ÖÄZ 3 - 10.02.2009 Interview zu gesundheitspolitischem Konzept der ÖÄK - Harald Mayer

Interview - Vize-Präs. Harald Mayer


„Gemeinsam konkrete Modelle diskutieren“


Nach der Präsentation des gesundheitspolitischen Konzepts der ÖÄK will der Kurienobmann der angestellten Ärzte und Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer, Harald Mayer, die Vorschläge der ÖÄK in einer Modellregion umsetzen. Erste Gespräche sollen demnächst beginnen, sagte er im Gespräch mit
Bettina Benesch.

ÖÄZ: Was ist für Sie persönlich die wichtigste Forderung im ÖÄK-Konzept?

Mayer:
Die Erweiterung des medizinischen Angebots im niedergelassenen Bereich vor allem was die Öffnungszeiten betrifft.

Der ÖÄK geht es um eine stärkere personelle Verschränkung von niedergelassenen Ärzten und Spitalsärzten in der Peripherie. Wie könnte eine solche Verschränkung aussehen?

Gynäkologie und Geburtshilfe ist für mich das beste Beispiel: Ich brauche für eine gynäkologisch-geburtshilfliche Abteilung mindestens sechs Fachärzte, habe aber in der Peripherie nicht ausreichend Spitalsfälle. Sinnvoll wäre: Der Facharzt arbeitet beispielsweise die Hälfte seiner Zeit im Krankenhaus und die andere Hälfte in der eigenen Ordination.

Ist dafür das Interesse der Partner da, zum Beispiel von Seiten der Sozialversicherung?

Derzeit stellen wir unser Konzept allen vor. Ich halte es für sinnvoll, eine Region zu suchen, in der man die Sache pilotiert.

Was sind die nächsten Schritte der Kurie angestellte Ärzte?

Ich möchte in der nächsten Kuriensitzung im März klären, wie einzelne Modelle aussehen könnten. Wir werden auch mit den Niedergelassenen diskutieren. Ich halte es für sinnvoll, dass wir gemeinsam konkrete Modelle diskutieren. Einigen wir uns auf eine Region und ziehen das gemeinsam mit unseren Partnern im Pilotprojekt durch.

Falls die Vorschläge der ÖÄK umgesetzt werden: Was bringen sie den angestellten Ärzten?

Sie werden eine Entlastung im spitals-ambulanten Bereich bringen, und damit die Arbeitsbedingungen in der Spitalsarbeit verbessern. Und sie bedeuten Chancen für Nebenbeschäftigungen.

Die Nebenbeschäftigungen sind in Teilen der Öffentlichkeit umstritten.

Ich halte Nebenbeschäftigungen von Spitalsärzten für sinnvoll. Diese Spitzenmedizin steht durch die Spitalsärzte mit eigener Ordination auch dem niedergelassenen Bereich zur Verfügung, was eine Qualitätsverbesserung für die Patienten bedeutet.

Die ÖÄK verlangt eine gesicherte Finanzierung der medizinischen Universitäten für Lehre und Forschung und die Sicherstellung einer transparenten Finanzierung der postpromotionellen Aus- und Weiterbildung. Wie viel Geld wäre dafür notwendig?

Wie viel Geld notwendig wäre, dazu habe ich keine Berechnungen. Aber dass die Unis aus dem letzten Loch pfeifen, ist evident. Man übersieht, dass die medizinischen Universitäten Lehre, Forschung und Therapie betreiben – und nicht wie andere Unis ausschließlich Lehre und Forschung. Ein weiteres Problem liegt darin, dass das Geld zwischen den zwei Financiers Bund und Land hin und her geschoben wird. Und in diesem Teufelskreis soll sich Spitzenmedizin entwickeln.

Welche Signale gibt es vom zuständigen Ministerium?

Wir sind dabei, einen Termin mit Wissenschaftsminister Johannes Hahn zu fixieren. Die Lage ist ernst: Vor einigen Wochen hieß es in oberösterreichischen Medien, die Spitäler würden nicht genug Fachärzte ausbilden.




© Österreichische Ärztezeitung Nr. 3 / 10.02.2009

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