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ArchivÖÄZ 2018ÖÄZ 3 - 10.02.2018

kurz & informativ: Medizinische Kurzmeldungen (10.02.2018)


Transplantation: C. difficile-Infektion erhöht Risiko


Schweizer Forscher haben untersucht, wie sich eine Clostridium difficile-Infektion auf Organempfänger auswirkt. Dazu haben sie Daten aus der Schweizerischen Transplantations-Kohortenstudie (STCS) analysiert, die alle Organempfänger in der Schweiz umfasst. Insgesamt wurden 2.158 Patienten miteinbezogen. Ergebnis: Ein Organempfänger, der sich mit Clostridium difficile infiziert, hat ein 2,24-fach höheres Risiko einer Organabstoßung als ein nicht infizierter Empfänger. „Wir warensehr überrascht vom Resultat, das einigen Wirbel verursachen dürfte“, so Studienleiter Christian van Delden von den Genfer Universitätsspitälern (HUG). Die Forscher wollen nun weiter untersuchen, wie die Darmflora den Erfolg einer Organtransplantation beeinflusst.
APA/American Journal of Transplantation


Rhinitis: weltweit erster wirksamer Impfstoff


Forscher um Rudolf Valenta vom Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung der MedUni Wien haben synthetisch einen Impftstoff gegen Rhinitis hergestellt. Dabei werden dem Allergen B-Zell-reaktive Peptide entnommen und so verändert, dass sie ihre Bindungseigenschaften für allergenspezifisches IgE verlieren und als Trägerproteine für die Unterstützung durch T-Zellen dienen. „Dieser Prozess ist unendlich oft wiederholbar, der Impfstoff bleibt dadurch immer gleich wirksam, stets von gleicher Qualität und sicher“, erklärt Valenta. Eine Phase II-b-Studie mit 180 Patienten in elf europäischen Zentren zeigt, dass der Impfstoff BM32 die Symptome der Betroffenen um mindestens 25 Prozent lindert. Dafür sind im ersten Behandlungsjahr vier Injektionen und eine Auffrischung im zweiten Jahr notwendig. Nun sollen eine Phase III-Studie und eine Impfstudie bei Kindern folgen; die allgemeine Zulassung könnte damit ab 2021 erfolgen. Außerdem könnte der Impfstoff auch bei Hepatitis B und Asthma eine Therapieoption sein.
APA/Journal of Allergy and Clinical Immunology



Kleinstroboter könnte Medikamente platzieren

Wissenschafter am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Stuttgart haben einen magnetisch gesteuerten Kleinstroboter entwickelt, der vielleicht einmal Medikamente im Körper genau dort platzieren könnte, wo sie gebraucht werden. Der Milliroboter ist vier Millimeter klein, flach wie ein Blatt Papier und aus weichem, elastischem Polymer. „Wir wollen ihn bei minimal-invasiven Eingriffen am Patienten einsetzen – entweder, indem der Patient den Roboter schluckt oder wir ihn durch eine kleine Öffnung in der Haut einführen“, so Metin Sitti vom Institut für Physische Intelligenz. Von dort könne sich der Roboter durch den Verdauungstrakt, durch die Blase oder bis zum Herz bewegen. APA


Schon eine Zigarette am Tag schädlich


Forscher um Allan Hackshaw vom University College London haben 141 Studien zwischen 1946 und 2015 zum Rauchen und dessen Folgen ausgewertet. Ergebnis: Schon bei einer Zigarette ab Tag haben Männer ein um 48 Prozent höheres Risiko für Herzerkrankungen und ein um 25 Prozent höheres Risiko für Insulte als Nichtraucher. Bei Frauen war das Risiko sogar um 57 Prozent beziehungsweise 31 Prozent erhöht. Damit tragen Raucher, die eine Zigarette am Tag rauchen, noch 40 bis 50 Prozent des erhöhten Risikos, das mit dem Rauchen von 20 Zigaretten täglich einhergeht. Ähnliche Erkenntnisse haben auch zuvor schon kleinere Studien gebracht. APA/British Medical Journal


Fastfood steigert Aggressivität des Immunsystems

Für ihre Untersuchungen setzten Wissenschafter der Universität Bonn Mäuse
einen Monat lang auf eine sogenannte „westliche Diät“ mit viel Fett, viel Zucker und wenig Ballaststoffen. Daraufhin entwickelten die Tiere im ganzen Körper eine massive Entzündung. Nach weiteren vier Wochen, in denen die Tiere Art-typische Getreidekost erhielten, verschwand zwar die akute Entzündung. Jedoch
waren in den Immunzellen noch immer viele der in der Fastfood-Phase aktivierten Erbanlagen aktiv. Der Grund: Inflammasome, Sensoren des angeborenen Immunsystems. Durch bestimmte Inhaltsstoffe von Nahrungsmitteln wird das Inflammason aktiviert, was wiederum epigenetische Änderungen bewirkt. In der Folge reagiert das Immunsystem schon auf kleine Reize mit stärkeren Entzündungsantworten. Diese wiederum können die Entstehung von Gefäßkrankheiten, die Schlaganfälle oder Herzinfarkte verursachen, oder auch Typ-2-Diabetes dramatisch beschleunigen. APA/Cell



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 3 / 10.02.2018