Aids im Focus
ÄK Wien: Jahr der Gesundheitsvorsorge
HIV/Aids steht im zweiten Quartal 2008, das die Ärztekammer Wien bekanntlich zum Jahr der Gesundheitsvorsorge ausgerufen hat, im Focus. Immerhin: In Österreich infizieren sich ein bis zwei Menschen am Tag mit Aids; die Hälfte davon in Wien.
Von Agnes M. Mühlgassner
Im Gegensatz zur Sozialversicherung, die „im Sanierungspapier von Prävention nichts von sich hören hat lassen, können wir Ärzte schon heute beweisen, dass uns die Gesunderhaltung der Bevölkerung wichtig ist“, erklärte der Präsident der Ärztekammer Wien, Walter Dorner, bei der Präsentation des zweiten Schwerpunktthemas HIV/Aids. Man wolle mit dieser Aktion dazu beitragen, dass es in Zukunft weniger HIV-Infizierte gebe, erklärte Dorner. „Wir wollen die Ärzte für das Thema Prävention gewinnen“, so der Wiener Ärztechef. Besonders Jugendliche sollen angesprochen werden, weswegen den Schulärzten und den niedergelassenen Ärzten als erste Anlaufstelle eine besondere Aufgabe zukommt.
Bei Aids gehe es nicht mehr darum, Grundinformationen zu übermitteln, betont Dennis Beck, Obmann der Aids-Hilfe Wien. Die Einstellung der Menschen zur Erkrankung sei das Problem. „Die meisten Menschen glauben: ‚es betrifft mich nicht’“, berichtet Beck. Aber die Zeiten, in denen man die Erkrankung der Schwulen- und Drogenszene zuordnete, sei „lange vorbei“. 42 Prozent aller Neu-Infektionen erfolgen mittlerweile auf heterosexuellem Weg – mit nachhaltigen Konsequenzen. Beck: „Wenn immer mehr Heterosexuelle betroffen sind und man keine Maßnahmen setzt, wird die Infektion rascher weitergehen, weil sie sich nicht mehr auf eine eingegrenzte Gruppe beschränkt“. So stieg etwa in Österreich die Infektionsrate von 2006 auf 2007 um 16 Prozent. 2007 wurden in Österreich 515 Neu-Infektionen mit HIV registriert; davon waren mehr als 50 Prozent in Wien. Bis 1. April 2008 hat es in Österreich zwischen 12.000 und 15.000 (Dunkelziffer!) Menschen mit HIV-Infektion gegeben; 2.599 sind erkrankt, davon 1.463 verstorben. Derzeit leben also in Österreich 1.136 Menschen mit Aids. Im Wiener Aids-Hilfe-Haus kann man den HIV-Test anonym und kostenlos machen lassen.
Brigitte Schmied, Präsidentin der Österreichischen Aids-Gesellschaft und Oberärztin der II. Internen Abteilung SMZ Baumgartner Höhe in Wien, bereitet vor allem die massive Ausbreitung von Aids in Osteuropa Sorgen. So weist etwa die Ukraine die höchste HIV-Prävalenz in Europa auf. Schmied dazu: „Eine neue Infektionswelle könnte nach Österreich überschwappen“. Die Syphilis, die „bekanntermaßen ein Indikator dafür ist, dass auch die HIV-Infektionen ansteigen“, sei schon übergeschwappt. Die Expertin liefert auch einen weiteren Grund für verstärkte Maßnahmen im Bereich der Prävention: „30 bis 35 Prozent der Betroffenen werden erst mit einer weit fortgeschrittenen Erkrankung diagnostiziert. Hier haben Infizierte fünf bis zehn Jahre ein relativ sorgloses Leben geführt“.
Alle niedergelassenen Allgemeinmediziner, Dermatologen, Pulmologen und Gynäkologen hat die ÄK Wien mit Foldern und Plakaten ausgestattet. Ein Fortbildungsschwerpunkt zum Thema Aids, bei dem DFP-Punkte vergeben werden, ist für das Wintersemester geplant. Workshops in Schulen, bei denen Jugendlichen von HIV-positiven Menschen über das Leben und den Alltag mit einer HIV-Infektion erfahren werden, vervollständigen das Angebot.
Broschüren und Plakate gibt es kostenlos bei der Pressestelle der Ärztekammer Wien (Tel.: 51 501/12 23 oder pressestelle@aekwien.at). Unter www.aekwien.or.at gibt es Broschüre und Plakat auch als Download.
© Österreichische Ärztezeitung Nr. 8 / 25.04.2008





