ÖÄZ 8 - 25.04.2008Regionale Strukturpläne Gesundheit

Regionale Strukturpläne Gesundheit


Warten auf integrierte Versorgung



Allmählich kommen die Länder mit ihren regionalen Konzepten zur
Gesundheitsplanung in Fahrt: Vorarlberg und Salzburg haben eine Art „Spitals-RSG“ präsentiert, die Steiermark plante bisher als einziges Bundesland zumindest ansatzweise integrativ.
Von Bettina Benesch


Gäbe es nur Spitäler, die Welt wäre heil. Politiker würden regionale Strukturpläne (RSG) allein mit den Spitalsträgern verhandeln – quasi mit sich selbst – und relativ schnell wäre alles geklärt. Zumal die Dokumentation in den Spitälern genau geregelt ist. Anders ist die Sache mit den niedergelassenen Ärzten, Ärztinnen und den Ambulanzen: Kaum verwertbare Dokumentation, und jeder redet mit – Ärztevertreter, Kassenobleute und wieder die Politiker. Und so sehen sich viele Gesundheitsplaner in den Ländern vor der großen Herausforderung, die Versorgung im extramuralen Bereich in geregelte Bahnen zu lenken. Auch scheint man in manchen Ländern auf österreichweite Vorgaben für den ambulanten Bereich zu warten, die im Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG) noch nicht detailliert aufgelistet sind. Mitte des Jahres soll dazu die Bundesgesundheitskommission tagen, bis spätestens Ende 2008 könnten die Planungsdetails vorliegen.

Ursprünglich hätten die RSG Ende 2008 fertig sein sollen – pünktlich zum Auslaufen der vorangegangenen 15a-Vereinbarung zur Organisation und Finanzierung des Gesundheitswesens. Die neue 15a-Vereinbarung trat ein Jahr früher in Kraft – sie gilt von 2008 bis 2013. Durch dieses Vorziehen ist die Planung in den Bundesländern offenbar durcheinander gekommen, im besten Fall haben die meisten Länder bis Ende 2008 zumindest einen Teil ihres RSG ausgearbeitet. Aus dem Gesundheitsministerium heißt es, 2010 könnte jedes Land realistischerweise irgendeinen Plan haben. Als wahrscheinlicher Grund für die Verzögerung gilt die mancherorts schwierige Zusammenarbeit der einzelnen Player – manche Menschen können eben besser miteinander, manche schlechter.

Nichtsdestotrotz haben die ersten Länder mit der Planung begonnen, und zwar mit dem – relativ gesehen – einfacheren Teil der Gesundheitssystems: den Spitälern. Anfang April hat Vorarl­berg eine Art „RSG intramural“ per Verordnung erlassen. Im Jahr 2010 sind demnach 115 Betten weniger vorgesehen als bisher. Reduziert wird vor allem bei Chirurgie, Innerer Medizin, Gynäkologie, Augenheilkunde und Pulmologie; aufgestockt hauptsächlich bei Akutgeriatrie/Remobilisation und Nachsorge – eine Entwicklung übrigens, die sich in allen Bundesländern abzeichnet. Ein 100-prozentiges Plus gibt es in Vorarlberg bei den interdisziplinären Tageskliniken, die bislang nicht existierten und künftig 42 Betten bekommen sollen. Gänzlich neu sind die neun Betten für die neonatale Intensiv-Care-Unit im LKH Feldkirch – die einzige derartige Unit in Vorarlberg. Der Plan für den extramuralen Bereich werde noch 2008 Thema sein, sagt Volker Furtenbach, Abteilung Gesundheit in der Vorarlberger Landesregierung.


„Spitals-RSG“ in Salzburg


Salzburg hat seinen Plan für die Krankenhäuser im November 2007 beschlossen und teilweise umgesetzt: die Akutgeriatrie in Mittersill aufgebaut, dazu die Psychiatrie in Schwarzach. Im Süden des Landes soll in Palliativmedizin investiert werden, sagt Hansjörg Gmeiner, Leiter der Gesundheitsplanung des Landes; auch die psychosomatische Behandlung will er ausbauen, noch sei allerdings nicht klar, wo genau. Insgesamt soll es im Bundesland Salzburg ab 2010 148 Betten weniger geben als 2006 – in Summe sollen es dann 3.476 sein. Mit der Planung für den extramuralen Bereich will man Mitte 2008 beginnen.


Steiermark ist anders


Anders angelegt als Vorarlberg und Salzburg haben es die Planer in der Steiermark: Sie haben nicht nur den stationären, sondern teilweise auch den ambulanten Bereich in ihren RSG eingebaut; präsentiert wurde der Entwurf Ende Februar. Mitte 2008 soll er von der steirischen Landesregierung beschlossen werden und bis 2015 umgesetzt sein. Knapp 460 der derzeit etwa 7.000 Spitalsbetten werden umgewidmet oder aufgelassen, letztlich soll die Gesamtzahl der Betten bei 6.690 liegen. Reduziert werden die Betten hauptsächlich in den Bereichen Innere Medizin und Chirurgie, aufgebaut in der Akutgeriatrie, der Intensiv- und Palliativmedizin, und in der Neurologie. Der stationäre und der ambulante Bereich sollen künftig aus einem Topf finanziert werden – bei der Dialyse und der MRT habe man sich bereits darauf geeinigt, sagte Gesundheitslandesrat Helmut Hirt bei der Präsentation des RSG.

So einig wie in der Steiermark sind sich nur wenige Verhandler in den Ländern, eine derart gute Zusammenarbeit gebe es in so manchem anderen Bundesland nicht, sagt Franz Palkovits, Strategie- und Planungsleiter des Niederösterreichischen Gesundheits- und Sozialfonds (NÖGUS). Auch er will einen RSG, der den Anspruch auf integrative Planung erfüllt: „Idealerweise macht man so einen Plan in einem Guss.“ Laut Palkovits ist der niederösterreichische RSG für den intramuralen Bereich fast fertig, bis Ende 2008 soll der für den spitalsambulanten und den niedergelassenen Bereich dazu kommen, dann wird das Gesamtwerk präsentiert.

Die anderen Bundesländer lassen sich mit all dem noch etwas Zeit. In Tirol plant man, den RSG wie in Salzburg modulartig aufzubauen: Der Plan für die Spitäler soll etwa Mitte 2009 in der Gesundheitsplattform beschlossen werden. Danach müsste die Landesregierung eine Verordnung dazu erlassen. In etwa zeitgleich will man sich an die Planung des ambulanten Bereichs machen. Die Kärntner Verantwortlichen wollen den Plan demnächst in Auftrag geben. Planungshorizont: ein Jahr. Auch im Burgenland wird der RSG ausgearbeitet – und zwar voraussichtlich bis Ende 2008. Wien wird seinen RSG mit hoher Wahrscheinlichkeit ab Sommer erstellen. In Oberösterreich will man den Plan für die Spitäler Mitte dieses Jahres erlassen, Ende 2008 soll der RSG komplett sein – samt extramuralem Bereich, Pflege und Rehabilitation. Aber selbst wenn der RSG in Oberösterreich so kommt, wie geplant – integriert, einzelne Bereiche aufeinander abgestimmt: Die Kompetenzen für Spitäler, Niedergelassene, Pflege und Rehabilitation werden geteilt bleiben zwischen Land und Kassen. Für den Rest Österreichs gilt vermutlich das gleiche – die Patienten warten einstweilen geduldig auf integrierte Versorgung.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 8 / 25.04.2008

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