Technisches Museum: „Geschmackssache“
Wer einmal selbst Brot backen will…
Man nimmt eine wohlschmeckende Mahlzeit mit Freuden an, denkt aber selten daran, was alles nötig ist, damit Essen überhaupt am Tisch steht. Diese Ausstellung lässt hinter viele Kulissen blicken – und ermöglicht das „Selbermachen“!
Von Renate Wagner
Wissen, was dahinter steckt – darum geht es doch im Leben. Und längst sind viele Museen auch interaktive Orte, die ihre Besucher zu Akten des Begreifens einladen. So wie das Technische Museum, das sich nun anschickt zu erklären, „was Essen zum Genuss macht“. Vom Rohstoff zum Endprodukt führt ein Weg, dessen Stationen man sich nicht immer bewusst macht.
Drei große Themenkreise befassen sich mit Milch- und Getreideprodukten, mit Fleisch und schließlich – vom Publikum wohl besonders begehrt – mit Genussmitteln. Milch und Getreide zuerst, wobei man zur Milch auch eine kulturhistorische Köstlichkeit zu bieten hat, nämlich ein Modell der einstigen Betriebsanlage der Wiener Molkerei aus den Jahren 1906/1907. Hier kann man in den einzelnen Räumen auch noch die Arbeitsschritte der Herstellungsprozesse sehen.
Ein großes, historisches hölzernes Mühlrad erinnert an die Mühlen, die „am rauschenden Bach“ klappern mussten, damit die Grundvoraussetzung für das „tägliche Brot“, das Mehl, gegeben war: Wie zahllos die Endprodukte von gemahlenem Getreide sind, wird auf einer Art von Supermarktregalen präsentiert.
Die Kuh aus der Molkereianlage leitet zum Bereich „Fleisch“ über, der natürlich auch jenes Thema nicht aussparen kann und will, das der Mensch, der sich im Genuss seines Schnitzels nicht stören lassen möchte, gedanklich gerne ausblendet: die Schlachtung. Zwei Räume, die aus Edelstahl gestaltet sind, demonstrieren den Weg vom rohen Fleisch über dessen Verwahrung, Haltbarmachung bis zur Verarbeitung zu Wurst, Fleischextrakten und Fertiggerichten. Vom rohen Fleisch zum ersehnten Essen führt der Weg natürlich auch durch die unersetzliche Hitzeeinwirkung, die im Küchenbereich vor sich geht.
„Feine Unterschiede“ nennt sich der letzte Teil der Ausstellung, nicht nur mit dem Auge, sondern auch mit dem Gaumen kulinarisch zu erleben: Es geht um die „feinen Unterschiede, Kaffee und Schokolade zwischen Luxus und Masse“. Bekanntlich hat sich die Kakaobohne in Europa nicht auf Anhieb durchgesetzt, da sie zutiefst bitter war. Erst als man entdeckte, wie sie mit Hilfe von Zucker und Milch in die „zartesten Versuchungen“ verwandelt werden konnte, trat sie als Schokolade ihren nie endenden Siegeszug an. Auch die Kaffeebohne musste erst in ihrer Verwertbarkeit entdeckt und zu jenem Kaffee veredelt werden, der heute in unseren Breiten auf keinem Frühstückstisch fehlt. Die Luxusprodukte wurden zu Massenprodukten, was die Ausstellung auch mit dem Nebeneinander von eleganten Biedermeier-Kaffeetassen und Pappbechern, wie sie derzeit ja auch in unseren Landen eingeführt werden sollen, sinnlich macht…
„Geschmackssache“ ist nicht nur eine Ausstellung für die ganze Familie, sondern auch ein interaktives Erlebnis-Vergnügen: Das Technische Museum bietet dazu eine Fülle von Rahmenveranstaltungen, wovon Schokolade- und Getreidewerkstätten nur zwei Angebote von vielen darstellen. Und wer schon immer selbst Brot backen oder Kaffee rösten wollte … hier wird es möglich.
Was, Wann, Wo:
Geschmacksache. Was Essen zum Genuss macht
Bis zum 21. Juni 2009
Montag bis Freitag 9h bis 18h
Samstag, Sonntag und Feiertage 10h bis 18h
Technisches Museum Wien
Mariahilfer Straße 212
1140 Wien
www.technischesmuseum.at
© Österreichische Ärztezeitung Nr. 3 / 10.02.2009





