ÖÄZ 8 - 25.04.2008Kunsthistorisches Museum

Arcimboldo im Kunsthistorischen Museum


Kirschenlippen und Gurkennase …



Für das Kunsthistorische Museum ist „Der Sommer“ des Arcimboldo, ein Menschenkopf, der sich aus Obst und Gemüse zusammensetzt, eines seiner Paradewerke. Nun gilt ihm eine der umfangreichsten Ausstellungen, die es je über ihn gab.

Von Renate Wagner

Giuseppe Arcimboldo, geboren 1526 in Mailand, verstorben 1593 ebenda, hat seine große Karriere allerdings nicht in seiner italienischen Heimat, sondern von 1562 bis 1587 an den Habsburgischen Höfen in Wien und in Prag gemacht. Er diente Kaiser Maximilian II. und dessen Sohn Rudolf II. in vielen Eigenschaften – als Zeichner und Maler von Naturstudien, besonders von fremdartigen Tieren, auch als Porträtist der kaiserlichen Familie, als Feste-Arrangeur und –Ausstatter. Doch der ganz besondere Ruhm, den Arcimboldo heute genießt, beruht nicht auf diesen mannigfaltigen Tätigkeiten, sondern auf einer Spezialität der Renaissance, die er beherrschte wie kaum ein anderer: den so genannten Komposit-Bildern, Porträts, die aus den verschiedensten Elementen zusammen gesetzt wurden.


Die Zyklen


Am bekanntesten sind die Zyklen der „Vier Jahreszeiten“ und der „Vier Elemente“, die Arcimboldo immer wieder malte, so dass man sie nun in der Ausstellung des Kunsthistorischen Museums in zahlreichen Variationen bewundern kann. Trotz der Raubzüge der Schweden im 30jährigen Krieg, die viele Werke des Künstlers von Prag in ihr Land „entführten“ (wo sie sich immer noch befinden), besitzt Wien einen wahren Schatz an Arcimboldo-Beständen. So richtig geschätzt werden diese allerdings erst heute wieder – Jahrhunderte lang war der einst so berühmte Maler nämlich vergessen. Erst im 20. Jahrhundert erkannte man in ihm den Vorgänger für Dadaisten und Surrealisten und diagnostizierte das, was man heute den „Arcimboldo-Effekt“ nennt.

Arcimboldo setzte den „Frühling“ aus Blumen, Blättern und Blüten zusammen, den „Sommer“ aus Früchten und Gemüsen, den „Herbst“ aus Trauben, Weinblättern, Holz, den „Winter“ aus Elementen dürrer Bäume. Er malte einen Kopf aus Fischen (für „Das Wasser“), Tiere aller Art, darunter ein halber Elefantenkopf als Wange (für „Die Erde“), Vögel (für „Die Luft“), Kerzen, Öllampen, Feuerwaffen und mehr für „Das Feuer“. Wobei diese berühmtesten seiner Komposit-Bilder nicht nur das Ergebnis überbordender Phantasie sind. Tatsächlich konnte man an seinem „Frühling“ etwa 80 verschiedene, in sich exakt gemalte Blumenarten nachweisen.

Zu den Besonderheiten der reichhaltigen Ausstellung zählt etwa noch das Gesicht des „Juristen“, das sich aus Geflügel (!) zusammensetzt, und ein Meisterstück besonderer Art ist, „Der Bibliothekar“, der aus gestapelten Büchern besteht, mit einem aufgeschlagenen Buch als „Hut“. Besonders geschickt werden die „Umkehr“-Bilder präsentiert, die der unglaublichen Phantasie und Kunstfertigkeit Arcimboldos noch die Möglichkeit abforderten, dass die Werke gerade oder auf dem Kopf stehend gesehen, jeweils ein ganzes, gültiges Bild ergeben (hier mit Hilfe von Spiegeln übereinander bzw. untereinander zu betrachten).

So zaubert die Ausstellung gewissermaßen auch die Atmosphäre der Zeit, in der Arcimboldo sich bewegte und deren skurrile, reizvoll „absurde“ Ästhetik er stärker prägte als jeder andere.


Was, Wann, Wo:

Arcimboldo. 1526–1593
Bis 1.Juni 2008, täglich außer Montag 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 21 Uhr
Kunsthistorisches Museum Wien, Maria Theresien-Platz
www.khm.at



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 8 / 25.04.2008

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