Raucherentwöhnung
Beratung ist nicht gleich Entwöhnung
Eine Raucherberatung sollte jeder Arzt durchführen können; für die Entwöhnung selbst kann durchaus an speziell ausgebildete Kollegen und Institutionen weiter verwiesen werden. Mit der Anzahl der Entwöhnungsversuche steigt die Chance, Nichtraucher zu werden.
Von Ulli Stegbuchner
Grundsätzlich ist es wichtig, zwischen Beratung und Entwöhnung zu unterscheiden. Jeder Arzt sollte eine Raucherberatung durchführen können, für die Entwöhnung können Patienten durchaus an speziell ausgebildete Kollegen oder Institutionen verwiesen werden. Die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie bietet eine Ausbildung zur Raucherberatung und Raucherentwöhnung, die es Allgemeinmedizinern und Fachärzten gleichermaßen ermöglicht, eine strukturierte und differenzierte Beratung, Diagnostik und Behandlung anzubieten.
Der erste Schritt ist immer, einen Patienten auf das Rauchen anzusprechen und damit zumindest einen Reflexionsprozess auszulösen. Auch wenn der Betroffene vorerst abwehrend reagiert, sollte immer wieder die Gelegenheit beim Arztbesuch genützt werden zu intervenieren, um die Wichtigkeit des Anliegens hervorzuheben.
Ein beratendes Gespräch kann als Chance wahrgenommen werden, dass der Patient – vielleicht – dieses Mal die Ratschläge annimmt. Ähnlich wie beim Diabetiker der Blutzucker bestimmt wird, kann beim Raucher relativ unaufwendig die Kohlenmonoxid-Konzentration in der Atemluft gemessen werden. Auch damit bietet sich manchmal ein guter Einstieg, Patienten zu motivieren.
Erster Versuch: selten erfolgreich
Auch Tabakabhängige, die schon mehrere vergebliche Versuche hinter sich haben, mit dem Rauchen aufzuhören, sollen immer wieder motiviert werden. In den seltensten Fällen gelingt es Menschen sofort beim ersten Versuch; aber jeder Anlauf stellt eine neue Chance dar. Die Wahrscheinlichkeit, Erfolg zu haben, steigt durchaus mit der Anzahl der Versuche. Viele Raucher schaffen nicht sofort den Sprung zum Nichtraucher und wollen den Zigarettenkonsum lieber schrittweise reduzieren. „Natürlich ist es wünschenswerter, wenn der Patient sich entschließt, ganz mit dem Rauchen aufzuhören, da der Wille und die Motivation dann dementsprechend größer sind. Weniger zu rauchen ist aber ein guter Beginn“, betont Irmgard Homeier, Pneumologin am Otto Wagner-Spital in Wien. Hat sich ein Raucher zu einem Entwöhnungsversuch entschlossen, benötigt er auch Hilfestellung, um durchzuhalten. „Trotzdem muss immer wieder darauf hingewiesen werden, dass jede einzelne Zigarette schadet. Auch wer nur zwei bis drei Zigaretten pro Tag raucht, erhöht sein Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen“, erklärt Homeier. Und weiter: „Es ist wichtig, dem Patienten ein Konzept für eventuelle Rückfälle zu bieten. Jeder Raucher hat andere Risikosituationen, die einen Rückfall bewirken können. Die Rückfallprophylaxe stellt einen wichtigen Teil der Diplomausbildung zur Raucherentwöhnung dar“.
Gruppen- und Einzelberatung
Beratungen in der Gruppe sind grundsätzlich genauso erfolgreich wie die Einzelbetreuung. Oft profitieren die Patienten von der Gruppendynamik und können von anderen Teilnehmern Anregungen besser annehmen als vom Arzt. Allerdings empfiehlt es sich, die Gruppen nicht zu groß zu halten, da man bei mehr als zehn Teilnehmern nur noch schwer auf den Einzelnen eingehen kann.
Therapeutisches Hintergrundwissen ist speziell für die Gesprächsführung ein wichtiger Teil in der Behandlung; ein Psychologe oder Psychotherapeut muss allerdings nicht zwingend hinzugezogen werden. Hingegen ist das Einbinden einer Vertrauensperson durchaus sinnvoll. Es muss nicht unbedingt ein Familienmitglied sein, oft kann ein guter Freund die nötige Unterstützung geben. Rauchen mehrere Personen im gemeinsamen Haushalt, ist die Situation manchmal schwierig. Eine erfolgreiche Raucherentwöhnung muss aber nicht unbedingt den Lebenspartner mit einbeziehen. Allerdings sollten bestimmte Regeln vereinbart werden, wann, wie und wo geraucht wird.
Nikotinersatz großzügig einsetzen
Ein wichtiger Teil der Entwöhnung sind Medikamente und Nikotinersatzpräparate. Ein neuerer, partieller Nikotinrezeptorantagonist wird seit etwas mehr als einem Jahr sehr erfolgreich in der Raucherentwöhnung eingesetzt.
„In der Diplomfortbildung lernt der Arzt, Nikotinersatz auch hoch dosiert einzusetzen. Es braucht keine Zurückhaltung im Einsatz von Nikotinersatzpräparaten. Jeder Ersatz ist immer besser als weiter zu rauchen“, weiß Homeier. Alternativ medizinische Verfahren wie Akupunktur sind als begleitende Maßnahmen sehr gut; allerdings ist der Erfolg wissenschaftlich nicht nachgewiesen.
Therapie: Frage der Kosten und Zeit
Oft stellt sich die Frage, wie sinnvoll es ist, mit abschreckenden Bildern und Fakten zu arbeiten. „Um in einer Population das Rauchverhalten zu ändern, braucht es viele verschiedene Maßnahmen. Abschreckung kann nur ein Teil eines Gesamtpakets sein, neben Werbeverbot, Mindestpreis und anderen Schritten“, gibt Homeier zu bedenken. Die strukturierte Entwöhnung sollte den Angaben in der internationalen Literatur zufolge aus mindestens fünf Einheiten bestehen, bei Bedarf können es auch mehr sein. Jedoch steigt der Erfolg nicht unbedingt mit den abgehaltenen Sitzungen und stellt natürlich auch eine Kosten- und Zeitfrage dar. Die Ausbildung zur Raucherentwöhnung wurde und wird von vielen Ärzten verschiedenster Fachrichtungen genutzt. Trotzdem kann das Angebot in der täglichen Praxis oft nur bedingt gestellt und von den Patienten genutzt werden. Die Beratung nimmt viel Zeit in Anspruch und lässt sich meist nur außerhalb der regulären Ordinationszeiten durchführen. Andererseits sind aber die Kosten für den Patienten oft zu hoch, um eine längerfristige Entwöhnung durchzuhalten. „Auch wenn im Moment die Umsetzung noch nicht immer möglich ist. Das Angebot für die Ausbildung muss für die Kollegen da sein. Auch in Österreich wird irgendwann die Stimmung in der Gesellschaft in Richtung Nichtrauchen gehen“, sagt Homeier. Für stark abhängige Raucher gibt es auch die Möglichkeit einer stationären Entwöhnung. Die Therapie kann zur Hälfte als Urlaub, die andere Hälfte als Rehabilitation gemeldet werden und wird von der Krankenkasse bezahlt.
Entwöhnung auf Krankenschein
Die Niederösterreichische Gebietskrankenkasse bietet seit sieben Jahren ein kostenloses Entwöhnungsprogramm für Raucher an. Univ. Doz. Ernest Groman vom Institut für Sozialmedizin der Medizinischen Universität Wien erläutert im Gespräch mit Ulli Stegbuchner Möglichkeiten, Erfolgsraten und Grenzen der Initiative.
ÖÄZ: Wie ist das Raucherentwöhnungsprogramm organisiert?
Groman: Wir sind jeweils sechs Wochen lang in einer Stadt in Niederösterreich. Die Termine werden für ein Jahr im Voraus festgelegt und können bei uns im Sekretariat erfragt werden. Man braucht keine Überweisung vom Hausarzt. Dennoch wäre eine größere Anbindung an den niedergelassenen Bereich durchaus wünschenswert. Bisher kommen nur wenige Zuweisungen von Kollegen aus der Praxis beziehungsweise sind sie nur schwer nachvollziehbar. Wir sind auch gerne bereit, im Anschluss an die Therapie einen Bericht zu schicken. Ein Anruf unter 0664/9113555 genügt.
Gilt das Angebot nur für Versicherte der NÖGKK?
Jeder, der möchte, kann teilnehmen. Wir haben noch nie jemanden abgewiesen. Die Daten werden von uns an die NÖGKK weitergeleitet. Die Versicherungen machen unter sich aus, wer die Kosten trägt. Wir bieten das Raucherentwöhnungsprogramm auch für Betriebe an. In diesem Fall müssen jedoch die Kosten vom Betrieb getragen werden. Derzeit gibt es das Seminar in Niederösterreich und Betriebsprogramme in Deutschland Wir wären aber auch gerne bereit und in der Lage, es in ganz Österreich anzubieten.
Was erwartet die Teilnehmer?
Unser Programm richtet sich an alle Menschen, die mit dem Rauchen aufhören wollen, unabhängig von der Stärke der Abhängigkeit. In fünf Sitzungen werden die Patienten einzeln betreut, die Behandlung erfolgt grundsätzlich durch Ärzte. Die Therapie beruht primär auf Verhaltensmodifikation. Bei etwa zwei Drittel der Patienten kommen aber auch Medikamente und Nikotinersatzpräparate zum Einsatz. Im Rahmen der Therapie können Ärztemuster zum Ausprobieren angeboten werden. Ansonsten müssen Kosten für Medikamente und Nikotinersatz vom Patienten getragen werden.
Wie viele Raucher haben das Angebot bis jetzt in Anspruch genommen?
Seit 2002 hatten wir insgesamt fast 4.000 Teilnehmer. Es gibt rund acht Termine pro Jahr. Pro Termin schwankt die Teilnehmerzahl etwa zwischen 40 und 70 Personen. Interessanterweise ist die Resonanz immer dann am größten, wenn der Zigarettenpreis steigt. Seit der Einführung des Mindestpreises für Zigaretten 2007 ist die Nachfrage am Seminar wieder gestiegen. Das Feedback der Teilnehmer ist überwiegend positiv: Bei einer Evaluierung gaben 90 Prozent an, mit der Therapie zufrieden zu sein.
Wie viele Menschen profitieren von der Behandlung?
Die Raucherentwöhnungstherapie bietet eine realistische Chance, mit dem Rauchen aufzuhören. Initial gelingt es rund 80 Prozent der Teilnehmer, doch natürlich kommt es bei einigen auch zu Rückfällen. Einige Zeit wurde versucht, eine Nachbetreuung in Form von Ambulanzen anzubieten, dies wurde jedoch von den Patienten nur selten in Anspruch genommen. Inzwischen haben wir eine Hotline unter der bereits erwähnten Telefonnummer eingerichtet, an die sich die Patienten bei Bedarf wenden können.
© Österreichische Ärztezeitung Nr. 8 / 25.04.2008





