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ArchivÖÄZ 1/2 - 25.01.2009

Bezahlte Nachtdienste


Steiermark


Am 1. April 2009 tritt in der Steiermark der Vertrag über die Finanzierung eines Wochentagsnacht-Bereitschaftsdienstes außerhalb von Graz in Kraft. Die Vertragsparameter könnten für ganz Österreich richtungsweisend sein.

Von Ruth Mayrhofer

Jahrelang haben die meisten allgemeinmedizinischen Kassenvertragsärzte in der Steiermark außerhalb von Graz freiwillig eine Nachtbereitschaft während der Woche geleistet. Dem guten Willen folgte oft Frust, denn diese Dienste wurden nicht honoriert, da die Steiermärkische Gebietskrankenkasse lediglich den Pflicht-Dienst an Wochenenden und an Feiertagen bezahlt. Ergebnis: Viele Ärzte stellten ihre freiwilligen Leistungen wieder ein, die Patienten waren unzufrieden.

Ab 1. April 2009 tritt nun der von der Ärztekammer für Steiermark initiierte „Vertrag über die Finanzierung eines Wochentagsnacht-Bereitschaftsdienstes in der Steiermark außerhalb von Graz“ in Kraft. Dieser könnte aufgrund seiner Besonderheiten durchaus richtungsweisend als Modell für ganz Österreich sein.

In langen und oft schwierigen Verhandlungen unter der Führung des Kurienobmannes der Niedergelassenen und Allgemeinmediziners Jörg Garzarolli-Thurnlackh wurde das Projekt im Dezember vergangenen Jahres zu einem guten Abschluss gebracht. Erstmalig gibt es für die steirische Bevölkerung nun unter der Woche Nachtdienste von Ärzten ausschließlich auf freiwilliger Basis, die - dank der Vereinbarung mit der Gesundheitsplattform des Landes Steiermark - nicht mit der Kasse junktimiert sind und die nun auch den Ärzten erstmalig und in dieser Form einmalig in Österreich eine Honorierung bringen. Das bedeutet für Patienten in ländlichen Regionen mehr Versorgungssicherheit und für die Ärzte endlich eine Abgeltung ihrer Leistungen. Dieses positive Verhandlungsergebnis unterstreicht auch Wolfgang Routil, Präsident der Ärztekammer Steiermark: „Ich erachte diese Entwicklung als einen ersten guten Schritt für jene Kolleginnen und Kollegen, die bisher unbedankt gearbeitet haben und deren Leistungen nun endlich Anerkennung erhalten“.


Die Eckpunkte des „Steirischen Modells“


Die Kernpunkte des steirischen Vertrages sehen vor, dass neben der Freiwilligkeit der Teilnahme und der Honorierung der Leistungen (150,59 Euro pro Dienst) eine klare Abgrenzung zum Notarzt-Dienst vorliegt. Das Land stellt 3,2 Millionen Euro für die Finanzierung bereit. Die Dienstsprengel werden für die Wochentags-Nachtbereitschaft von derzeit 95 auf 85 reduziert. Spätestens 2011 soll Steiermark-intern eine Sprengel-Abdeckung von 90 Prozent erreicht werden. Zu diesem Zeitpunkt soll das Modell dann auch erstmals evaluiert und die Honorare valorisiert werden.

Die Alarmierung der diensthabenden Ärzte erfolgt seitens der Patienten neben einem Anruf in der Ordination oder in erster Linie über die Notrufnummer 141 (Ärztenotdienst) welche von den Leitstellen des Roten Kreuzes kostenlos betreut wird. Das Rote Kreuz in der Steiermark arbeitet gerade daran, eine sukzessive Zentralisierung der Bezirksleitstellen mit dem Ziel eines Vollroutings nach Graz in die Landesleitstelle umzusetzen. Ist dies realisiert, soll die Leitstelle durch einen Arzt besetzt werden, dessen Kosten dann vom Land übernommen werden. Auch dieser Schritt sollte der Bevölkerung im Bedarfsfall noch mehr Sicherheit bei benötigten Arztkontakten geben und für eine gezielte Durchführung des Arztbesuches sorgen.


Ärztekammer gefordert


Organisatorisch kommt auf die Steirische Ärztekammer zweifelsfrei in den kommenden Wochen und Monaten viel Arbeit zu. Der Vertrag sieht nämlich vor, dass diese als Interessensvertretung die Bereitschaftsdienste zu organisieren und zu administrieren hat. Garzarolli-Thurnlackh schreckt das keinesfalls: „Es ist ganz klar, dass das Jahr 2009 vom System-Aufbau, von Organisation und von Motivation den Kollegen gegenüber geprägt sein wird“, meint er pragmatisch, aber doch optimistisch. Viel wesentlicher erscheint es ihm aber, dass das bisherige Echo der niedergelassenen Ärzte ein sehr positives ist und dass der Ärzteschaft kein System „von oben“ aufgezwungen wurde - schließlich war die Ärzteschaft der „Angebotsleger“. Die Frage, ob dieses „steirische Modell“ ein „gesamtösterreichisches“ werden könnte, beantwortet Chefverhandler Garzarolli-Thurnlackh differenziert mit „Ja, das könnte durchaus sein. Allerdings wäre eine allgemeine Umsetzung im Umfeld des Föderalismus wahrscheinlich doch eher schwierig“. Ärztekammer-Präsident Routil dazu: „Das ist eine Sache, die die Ländervertreter der Niedergelassenen Ärzte in der Bundeskurie zu diskutieren haben werden - diesen Diskussionen vorzugreifen wäre falsch“.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 1-2 / 25.01.2009