ÖÄZ 3 - 10.02.2009 Interview zu neuem gesundheitspolitischen Konzept der ÖÄK - Günther Wawrowsky

Interview - Vize-Präs. Günther Wawrowsky


„Werden nicht gegen Mauern rennen“


Ein Zugeständnis von der Politik zu neuen Zusammenarbeitsformen für Ärzte fordert Günther Wawrowsky, ÖÄK-Vizepräsident und Obmann der Bundeskurie niedergelassene Ärzte. Mit
Bettina Benesch sprach er über das neue gesundheitspolitische Konzept der ÖÄK.

ÖÄZ: Was ist für Sie persönlich die wichtigste Forderung im ÖÄK-Konzept?
Wawrowsky:
Es sind viele Bereiche, zu denen wir als Ärztevertretung Stellung bezogen haben. Die wichtigste Forderung der Bundeskurie der niedergelassenen Ärzte ist die alt bekannte: Das Zugeständnis zu neuen Zusammenarbeitsformen für Ärzte. Das ist etwas, das die Zukunft im niedergelassenen Bereich definieren wird.

Der ÖÄK geht es um eine stärkere personelle Verschränkung von niedergelassenen Ärzten und Spitalsärzten in der Peripherie. Wie könnte eine solche Verschränkung aussehen?

Dass Kollegen und Kolleginnen, die in einer Krankenanstalt tätig sind, ihr Fachwissen ebenso in einer Ordination einbringen können. Unser Modell sieht vor, dass der Spitalsarzt zum Beispiel zwei Mal pro Woche stundenweise in eine Praxis kommt und die Patienten betreut, die speziell bei ihm einen Termin vereinbart haben.

Was sind die nächsten Schritte der Kurie niedergelassene Ärzte bezüglich des ÖÄK-Reformpapiers und der Gesundheitsreform?

Wir führen ständig Verhandlungen: Vertragsverhandlungen mit dem Hauptverband, Verhandlungen zur Vorsorge-Untersuchung oder zum Mutter-Kind-Pass. Ein wichtiger Punkt ist die Erarbeitung eines Fünf-Jahres-Vertrags mit dem Hauptverband, um einmal Ruhe in die Sache zu bringen. Was in den vergangenen Monaten passiert ist, war ja alles andere als angenehm.

Das Bündnis mit dem Hauptverband ist also noch nicht formell besiegelt?

Den Vertrag gibt es noch nicht, aber es ist eines unserer Ziele, dass diesen Aussagen auch Taten folgen und man sich auch schriftlich dazu bekennt.

Falls die Vorschläge der ÖÄK umgesetzt werden: Was werden sie den niedergelassenen Ärzten bringen?

Es brächte die Möglichkeit, das Spektrum medizinischer Leistungen sowohl auf qualitativer Ebene als auch auf einer breiten zeitlichen Ebene zu garantieren. Die Schwäche des derzeitigen Systems ist ja, dass die medizinische Leistung mit dem Ende der Arbeitskraft des einzelnen Arztes nicht mehr erbracht werden kann. Der Vorteil neuer Zusammenarbeitsformen für die Ärzte ist: Ein Arzt kann in den Kassensektor eintreten, ohne dafür eine eigene Kassenordination zu brauchen. Einen besonderen Vorteil haben Ärztinnen und Ärzte mit Kindern: Heute bleiben viele Ärztinnen nach der Babypause ganz weg von der Medizin. Das ist ja Ressourcen-Verschwendung. In einer Ärzte-GmbH wäre zum Beispiel Teilzeitbeschäftigung möglich. Neue Zusammenarbeitsformen würden also die Qualität sichern, neue Angebote für Kollegen setzen und sie würden den Druck vom Ordinationsinhaber nehmen.

Welche Signale gab es bisher aus dem Gesundheitsministerium?

Ich wurde vom neuen Bundesminister noch vor Weihnachten eingeladen. Es war ein sehr gutes Gespräch. Der Minister zeigt sich als ein Mensch, dem die Versicherten am Herzen liegen. Er ist kooperativ und er kennt sich aus in dieser Materie. Daher glaube ich, dass wir mit unseren Vorstellungen nicht gegen Mauern rennen werden.




© Österreichische Ärztezeitung Nr. 3 / 10.02.2009

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