Logo Aerzteverlagszeitung
ArchivÖÄZ 2018ÖÄZ 5 - 10.03.2018

kurz & informativ: Politische Kurzmeldungen (10.03.2018)


Feinstaub-Konzentration in Nichtraucherbereichen: hoch


Eine kürzlich in Wien durchgeführte Studie hat ergeben, dass der Nichtraucherschutz in Lokalen mit getrennten Raucher- und Nichtraucher-Bereichen kaum funktioniert. In 27 von 28 untersuchten Gaststätten im Bezirk Rudolfsheim- Fünfhaus wurden Verstöße gegen das Tabakgesetz festgestellt. Das betraf die Trennung und Kennzeichnung der Bereiche und als praktische Auswirkung den Schutz vor schädlichen Rauchinhaltsstoffen, wie Studienautor Peter Tappler, Sachverständiger bei der IBO Innenraumanalytik, und der Umweltmediziner Univ. Prof. Hans-Peter Hutter, im Rahmen einer Pressekonferenz mitteilten. Die korrekte Trennung habe nur in einem einzigen Lokal funktioniert; in allen anderen Gaststätten wurden stark erhöhte Konzentrationen an Feinstaub gemessen. So wurde auch in Nichtraucherbereichen durchschnittlich etwa das Drei- bis Vierfache der Außenluftkonzentration von dicht befahrenen Straßen gemessen.


„Don’t Smoke“: Unterstützung auf breiter Basis

Knapp eineinhalb Wochen nach dem Start der Unterstützungsphase für das Volksbegehren „Don’t Smoke“, das von der Ärztekammer Wien initiiert wurde, zählt diese bereits mehr als 500.000 Unterschriften. Der Einleitungsantrag für ein Volksbegehren soll demnach am 4. April erfolgen; solange sind weiterhin Unterstützungserklärungen möglich. Unterdessen haben die Regierungsparteien ÖVP und FPÖ am 28. Feber im Nationalrat einen Inititativantrag eingebracht, mit dem das ab 1. Mai gültige generelle Rauchverbot in der Gastronomie gekippt werden soll. Entgegen der ursprünglichen Zusage, dass Raucherbereiche in der Gastronomie künftig nicht von unter 18-Jährigen betreten werden dürfen, ist diese Bestimmung im Initiativantrag nicht enthalten. Schon im Vorfeld hatte Vizekanzler Heinz- Christian Strache (FPÖ) ausgeschlossen, dass es vor 2021 einen Volksentscheid in punkto Rauchverbot in der Gastronomie geben wird. Dies sei dem Regierungsprogramm geschuldet. Die dem Initiativantrag folgende Debatte – die SPÖ hatte eine Dringliche Anfrage an Gesundheitsministerin Beate Hartinger eingebracht – verlief äußerst emotional. Entgegen ihren früheren Aussagen verteidigte Hartinger das Aushebeln des Rauchverbots in der Gastronomie und attackierte jene, die die Maßnahme 2015 beschlossen hatten: „Sie haben den Gastwirten ihre Gastfreundlichkeit verboten.“ Auch stellte die Gesundheitsministerin einen Zusammenhang zwischen Rauchverboten in der Gastronomie und einem Rückgang der Raucherzahlen strikt in Abrede. Das geplante Gesetz stehe mit den völkerrechtlichen Verpflichtungen Österreichs zum Nichtraucherschutz in Einklang. Der Zuspruch zum geplanten Volksbegehren ist weiterhin ungebrochen: Mehr als 30 medizinische Fachgesellschaften und namhafte Organisationen rufen zur Unterstützung des Volksbegehrens auf – darunter etwa die MedUnis von Wien und Graz, die Österreichischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie, Pneumologie, Public Health, Kardiologie, Internistische Angiologie, Schlaganfall und Diabetes. Unterstützung kommt auch vom Verband der leitenden Krankenhausärzte, der Wiener Privatklinik, dem Österreischischen Roten Kreuz, der Österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit sowie der Pharmig (Pharmazeutische Industrie Österreichs). Eine aktuelle Liste aller Organisationen, die das Volksbegehren unterstützen, steht auf www.dontsmoke.at zur Verfügung.


Personen:
GKK Steiermark: Josef Harb neuer Obmann


Der Betriebsratsvorsitzende der Siemens Mobility in Graz, Josef Harb, wurde einstimmig zum neuen Obmann der GKK Steiermark gewählt. Er folgt damit Verena Nussbaum nach, die ihre Funktion nach dem Wechsel in den Nationalrat zurückgelegt hat.


USA: Tausende Klagen gegen Monsanto


In den USA sind einem Zeitungsbericht zufolge rund 2.200 Klagen gegen den Saatguthersteller Monsanto wegen einer möglichen Krebsgefahr anhängig. Allein 1.900 davon wurden im Bundesstaat Missouri eingereicht, wo das USUnternehmen seinen Sitz hat. Die Zeitung beruft sich auf Angaben einer US-amerikanischen Anwaltskanzlei, die 600 Klagen bearbeitet. Die Kläger beziehen sich demnach vor allem auf eine Einschätzung der Internationalen Krebsforschungsagentur, wonach der Wirkstoff Glyphosat „wahrscheinlich“ karzinogen ist. Aufsichtsbehörden in der EU kamen hingegen zu dem Schluss, dass von Glyphosat keine Gefahr für die menschliche Gesundheit ausgeht.


Ärzte im Wiener KAV: Situation dramatisch


Drei Jahre nach der Umsetzung des KA-AZG hat die Ärztekammer Wien das Institut für empirische Sozialforschung GmbH (IFES) beauftragt, eine Evaluation der Umsetzung durchzuführen. Von 10. Jänner bis zum 4. Februar 2018 wurden 4.494 Spitalsärzte im KAV und in Wiener Privatspitälern elektronisch anonym befragt; die Beteiligungsquote betrug 33 Prozent (1.481 Ärzte). Zwei Drittel (66 Prozent) der Befragten finden, dass sich ihre Situation seit den Demonstrationen im Herbst 2016 hinsichtlich der Arbeitszeit verbessert hat. Etwa neun von zehn Ärzten im KAV (86 Prozent) gaben an, Nachtdienste zu leisten; in anderen Spitälern waren es drei von vier (74 Prozent). Allerdings können nur etwa 40 Prozent der Ärzte die Nachtdienste immer zeitgerecht verlassen. Mehr als ein Viertel (27 Prozent) der KAV-Ärzte muss mindestens einmal pro Monat oder öfter nach Nachtdiensten im Spital bleiben. Die drei Hauptgründe: Dienstübergaben (38 Prozent), administrative Tätigkeiten (28 Prozent) und die Patientenversorgung (26 Prozent). Auch die Arbeitszeit-Aufzeichnung ist oft nicht korrekt. „Unsere Kollegenschaft hat hier ein erschreckendes Bild an den Tag gelegt“, betonte Wolfgang Weismüller, Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer für Wien. „Wir sind einfach zu wenige, um unsere Arbeit ohne Überstunden erledigen zu können.“ Die Situation werde für Ärzte und Patienten jeden Tag „dramatischer und auch in der Nacht – arbeitsrechtlich – illegaler“.


Rekordanstieg bei Opiumproduktion

In Afghanistan ist die Opium-Produktion auf einen Rekordwert angestiegen. Laut dem „The Afghanistan Opium Survey 2017“ wurden die Anbauflächen seit 2016 um 63 Prozent vermehrt. Im Jahr 2017 ist die Opium-Produktion im Vergleich zum Vorjahr um 87 Prozent gestiegen; damit wurde ein Rekordwert von 9.000 Tonnen erzielt. „Man muss Afghanistan bei der Bewältigung dieser Probleme unterstützen, erklärte Viroj Sumyai, Präsident des Internationalen Suchtstoffkontrollrats INCB (International Narcotic Control Board) der UNO. Global gesehen zeigt der Jahresbericht des INCB unter anderem eine erhöhte Verschreibung von Opioid-haltigen Schmerzmitteln und zwar bei chronischen, nicht durch Krebs ausgelösten Schmerzen. Durch Überdosen wurden in Nordamerika 64.000 Tote verzeichnet. In Süd- und Südostasien wiederum wird eine zunehmende Verbreitung von Metamphetaminen registriert; in Südamerika nimmt die Coca-Kultivierung wieder zu. In Europa dominiert bei illegalen Drogen vor allem Cannabis. In Südosteuropa werden vermehrt Amphetamine sichergestellt. Insgesamt steige – so heißt es im Bericht – der Missbrauch von synthetischen Opioiden auch in Europa und die daraus resultierenden Todesfälle; ebenso steigt auch die Zahl der Heroin-Toten wieder an.


Medizinstudium: Anmeldefrist bis 30. März


Bis 30. März läuft die Anmeldefrist für die Bewerbung um Studienplätze der Human- oder Zahnmedizin für das Studienjahr 2018/19 an den MedUnis Wien, Graz und Innsbruck sowie an der Medizinischen Fakultät Linz. Die Aufnahmeprüfung für die insgesamt 1.680 Studienplätze findet an allen Standorten am 6. Juli 2018 statt. Im Vorjahr hatten sich 16.000 Interessierte für den Test angemeldet; rund 12.800 haben teilgenommen.


Säuglingssterblichkeit: vor allem Afrika betroffen

2,6 Millionen Babys sterben jedes Jahr weltweit im ersten Lebensmonat. Die schlechtesten Überlebenschancen haben Babys, die in Pakistan, der Zentralafrikanischen Republik und Afghanistan zur Welt kommen. Acht von zehn Ländern mit der höchsten Säuglingssterblichkeit liegen in Afrika südlich der Sahara. Das geht aus einem neuen UNICEF-Bericht zur Kindersterblichkeit hervor. Die durchschnittliche Sterblichkeitsrate von Neugeborenen in Entwicklungsländern beträgt 27 Promille, in Industriestaaten drei Promille. Mehr als 80 Prozent der Todesfälle sind laut UNICEF eine Folge von Frühgeburten, Geburtskomplikationen oder Infektionen und könnten daher vermieden werden.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 5 / 10.03.2018