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ArchivÖÄZ 2018ÖÄZ 5 - 10.03.2018

Standpunkt - Vize. Präs. Johannes Steinhart


Hartnäckigkeit zahlt sich aus

© Bernhard Noll

Wir haben nicht nur Monate, sondern Jahre dafür gekämpft: dass in Österreich die flächendeckende Ausbildung in der Lehrpraxis von der öffentlichen Hand finanziert wird.

So sind bis 2020 insgesamt 25 Millionen Euro an Förderung für die Lehrpraxen vorgesehen. Darauf haben sich ÖÄK, Gesundheitsministerium, Bund und Länder geeinigt. Wir haben damit die Finanzierung der im Zuge der Gesundheitsreform beschlossenen verpflichtenden sechsmonatigen Ausbildung in einer Lehrpraxis für rund 450 Lehrpraktikanten pro Jahr sichergestellt.

Die Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner sind ja – was die finanzielle Abgeltung ihrer Leistungen anbelangt – nicht unbedingt verwöhnt. Das, was uns hier gelungen ist, ist tatsächlich ein Meilenstein in der unendlichen Geschichte der Lehrpraxisfinanzierung. Das ist der schon lange erwartete und erhoffte Brückenschlag zwischen Jungen und Alten im Bereich der Ausbildung. Die Motivation ist groß – und ich glaube, das sagen zu können – von beiden Seiten.

Dass es von den niedergelassenen Allgemeinmedizinern schon seit Beginn der Lehrpraxis positives Feedback dafür gibt, wissen wir. Ich kenne auch keinen angehenden Jungarzt, der von der Lehrpraxis nicht in ihren Bann gezogen wird. Kolleginnen und Kollegen, die zuvor noch ein abstrakt distanziertes Verhältnis zur Allgemeinmedizin hatten, beginnen zu schwärmen von den persönlichen Begegnungen mit Patientinnen und Patienten in der Ordination – erleben sie doch plötzlich Medizin von einer ganz anderen Seite, die sie zuvor nicht gekannt haben.

Die Lehrpraxis-Inhaber werden sich vorerst mit zehn Prozent an den Kosten für die Lehrpraxis beteiligen. Auch das wollen wir als Signal verstanden wissen: Wir nehmen diese finanzielle Belastung auf uns, damit es endlich möglich wird, Allgemeinmedizin dort kennenzulernen, wo sie auch tatsächlich praktiziert wird: in der Ordination.

Um zu dieser Einigung zu kommen, haben wir von Seiten der Bundeskurie niedergelassene Ärzte einen Kollektivvertrag mit der Bundeskurie angestellte Ärzte abgeschlossen. Damit ist sichergestellt, dass die Bezahlung der Lehrpraktikanten gleich hoch ist wie im Spital. Das oft gegen die Tätigkeit in einer Lehrpraxis vorgebrachte Argument, wonach unsere jungen Kolleginnen und Kollegen dadurch finanzielle Einbußen hinnehmen müssten, ist somit obsolet.

Wir erwarten uns von dieser Einigung, dass das Interesse an der Allgemeinmedizin steigt – und natürlich auch die Stärkung der Allgemeinmedizin insgesamt. Wir wollen dadurch den beruflichen Lebensweg unserer jungen Kolleginnen und Kollegen begleiten. So soll auch der künftige Bedarf an Allgemeinmedizinern sichergestellt werden.


Johannes Steinhart
2. Vize-Präsident der Österreichischen Ärztekammer



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 5 / 10.03.2018