ÖÄZ 8 - 25.04.2008Schäden und Kosten durch Rauchen

Rauchen - Schäden und die Kosten


Rauchen verursacht jede Menge Schäden sowohl medizinische als auch  volkswirtschaftliche, sind Fachleute  überzeugt. Laut einer aktuellen Studie entsteht dadurch für Österreich jährlich ein Defizit von rund 377 Millionen Euro pro Jahr.
Von Jutta Maucher


Eine neue Studie zeigt, dass der volkswirtschaftliche Verlust durch das Rauchen gigantisch ist. Die Einnahmen aus der Tabaksteuer und der Entfall von Alterspensionen durch den frühen Tod von Rauchern sind geringer als die Kosten des Rauchens.

Daraus ergibt sich für Österreich ein jährliches Defizit von rund 377 Millionen Euro pro Jahr – wobei diese Berechnungen noch sehr konservativ gehalten sind. Denn die Schäden durch Passivrauchen sind dabei nicht berücksichtigt, ebenso wenig wie Produktivitätsverluste durch Rauchpausen. Auch Brände, die durch Rauchen entstehen, sind nicht enthalten.

„Und schließlich fehlt auch der wesentliche Bereich der Kosten, die durch vermehrte Arztbesuche entstehen oder auch die Pflege von durch Rauchen geschädigten Patienten“, meint Univ. Prof. Dr. Manfred Neuberger vom Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien, der vehement für ein Anti-Raucher-Gesetz in Lokalen eintritt. Die wahren volkswirtschaftlichen Kosten würden daher um ein Vielfaches höher liegen als weithin angenommen, ist der Umweltmediziner überzeugt. Und sie werden in der Zukunft noch mehr steigen, denn die „große Welle an Raucherkrankheiten bei Frauen steht uns noch bevor“, meint Neuberger.

Prozentanteil der Passivraucher*

 

A

SK

 I

PL

IRL

 Gesamt 

66,2

71,9

41,0

36,8

35,9 

23,4

 Heim 

18,1

28,7

11,0

13,3 

22,1 

11,5

 Arbeit 

19,2

35,2

25,0

34,2

40,2

1,3

 Freizeit

47,8

56,1

37,0

7,8

21,5

8,5

 Transport

23,2

40,5

9,0

13,5

n.a.

6,2

*) von 6.545 interviewten Nichtrauchern (2006; zit. nach Neuberger)


Jüngere Menschen als Nikotinopfer

Speziell in Österreich müssen die Kos­ten fürs Rauchen derzeit als sehr hoch angenommen werden, denn Österreich steht mit seinen Nikotinwerten sowohl in privaten Haushalten als auch am Arbeitsplatz im internationalen Spitzenfeld. Die Unterstützung für das Rauchen ist weitgehend gegeben. Die Tabakindustrie benötigt die Raucher, besonders die jungen Raucher, meint dazu Neuberger. Dass Rauchverbote in Lokalen positive Folgen nach sich zeigen, ist evident. Neuberger: „In sämtlichen mit Rauchverboten belegten Ländern konnten wir innerhalb eines Jahres nach Eintritt des Rauchverbotes einen Rückgang der Herzinfarkte um rund zehn Prozent feststellen“.

Bereits vor zehn Jahren zeigte eine Studie an 32.000 nichtrauchenden Krankenschwestern eine Verdopplung des Risikos für koronare Herzkrankheiten durch das unfreiwillige Passivrauchen, so Neuberger. Und noch etwas gehört in diesem Zusammenhang zum mittlerweile gesicherten Wissen: Rund drei Viertel, der Bevölkerung sind starken regelmäßigem Passivrauchen ausgesetzt und dies führt in Bezug auf Cotinin im Harn zu ähnlichen Ergebnissen wie das leichte Rauchen (also bis zu neun Zigaretten pro Tag).

Das bedeutetet etwa, dass das Risiko, an Krebs zu erkranken, bei einer hohen Belastung durch Zigaretten am Arbeitsplatz auch für Nichtraucher steigt. „Nach  einer Studie von Radon und Novak verdoppelt sich in deutschen Gaststätten ohne Rauchverbot das Lungenkrebsrisiko für das Personal schon nach acht Jahren“, untermauert Neuberger sein Plädoyer für ein absolutes Rauchverbot in Lokalen. Und letztlich nimmt die Bevölkerung das Rauchverbot auch an. Dort, wo ein solches gilt, wird es immer mehr akzeptiert. In Irland unterstützen beispielsweise 95 Prozent der Bevölkerung ein Rauchverbot in Restaurants, in Österreich sind es 63 Prozent, die eine solche Vorgangsweise befürworten.


Nichtrauchen akzeptieren

Auch Ärzte könnten dazu beitragen, dass Rauchen nicht mehr als notwendig gilt, meint Univ. Doz. Leopold Stiebellehner. „14.000 Menschen sterben in Österreich jährlich an den Folgen des Rauchens. Das sind 270 Passierflugzeuge. Wer würde noch in ein Flugzeug steigen, wenn so viele Flugzeuge jährlich abstürzen würden?“ Die Schwierigkeit sei die lange Latenzzeit in Sachen Rauchen, die Patienten fühlen sich sicher und wissen nicht, dass sie schon längst eine COPD haben. „Eine verpflichtende Spirometrie im Rahmen der Gesundenuntersuchung könnte Abhilfe schaffen“, meint dazu der Lungenfacharzt.

Neuberger sieht die Ärzte zwar in führender Position, aber er fordert, dass auch die politischen Rahmenbedingungen geändert werden müssen. In einer europaweit durchgeführten Erhebung wurden die Rahmenbedingungen fürs Rauchen auf den Prüfstand gestellt. Bei einer in dieser Erhebung maximal zu vergebenden Punktezahl von 100 erhielt Österreich mit 35 Punkten die schlechteste Wertung. In diesem „Tobacco Control Score“ landete Großbritannien auf Platz 1 mit 93 Punkten. „Österreich braucht eine andere Politik für den Nichtraucherschutz“, meint Manfred Neuberger, „die Gesundheitsministerin sollte daher zurücktreten.“ Heftige Kritik an Kdolsky übt auch ÖÄK-Präsident Walter Dorner: „Wir haben eine Gesundheitsministerin, die sich gegen die gesundheitlichen Inter­essen der Bürger stellt, nur um einer Wirtschaftslobby zu gefallen“. Für ihn, Dorner, gäbe es keine Kompromisse mit der Gastronomie und der Tabakindustrie, „denn diese würden immer nur zu Lasten der Gesundheit gehen.

Auch die „halbherzige“ Lösung in puncto Nichtraucherschutz in der Gastronomie ist für den Ärztechef nicht nachvollziehbar. „Es ist mir völlig schleierhaft, warum Bau- und Denkmalbehörden als Schiedsrichter eingespannt werden sollen, die keinerlei Kompetenzen beim Gesundheitsschutz haben“. Ein Raucherlokal müßte – ähnlich einen Warnhinweis auf Zigarettenpackungen – gekennzeichnet sein: Der Besuch dieses Lokals kann Ihr Gesundheit gefährden. Dorner erwarte darüber hinaus, dass das Gesundheitsministerium mit der Mär von den Umsatzverlusten in der Gastronomie aufhöre. Denn „der Run auf das Ärzte-Gütesiegel für Nichtraucher-Lokale spricht Bände“. Unter www.aerztekammer.at gibt es dazu weitere Informationen.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 8 / 25.04.2008

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