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Im Fokus: Masern


1. Alarmierende Aktivität

Weltweit ist derzeit eine alarmierende Masernaktivität zu verzeichnen. 2017 wurden um 30 Prozent mehr Fälle gemeldet als 2016; insgesamt gab es mindestens 6,7 Millionen Erkrankungen und 110.000 Todesfälle. Bis August 2018 wurden allein in der WHO-Region Europa mehr als 41.000 Masernfälle und mindestens 37 Todesfälle registriert. Masern stellen weltweit noch immer die Haupttodesursache von durch Impfung vermeidbaren Erkrankungen bei Kindern dar.


2. Israel: mehr als 1.800 Fälle

Beim schwersten Masernausbruch seit mehr als zehn Jahren sind in Israel seit Jahresbeginn knapp 1.850 Masernfälle registriert worden. Laut israelischem Gesundheitsministerium waren rund 90 Prozent der Erkrankten nicht gegen Masern geimpft. Aktuell wird ein Gesetz gegen das Unterlassen von Impfungen angedacht, das u.a. eine Geldstrafe vorsieht, wenn Eltern ihre Kinder nicht impfen lassen.


3. Österreich: 72 Fallmeldungen

Auch Österreich weist hohe Masern-Fallzahlen auf, obwohl die MMR-Impfung im kostenlosen Impfprogramm enthalten und für alle Altersgruppen kostenfrei erhältlich ist. Laut aktuellem Stand (17. Oktober 2018) wurden heuer bislang 72 Masern-Fälle registriert; betroffen waren alle Bundesländer. 14 Prozent der Fälle stehen in Verbindung mit Gesundheitspersonal. EU-weit wurden seit Anfang 2018 mehrere große Masernausbrüche gemeldet: Rumänien registrierte mehr als 4.300 Fälle, Frankreich rund 2.590 und Großbritannien etwa 1.650.


4. Große Impflücken

Die Impfraten in Österreich sind aktuell zu niedrig, um die Masern zu eliminieren. Impflücken gibt es vor allem bei den Geburtsjahrgängen 2008 bis 2010 und jenen der 1990er Jahre. Zusätzlich ist ein Drittel der 15- bis 30-Jährigen – also mehr als eine halbe Million Österreicher – nur einmal geimpft. Für eine ausreichende Immunität der Bevölkerung und eine Elimination der Masern wäre eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent mit zwei Dosen erforderlich.


5. MMR-Impfschema

Bei Erstimpfung im ersten Lebensjahr soll die zweite Impfung nach drei Monaten verabreicht werden. Erfolgt die erste Impfung nach dem ersten Lebensjahr, sollte die zweite Impfung frühestmöglich – mit einem Mindestabstand von vier Wochen – folgen.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 23-24 / 15.12.2018