ÖÄZ 3 - 10.02.2009 neu & aktuell - medizinische Kurzmeldungen

neu & aktuell - Medizinische Kurzmeldungen (10.02.2009)


„Kranke“ Großraumbüros


Einer rezenten australischen Studie zufolge sind Mitarbeiter in Großraumbüros schneller gestresst, weniger produktiv und bekommen rascher Erkältungen. Für ihre Untersuchung haben die Forscher Studien zu den Auswirkungen moderner Bürogestaltung analysiert und herausgefunden, dass diese zu 90 Prozent über negative Einflüsse von Großraumbüros auf Psyche und Gesundheit berichten. Die wichtigsten Probleme sind der Verlust der Privatsphäre, geringe Zufriedenheit, Reizüberflutung und das Gefühl, von den Kollegen ständig überwacht zu werden. Darüber hinaus mindere der ständige Geräuschpegel ihre Konzentration und führe immer wieder zu Streit mit Kollegen, wenn diese etwa zu laut telefonieren.
APA/Asia-Pacific Journal of Health Management


Mehr Organspenden durch Widerspruchsregelung


Während in Großbritannien auf eine Millionen Menschen 13 Organspenden kommen, liegt diese Zahl in Spanien bei 34. Der Grund: In Spanien gilt - ebenso wie in Österreich - die Widerspruchsregelung. Das bedeutet: Jeder kommt als Organspender in Frage. In Großbritannien dagegen gilt die Zustimmungsregelung: Ein potenzieller Organspender muss sich registrieren lassen und einen Organspendeausweis mit sich führen. Die Einführung der Widerspruchsregelung in Großbritannien könnte die Zahl der Organspenden also deutlich steigern. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Forscher der Universität York, welche die Regelungen in verschiedenen Staaten untersucht haben. Sie rechnen - bei Einführung der Widerspruchsregelung - mit einer Erhöhung der Zahl der Spenderorgane um 25 bis 30 Prozent. Verlaufsstudien aus Österreich, Belgien und Singapur zeigen sogar, dass die Einführung der Widerspruchsregelung die Zahl der Spender im Lauf von mehreren Jahren um ein Mehrfaches gesteigert hat.
APA/British Medical Journal


Kaffee verursacht Halluzinationen


Wer mehr als sieben Tassen Kaffee pro Tag trinkt, leidet häufiger unter Halluzinationen. Das haben britische Forscher der Universität Durham beobachtet. Ob tatsächlich der Kaffee die Halluzinationen auslöst, ist aber noch unklar, so die Studienautoren der Universität Durham. Den Aussagen von Co-Studienautor Charles Fernyhough könnte es auch sein, dass Menschen, die unter Wahnvorstellungen leiden, häufiger zum Kaffee greifen, um mit ihren außergewöhnlichen Erfahrungen umzugehen. So haben bisherige Untersuchungen eine Reihe von wichtigen Einflüssen bei Halluzinationen ergeben, unter anderem Traumata aus der Kindheit. Die Wissenschafter wollen nun in weiteren Untersuchungen klären, ob auch andere Lebensmittel Einfluss auf Halluzinationen haben. Denn schon bisher sei bekannt, dass es einen Zusammenhang zwischen hohem Zucker- und Fettkonsum und geringen geistigen Fähigkeiten gebe.
APA


Gefährlicher „Third Hand Smoke“


Nicht nur das Passivrauchen, auch kleinste Feinstaubpartikel aus Zigarettenrauch, die sich auf Kleider, Haare und der Haut absetzen - sogenannter „Third Hand Smoke“ - schädigen die Gesundheit. Das haben Forscher der Universität Harvard herausgefunden. Besonders Kleinkinder sind gefährdet: „Wenn ein Raucher Kontakt mit einem Baby hat, kommt es mit diesen Giftstoffen in Kontakt, auch wenn dieser gerade nicht raucht“, warnt der Kinderarzt Jonathan Winickoff von der Harvard Medical School. Kleinkinder nehmen den feinen Staub, der sich auf dem Boden, auf Möbeln oder auf dem Spielzeug absetzt, beispielsweise beim Krabbeln und Lutschen besonders stark durch Nase und Mund auf. Untersuchungen deuten daraufhin, dass eine hohe Belastung mit diesen Feinstaubpartikeln die neuronale Entwicklung und etwa auch die Entwicklung des Lesevermögens verzögert. Auch Lüften der Räume hilft nichts: Die Feinpartikel lassen sich noch lange nach dem Zigarettenkonsum in der Wohnung nachweisen.
APA/Pediatrics


Herbizide schädigen Zellen


Rückstände eines Glyphosat-Herbizids, das bei den meisten auf den Markt befindlichen Gentech-Lebens- und Futtermitteln nachweisbar ist, können menschlichen Zellen schwere Schäden zufügen. Wissenschafter der französischen Universität Caen untersuchten vier Herbizide eines Chemiekonzerns und stellten fest, dass der Einsatz von einem der Herbizide - auch unter 100.000facher Verdünnung - innerhalb von 24 Stunden zu einem völligen Absterben menschlicher Zellen führt, die Zellatmung blockiert und DNA-Schäden verursacht. Rückstände in dieser Konzentration sind nach EU-Gesetzgebung allerdings für Lebens- und Futtermittel erlaubt. Zwar ist in Österreich der Verkauf gentechnisch veränderter Lebensmittel verboten; dies gilt allerdings nicht für Tierfutter.
APA


Fettsäuren gut für weibliche Frühchen


Die Omega-3-Fettsäure Doxosahexaensäure (DHA) fördert die geistige Entwicklung von zu früh geborenen Mädchen. Bei männlichen Frühgeborenen hilft DHA dagegen nicht, wie australische Wissenschafter herausgefunden haben. Die Mädchen, die hohe Dosen von DHA gleich nach der Geburt erhielten, entwickelten sich geistig sehr viel besser als Mädchen mit einer normalen Dosis der Fettsäure.


Zu wenig Schlaf erhöht Erkältungsrisiko


Wer häufig weniger als sieben Stunden schläft, hat ein dreimal höheres Erkältungsrisiko als jene Menschen, die regelmäßig mindestens acht Stunden schlafen. Eine mögliche Erklärung laut Sheldon Cohen (Carnegie-Mellon-Universität/Pittsburgh): Schlafstörungen könnten die Produktion wichtiger Substanzen beeinflussen, die das Immunsystem im Kampf gegen Infektionen benötigt.


Erstes genetisch selektiertes Baby


In Großbritannien kam das weltweit erste genetisch ausgewählte Baby ohne Brustkrebs-Gen zur Welt. Die Eltern hatten sich für eine künstliche Befruchtung und die anschließende Auswahl eines Embryos mit Hilfe der Präimplantationsdiagnostik entschieden, nachdem in der Familie des Vaters in den vorangegangenen drei Generationen Brustkrebs aufgetreten war.


„Fette“ Diabetiker-Lebensmittel


So genannte „Diabetiker-Lebensmittel“ sind häufig besonders fett- und kalorienreich. Sie hätten laut dem Deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung nichts mit gesunder Ernährung zu tun. Bis auf süße Getränke könnten Diabetiker inzwischen alles zu sich nehmen, solange ihr Blutzucker-Spiegel einigermaßen konstant sei - spezielle „Diabetiker-Lebensmittel“ seien nicht notwendig.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 3 / 10.02.2009

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