Jugendliche und Übergewicht
Großes Problem für Schulärzte
Gespräche mit Kindern, Eltern und Lehrern, Gesundheitstage an den Schulen, Bewusstseinsbildung – Österreichs Schulärzte versuchen intensiv, das Thema Übergewicht und Bewegungsmangel an den Schulen zu thematisieren.
Von Sabine Fisch
Die Zahlen sind wenig erfreulich: In Österreich sind 28,5 Prozent der Burschen und 16,4 Prozent der Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren übergewichtig. Europaweit sind es 27,6 Prozent der Burschen und 21 Prozent der Mädchen, die buchstäblich zu viel Gewicht mit sich herumtragen. Das sind die ersten Ergebnisse der europaweiten HELENA-Initiative, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Ernährungs- und Bewegungsverhalten von Jugendlichen in Europa zu verbessern. „Das ist auch notwendig“, sagt die Schulärztereferentin der Österreichischen Ärztekammer, Gudrun Weber. Denn vom Schul-Buffet bis zum Fastfood-Konsum sind Kinder und Jugendliche einem „Überangebot an Kalorien ausgesetzt. Viele kennen mittlerweile weder Hunger- noch Sättigungsgefühl.“ Die Ursachen für diese Probleme sind vielfältig. Gudrun Weber ortet unter anderem auch den Zeitmangel in vielen Familien der betroffenen Kinder: „Es gibt kaum noch gemeinsame Mahlzeiten, viele Kinder und Jugendliche sind am Nachmittag allein, sitzen vor dem PC und essen aus Frust.“
Österreichs Schulärzte versuchen seit Jahren, mit Einzelinitiativen das Problem ‚jugendliches Übergewicht’ zu thematisieren. Eine Möglichkeit stellt für Weber die jährliche Untersuchung der Kinder- und Jugendlichen in den Schulen dar. Dabei werden Größe, Gewicht und Body Mass Index erhoben: „Diese Untersuchung bietet sicherlich die Möglichkeit für ein erstes Gespräch mit dem Kind“, so Weber. „Darüber hinaus laden wir auch Eltern zu Gesprächen ein, sprechen mit Sport- und Biologielehrern und versuchen, Gesundheitsprogramme in den Schulen zu initiieren.“ Gudrun Weber ist Schulärztin in einem Gymnasium im 15. Bezirk. Sie schildert ein kürzlich erfolgreich umgesetztes Projekt: „Wir haben an unserer Gymnasium auf der Schmelz im Vorjahr einen Gesundheitstag veranstaltet.“ Dabei konnten sich die Kinder und Jugendlichen mit gesunder Ernährung auseinandersetzen, verschiedene Sportarten ausprobieren und Entspannungstechniken kennenlernen.
Kampf gegen Windmühlen
Trotzdem bleibt die Auseinandersetzung der Schulärzte gegen Übergewicht und Bewegungsmangel vorerst ein Kampf gegen Windmühlen.
Österreichweite Initiativen gibt es nicht, es mangelt an Zeit und an Geld. Die Ärztekammer bietet immer wieder Fortbildungen zu den Themen an, „was es aber vor allem auch bräuchte, wären Fortbildungsveranstaltungen für Lehrer, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen wollen“, sagt Gudrun Weber. Nichtsdestoweniger setzen sich viele Schulärzte engagiert mit diesem Thema auseinander. „Wir haben uns beispielsweise intensiv für die Fahrradklassen an Österreichs Schulen eingesetzt.“
Bewusstsein bilden
Für Weber ist allerdings klar, dass die von ihr genannten Initiativen an den Schulen nur einen Tropfen auf dem heißen Stein darstellen können: „Eine Bewusstseinsänderung muss im Elternhaus beginnen“, hält sie im Gespräch mit der ÖÄZ: „Bereits im Kleinkindalter sollten die Eltern – etwa von den Kinderärzten – über gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung ihrer Kinder informiert und mit Hilfsangeboten versorgt werden.“ Auch im Kindergarten hält Gudrun Weber Aufklärungskampagnen über gesunde Ernährung und Bewegung für sinnvoll.
Denn – auch das ein Ergebnis der HELENA-Initative: Viele Angewohnheiten, ob gesund oder ungesund, werden bereits im Kindesalter erworben und dann lebenslang beibehalten. Und: Übergewichtige Kinder und Jugendliche „wachsen“ nur selten in ihr Übergewicht „hinein“ – vielmehr bleiben sie auch in ihrem Erwachsenenleben übergewichtig – mit all den damit einhergehenden gesundheitlichen Konsequenzen.
HELENA-Projekt |
© Österreichische Ärztezeitung Nr. 3 / 10.02.2009





