben“? Das Leitlinienwerk ist speziell auf die Fragestellungen und Vorgangsweisen der Allgemeinpraxis ausgerichtet, also auf rasche, übersichtliche Information, auch bei komplexen Fällen. Der enorme Vorteil der elektronischen Version besteht darin, dass Informationen am „point of care“, also in der Situation und während der Konsultation, abrufbar sind. So ist der Onlinedienst eine schnelle und kompetente Entscheidungshilfe. Abgesehen davon sind online zahlreiche Features wie beispielsweise Bilder, Kurzvideos und Links verfügbar. So haben Ärzte Zugang zu einer kompakten Information an der Oberfläche und können im Bedarfsfall weiter bis hin zum Originalartikel vordringen. Auf die Print-Variante sollte man dennoch nicht verzichten. Ein Buch in Händen zu halten, impliziert immer auch, Dinge in Ruhe nachlesen zu können. Die Online-Suche gestaltet sich oft eher punktuell. Mit Hilfe des Buches kann man sich einen guten thematischen Gesamtüberblick verschaffen. Eine Kombination aus Print- und Onlinefassung ist mit Sicherheit das Optimum. Daher ist auch in der 7. Auflage wieder ein kostenfreier dreimonatiger Online-Zugang inkludiert.

Wenn Sie den Bogen von den Anfängen bis heute spannen: Inwiefern haben sich die EbMGuidelines gewandelt? Die Guidelines sind ein internationales Projekt, das von Finnland ausgeht. Österreich war das erste Land, das mit Finnland eine konsequente Zusammenarbeit eingegangen ist. Zu diesem Zeitpunkt war das finnische Original strukturell bereits sehr ausgereift. Diesbezüglich hat sich bis heute nicht viel geändert. Lediglich im Aufbau wurden kleine Feinheiten optimiert und übersichtlicher gestaltet. So ist beispielsweise eine Unterteilung größerer Themen in kurze Kapitel erfolgt, die Gliederung entspricht nun dem hausärztlichen Entscheidungsablauf. Essentiell ist dabei stets die rasche Auffindbarkeit praktisch aller gängigen Praktiken der Allgemeinmedizin. Die großen Veränderungen beruhen natürlich auf einer inhaltlichen Basis. Zahlreiche Artikel sind dazugekommen, wurden ergänzt und aktualisiert, um das Werk auf dem aktuellen Stand der Medizin zu halten.

Inwiefern kann das Leitlinienwerk die Arbeit in der Praxis bereichern und erleichtern?
Das Kompendium aus Buchausgabe und Onlinedienst verschafft sowohl jungen als auch erfahreneren Ärzten vor allem eines: fachliche Sicherheit im Praxisalltag. Die Leitlinien bieten die Möglichkeit, sich sehr rasch zu vergewissern, wie der aktuelle Stand des Wissens ist, welche Empfehlungen gelten. Liegt keine Evidenz aus Studien vor, wird das angeführt und auf Erfahrungswissen zurückgegriffen. So kann eine rationale Grundlage für die gemeinsame Entscheidungsfindung mit dem Patienten angeboten werden, auch für komplexere Situationen. Neben Krankheitsbildern und diagnostischen sowie therapeutischen Strategien umfassen die Guidelines auch beschwerde- und betreuungsorientierte Ansätze. Diese ermöglichen einen besonders für die Allgemeinmedizin charakteristischen und praktikablen Zugang zu Problemstellungen. Daraus ergibt sich nicht nur fachliche Gewissheit, sondern auch gesteigerte Patientenorientierung. 



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 19 / 10.10.2018