17.000 Ordinationen evaluiert
Die Qualität stimmt
Die ÖQMed zieht Bilanz: In nur knapp drei Jahren hat die Österreichische Gesellschaft für Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement in der Medizin 17.000 Ordinationen hinsichtlich ihrer Qualitätsstandards überprüft. Insgesamt wurden 1.400 Mängelbehebungs-Aufträge erteilt; elfmal gab es Anzeigen beim Disziplinaranwalt.
Von Agnes M. Mühlgassner
Nach zwei Jahren Vorarbeit und weiteren drei Jahren der tatsächlichen Phase der Evaluierung zeigen sich sowohl ÖÄK-Präsident Walter Dorner als auch der für Qualitätssicherung zuständige Präsidialreferent in der ÖÄK, Otto Pjeta, mit dem Ergebnis zufrieden. „Wir können mit Stolz sagen, dass das eine großartige Leistung ist“, erklärte Dorner; Pjeta wiederum zeigte sich überglücklich, das „das Ganze auch angenommen worden ist“. Von den mehr als 18.000 österreichischen Ordinationen wurden 1.200 im Zuge der Evaluierung abgemeldet. Insgesamt wurden 1.400 Mängelbehebungs-Aufträge (für 3.600 ermittelte Einzel-Mängel) erteilt; in elf Fällen wurde beim Disziplinaranwalt Anzeige erstattet.
An erster Stelle der Evaluierung stand die Selbstevaluierung mittels Fragebogen; darauf folgte die Prüfung hinsichtlich der Plausibilität der Angaben. Mit Hilfe eines Zufallsgenerators wurde eine Stichprobe von fünf Prozent der Ordinationen ermittelt, die von Auditoren überprüft wurden. Und diese Auditoren – es gibt rund 200 - müssen bestimmte Vorgaben erfüllen: eine zumindest fünfjährige hauptberufliche Tätigkeit in einer Ordination, eine fundierte Ausbildung in Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement, ihr Fachgebiet muss entweder ident oder sehr ähnlich dem Fachgebiet der zu besuchenden Ordination sein. Die Einhaltung von Mängelbehebungs-Aufträgen wurde beispielsweise durch den Rechnungsnachweis (bei fehlenden Geräten), den Nachweis über erfolgte Schulungen (etwa bei Ordinationshilfen) oder durch einen neuerlichen Besuch des Auditors überprüft.
Nach Ansicht der Geschäftsführerin der ÖQMed, Esther Thaler, ist die Selbstevaluierung valide, denn nur knapp acht Prozent der Ärzte hätten falsche Angaben gemacht, „allerdings die meisten zu ihren eigenen Ungunsten.“ Zwei Drittel der tatsächlich beanstandeten Mängel betrafen die Ausstattung der Ordination, ein Drittel die Ausbildung des Personals in den Ordinationen, das Kommunikationsverhalten im Notfall, Mängel bei der Dokumentation und auch bei der Fortbildung. In zahlreichen Qualitätsmanagement-Systemen stellt die Selbstevaluierung den ersten Schritt dar, etwa bei EFQM oder auch bei KTQ, wie Thaler betont. Die Kritik an der Tatsache, dass Besuche von Auditoren angekündigt erfolgen, kann die Geschäftsführerin nicht nachvollziehen. „Ein Audit kann und darf nur angekündigt erfolgen. Der Betrieb muss sich vorbereiten können. Und der Besuch eines Auditors darf nicht den Ablauf in einer Ordination stören. Wir fordern Qualitätsstandards, ein unangekündigter Besuch würde das konterkarieren“. Selbst die US-amerikanische FDA (Food and Drug Administration) kündigt ihre Besuche an, ergänzte Thaler.
Die nun erfolgreich absolvierte Erst-Evaluation aller Ordinationen bezeichnet die ÖQMed-Geschäftsführerin als Startschuss. Denn: „Qualitätssicherung ist ein Prozess, der kontinuierlich weiter entwickelt werden muss. Wir bieten beispielsweise schon seit einiger Zeit auch eine Ausbildung zum Riskmanager oder auch das Tool der Patientenbefragungen für niedergelassene Ärzte an.“
Die Qualitätssicherung selbst hat jedoch nicht erst mit der Evaluierung der Ordinationen begonnen. Zahlreiche Vorgaben von außen hätte es schon zuvor gegeben, wie ÖÄK-Chef Dorner erläutert. Dazu zählen etwa die Überprüfung von Elektrogeräten, Laborkontrollen, Leitlinien zur Prozessqualität oder etwa auch Qualitätszirkel für die verschiedensten Bereiche. „Das alles war den Kassenärzten auch schon vorher vorgegeben.“ Auch dass man die entsprechende Motivation der Ärzte erzielen konnte – es gab nur minimale Ausfälle – hebt Dorner besonders hervor. „Die Ärzte wissen sehr wohl, was Qualität ist und dass wir dieses Ergebnis europaweit herzeigen können. In keinem einzigen europäischen Land gibt es eine derartige Akzeptanz der Qualitätssicherung wie in Österreich.“
Die Forderung des erst seit kurzem im Amt befindlichen Hauptverbands-Vorsitzenden Hans-Jörg Schelling nach mehr Mitsprache des Hauptverbandes bei der Qualität bedeute für ihn, Dorner, Eulen nach Athen zu tragen. „Er kennt offensichtlich das Papier noch nicht, das im Bundesärzteausschuss besprochen wurde“, so der ÖÄK-Präsident. In Zukunft sollen sowohl Gesundheitsministerium als auch Hauptverband in die Qualitätssicherung stärker eingebunden werden. Wenngleich der Ärztepräsident betonte, dass „die Kontrollen von uns wesentlich strenger sind, weil nur wir die Schwächen unserer Standeskollegen kennen.“ Gespräche über eine Qualitätssicherungs-Verordnung neu und auch über eine neue Zusammensetzung des wissenschaftlichen Beirats wurden bereits im Sommer vor dem „Crash“ (Dorner) geführt. „Das wird in diesem Jahr kommen müssen. Und es kann nur mit Zustimmung des Ministeriums erfolgen und in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Qualitätssicherung im Gesundheitswesen“.
Pannen gab es gleich zu Beginn im Jahr 2004, und zwar bei der Gesetzesentstehung selbst. Der erste Verordnungs-Entwurf, den man der damals zuständigen Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat vorgelegt hatte, konnte erst nach einem Jahr in Kraft treten, weil Umarbeitungen erforderlich waren. Darüber hinaus veranlasste Rauch-Kallat, dass der Gesetzestext im Begutachtungsverfahren an die Bundesländer und die Patientenanwaltschaft geschickt wurde. „Die Behauptung, dass es sich hier also um eine selbstgestrickte Angelegenheit handelt, ist aus der Luft gegriffen“, betonte der zuständige Präsidialreferent für Qualitätssicherung in der Österreichischen Ärztekammer, Otto Pjeta. Und weiter: „Qualität ist nicht etwas, was von einem Ministerium oder einem Partner kontrolliert wird, sondern etwas, was geschaffen wird. Die Qualitätssicherung ist die Kernkompetenz dieses Unternehmens, der ÖQMed.“
Das wirklich Neue an diesem Projekt sei – so Pjeta – gewesen, die Ärzte im Evaluierungsverfahren zu motivieren und so die entsprechende Akzeptanz für das Vorhaben zu erzielen. Und auf dem Erreichten will man auch Künftiges aufbauen. „Die Basis, die wir geschaffen haben, wollen wir weiter entwickeln.“ Konkrete Vorhaben für die Zukunft gibt es, sagt Pjeta - der übrigens auch die Ausbildung zum Verifikator absolviert hat: „Es soll noch mehr in Richtung Patientenorientierung gehen, das Fehlermanagement und die Patientensicherheit werden ebenfalls Themen sein.“ So ist beispielsweise geplant, anhand von bestehenden Fehlern ein Informationssystem für Ärzte zu schaffen.
Dass die Qualitätssicherung nun auch für alle anderen Institutionen im Gesundheitswesen verpflichtend kommt, das fordern Pjeta und Dorner. „Die Einführung einer Qualitätssicherung für alle Gesundheitsdienste-Anbieter steht expressis verbis im Regierungsprogramm“, so der Ärztechef abschließend.
Qualitätssicherung: ÖÄK und Hauptverband gehen gemeinsamen Weg
Die Meinungsverschiedenheiten über die Qualitätssicherung bei niedergelassenen Ärzten zwischen dem Hauptverband und der Österreichischen Ärztekammer scheinen beigelegt zu sein.
Bekanntlich hatte es auf Seiten der ÖÄK erhebliche Irritationen gegeben, nachdem der neue Vorsitzende im Hauptverband der Sozialversicherungsträger, Hans-Jörg Schelling (V), erklärt hatte, bei der Vertragsgestaltung mit den niedergelassenen Ärzten „eine Liste von Qualitäts- und Objektivierungsmaßnahmen zu diskutieren.“
In einer Aussprache haben ÖÄK-Präsident Walter Dorner und Hans-Jörg Schelling das im Vorjahr getroffene Übereinkommen bekräftigt, bei dem vereinbart wurde, „in allen Reform-relevanten Dingen auf Gemeinsamkeit zu setzen.“ Künftig sollen in die Qualitätssicherung der ÖQMed der Hauptverband und die Krankenkassen inhaltlich und strukturell eingebunden werden. Einen Vorschlag zur Einbindung der Sozialversicherung in die Organisation und Durchführung der Qualitätssicherung soll zusammen von Hauptverband und ÖÄK erstellt werden; eine Arbeitsgruppe soll einen gemeinsamen Weg festlegen.
Von Seiten der Österreichischen Ärztekammer wird jedoch betont, dass die Kontrolle der Ordinationen wie bisher durch speziell ausgebildete Ärzte erfolgt, da nur so die bisher ereichte „hohe Akzeptanz“ erhalten werden könne.
Die Evaluierung in Zahlen
- 17.000 Ordinationen wurden zwischen April 2006 und 31. Dezember 2008 evaluiert.
- Im April 2006 wurden – als Probelauf – 300 urologische Ordinationen evaluiert.
- Der richtige Start erfolgte im Juni 2006 mit der planmäßigen Evaluierung von 4.000 Ordinationen in Niederösterreich und Vorarlberg. In regelmäßigen Evaluierungswellen wurden ab diesem Zeitpunkt zwischen 3.000 und 4.000 Ordinationen pro Welle evaluiert.
- Insgesamt 1.250 Ordination wurden von Auditoren besucht.
- In 1.400 Ordinationen wurden Mängel festgestellt.
- 1.200 Ordinationsinhaber haben im Zuge der Evaluierung die Ordination abgemeldet: 116 Ordinationen wurden verlegt, 51 Ärzte gingen in Pension, 22 Ärzte verstarben: bei 974 Ordinationen sind die Gründe nicht bekannt.
- 1.699 Ordinationen – sie wurden in diesem Zeitraum neu eröffnet – werden derzeit noch evaluiert.
© Österreichische Ärztezeitung Nr. 3 / 10.02.2009





