neu & aktuell - Politische Kurzmeldungen (10.02.2009)
Mehr Geld für die Forschung
Die öffentlichen Mittel für die Forschung müssten auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts erhöht werden, forderte ÖÄK-Präsident Walter Dorner in einem Appell an die Bundesregierung. Zuletzt lagen sie bei 2,63 Prozent des BIP. Speziell die medizinische Wissenschaft ist, so Dorner, auf Forschungsmittel aus dem Staatsbudget angewiesen, weil in diesem Fach in einem hohen Maß Grundlagenforschung betrieben wird. Durch höhere öffentliche Gelder könnte auch die Abhängigkeit der medizinischen Forschung von den Drittmitteln der Industrie vermieden werden. Zusätzliche Mittel werden auch wegen der von der Regierung geplanten Erhöhung der Zahl der Medizin-Studienplätze benötigt. Dorner: „Das wird ohne eine Erhöhung der Ausgaben nicht gehen. Die Medizinuniversitäten und das Medizincurriculum wurden eben erst mit großen Hoffnungen reformiert. Nun darf die Regierung sie und die anderen Universitäten nicht im Regen stehen lassen.“ Die Regierung müsste jedenfalls zugunsten der Universitäten einen Ausgleich für die entfallenen Studiengebühren schaffen.
Salzburg baut Krebsbehandlung aus
Die Zahl der Krebspatienten an der Universitätsklinik für Innere Medizin III Salzburg hat sich in den vergangenen Jahren fast verdoppelt, berichtete Klinikvorstand Univ. Prof. Richard Greil bei einem gemeinsamen Pressegespräch mit Gesundheitsreferentin LH Gabi Burgstaller. Die starke Zunahme ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass sich die durchschnittliche Überlebenszeit von Patienten in den vergangenen 15 Jahre von fünf bis sechs Monate auf mehr als 30 Monate erhöht hat. Sogar bei aggressiven Brustkrebsformen im Spätstadium habe sich die durchschnittliche Überlebenszeit verdoppelt, erklärte Greil. Außerdem hat die Zahl der Krankheitsformen, die erfolgversprechend therapiert werden können, deutlich zugenommen, etwa beim Nierenzellkrebs. Burgstaller kündigte an, dass das Land Salzburg die Krebsbehandlung weiter forcieren wird. So werden die stationären und tagesklinischen Bettenkapazitäten der Inneren Medizin III in Salzburg ausgebaut; ebenso werden die Kooperationen zwischen der Onkologie und den Spitälern in Schwarzach im Pongau, Zell am See und Tamsweg verstärkt.
Nichtraucherschutz senkt Herzinfarkte
Strikte Rauchverbote wirken sich positiv auf die Gesundheit aus, hat jetzt eine Untersuchung in der US-Stadt Pueblo in Colorado gezeigt. Dort wurde vor drei Jahren ein striktes Rauchverbot in öffentlichen Räumen und am Arbeitsplatz erlassen. Seither gingen die Hospitalisierungen wegen akuten Herzinfarkts drastisch zurück, der Effekt hält immer noch an, erklärten Wissenschafter des US-Center of Disease Control and Prevention. Studienleiterin Janet Collins betonte, dass Maßnahmen zur Rauchfreiheit die Krankheits- und Todesfälle durch Herzerkrankungen auch bei Nichtrauchern dramatisch reduzieren. Die Wissenschafter registrierten in der 140.000 Einwohner-Stadt 18 Monate vor dem Rauchverbotsgesetz am 1. Juli 2003 exakt 399 akute Infarktpatienten, 18 Monate nach Einführung des Gesetzes war die Anzahl um 27 Prozent gesunken und nach weiteren 18 Monaten nochmals um 19 Prozent. In zwei nahe gelegenen Gebieten ohne restriktive Gesetze blieb die Zahl der Hospitalisierungen wegen Herzinfarktes gleich hoch.
Steiermark: Start von „Styriamed.net“
Ein neuartiges Medizin-Netzwerk - es wurde von der Ärztekammer für Steiermark initiiert - gibt es seit Jänner 2009 in der Steiermark: „Styriamed.net“. Dabei handelt es sich um einen regionalen Ärzteverbund aus Allgemeinmedizinern und Fachärzten mit dem Ziel, die Versorgungsqualität außerhalb der Spitäler weiter zu verbessern. In den Bezirken Hartberg und Leibnitz startet die Pilotphase; nach einer Evaluierung Ende 2009 soll das Konzept schrittweise auf die gesamte Steiermark ausgedehnt werden. Ärztekammerpräsident Wolfgang Routil - von dem die ursprüngliche Idee zu dieser neuen Organisationsform stammt - erklärte, man habe damit eine „virtuelle Gruppenpraxis geschaffen“. Spürbare Verbesserungen für Patienten ergeben sich durch erleichterte Terminvereinbarungen im Netzwerk, abgestimmte Öffnungszeiten der Ordinationen und die kontinuierliche Verbesserung der Abläufe und Strukturen.
Kritik an steirischer GKK
Scharfe Kritik an der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse übte der steirische BZÖ-Obmann NAbg. Gerald Grosz. Trotz einer für 2008 prognostizierten Neuverschuldung in der Höhe von 57,5 Millionen Euro wurde das Personal bei einem Stand von 1.220 Mitarbeitern aufgestockt; außerdem sei der Aufwand für Dienstautos und -reisen alles andere als sparsam. Gesundheitsminister Stöger habe in einer parlamentarischen Anfragebeantwortung unter anderem bestätigt, dass die Kasse über 74 Dienstwagen verfügt und Mitarbeiter Dienstreisen um rund 187.000 Euro absolviert hätten. Zudem wurden für PR- und Werbekosten in den Jahren 2007 und 2008 mehr als 565.000 Euro ausgegeben. Der Obmann der Gebietskrankenkasse Josef Pesserl wies die Vorwürfe scharf zurück. Die Kasse würde alle Sparpotenziale ausschöpfen, solange darunter nicht die Qualität der Arbeit für die fast 900.000 Anspruchsberechtigten leide.
ÖÄK-Symposium „Gesundheitspolitik“
Zu einem gesundheitspolitischen Symposium hatte die ÖÄK Vertreter ranghohe Gesundheitspolitiker und Vertreter der Ärzteschaft aus Mitteldeutschland sowie Gesundheitsminister Alois Stöger in die Österreichische Ärztekammer eingeladen. Daran teilgenommen haben etwa die Gesundheitsministerin von Sachsen-Anhalt, Gerlinde Kuppe, die Gesundheitsministerin von Sachsen, Christine Clauß, Spitzenvertreter der Gesundheitsministerien von Thüringen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und der Präsident der sächsischen Ärztekammer. Zentrales Thema des deutsch-österreichischen Gipfels war die Zukunft der Gesundheitsversorgung der rund 22 Millionen Patienten in Mittel-Deutschland und Österreich.
Die Grundlage für diesen Meinungsaustausch bildete das von der ÖÄK im Vorjahr erarbeitete „Gesundheitspolitische Konzept“. Einen ausführlichen Bericht über das Symposium bringen wir in der nächsten Ausgabe.
ÖÄK fordert strengere Kontrolle des Tabakgesetzes
Ärztekammer-Präsident Walter Dorner hat die Bundes- und Landesregierungen aufgefordert, strengere Kontrollen des Tabakgesetzes durch die zuständigen Behörden durchzusetzen und nicht angesichts der zahlreichen Ausnahmen beide Augen zuzudrücken. „Das kann doch nicht heißen, dass die Behörden zuwarten, bis betroffene Nichtraucher Anzeigen einbringen“. Anlass für die Kritik ist die steigende Zahl der Beschwerden von Bürgern zum Tabakgesetz, die sich mittlerweile bei der Österreichischen Ärztekammer häufen. Dorner hofft und setzt auf die Unterstützung von Gesundheitsminister Alois Stöger, die Kontrollen voranzutreiben, ein gezieltes Monitoring der Aktionen durchzuführen und Verbesserungen anzustreben.
Zu dick: Adoption untersagt
Weil der männliche Teil eines Ehepaares in der nordenglischen Stadt Leeds stark übergewichtig ist, haben die Behörden den Eheleuten die gewünschte Adoption eines Kindes verweigert. Bevor der Mann einen Adoptionsantrag stellen könne, müsse er erst einmal kräftig abspecken, forderten die Beamten. Der 37jährige Damien Hall ist Mitarbeiter eines Call-Centers und weist nach eigenen Angaben bei einem Gewicht von 150 Kilogramm und einer Größe von 1,85 Meter einen Body-Mass-Index (BMI) von 42 auf. In einem Schreiben des zuständigen Amtes wurde er jetzt aufgefordert, seinen BMI auf 40 zu senken und sich in einem halben Jahr einer neuerlichen ärztlichen Untersuchung zu unterziehen.
Simbabwe: Tausende Cholera-Tote
Im südafrikanischen Simbabwe sind seit Ausbruch der Seuche im August mehr als 48.000 Cholera-Fälle gemeldet worden. Bisher sind 2.700 Menschen daran gestorben, berichtet die WHO. Die Sterblichkeitsrate bei der Epidemie sei fünfmal höher als üblich. Das Gesundheitssystem und die Trinkwasserversorgung sind im völlig verarmten Simbabwe zusammengebrochen.
Frankreich: Freispruch im Hormon-Skandal
Ein Gericht in Paris sprach vor kurzem alle sechs Angeklagten frei, die sich in den 1980er Jahren an den Behandlungen mit verseuchten Wachstumshormonen aus Leichengehirnen beteiligt hatten. Durch die verseuchten Wachstumshormone kamen bisher 117 Kinder und junge Erwachsene ums Leben, weil sie dadurch mit der tödlichen Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) infiziert wurden.
Deutschland: Erneut Fall von Vogelgrippe
In Deutschland wurde neuerlich ein Fall von Vogelgrippe festgestellt. Diesmal mussten auf einer Putenfarm in Friesoythe in Niedersachsen knapp 38.000 Tiere getötet werden. Der infizierte Bestand selbst habe 14.700 Puten umfasst, erklärten die Behörden. Dort war das Virus H5N3 nachgewiesen worden. Im Nachbarort mussten vorsorglich 23.000 Tiere getötet werden.
China: Todesurteile im Milchpulver-Skandal
Im Skandal um verseuchtes Babymilchpulver in China sind drei Männer zum Tode verurteilt worden. Durch die Milchprodukte, denen die Chemikalie Melamin beigemischt wurde, waren im Vorjahr sechs chinesische Neugeborene gestorben; rund 300.000 Kinder erkrankten zum Teil schwer. Die Haftstrafen der übrigen von insgesamt 21 Angeklagten liegen zwischen fünf und 15 Jahren.
Wien: Michael-Neumann-Gasse
Im 19. Wiener Gemeindebezirk wurde eine Gasse nach dem langjährigen Präsidenten der Wiener und Österreichischen Ärztekammer, Prim. Michael Neumann (1945 - 1999) benannt.
Hans-Jörg Schelling neuer Hauptverbands-Chef
Zum neuen Vorstandsvorsitzenden im Hauptverband der Sozialversicherungsträger wurde Hans-Jörg Schelling gewählt. Er folgt auf Erich Laminger, dessen Funktionsperiode 2008 ausgelaufen ist. Der 56-jährige Schelling - er ist auch Vizepräsident der Wirtschaftskammer - war bisher Obmann der AUVA. Der gebürtige Vorarlberger ist verheiratet und Vater zweier Kinder.
Hagenlocher neuer Pharmig-Vizepräsident
Der Geschäftsführer von Bayer Austria, Martin Hagenlocher, wurde vom Vorstand der Pharmig, dem Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs, einstimmig zum Vizepräsidenten gewählt. Mit Präsident Hubert Dreßler sowie Vizepräsident Christian Seiwald besteht das Pharmig-Präsidium wieder aus drei Personen. Das Amt des zweiten Vizepräsidenten war seit 2007 unbesetzt.
© Österreichische Ärztezeitung Nr. 3 / 10.02.2009





