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ArchivÖÄZ 10 - 25.05.2010

neu & aktuell - Politische Kurzmeldungen (25.05.2010)


Washington: Freigabe für Marihuana


In der US-amerikanischen Hauptstadt Washington ist der Konsum von Marihuana zu medizinischen Zwecken künftig erlaubt. Der Stadtrat hat einstimmig beschlossen, Marihuana zur Behandlung von Krebs oder Aids zuzulassen. Dazu werden bis zu acht Ausgabestellen eingerichtet. Der medizinische Gebrauch von Marihuana war bisher in 14 der 50 US-Bundesstaaten zugelassen.


Südafrika: Gefahr durch Rifttal-Fieber

Kurz vor Beginn der Fußball-WM in Südafrika hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Reisende vor einem Ausbruch des Rifttal-Fiebers gewarnt. Die durch Mücken übertragene Krankheit kann tödlich verlaufen. Die Gesundheitsbehörden in Südafrika haben bisher 172 Erkrankungsfälle registriert; 15 verliefen tödlich. Die WHO gab jedoch keine Reisewarnung für Südafrika heraus.


UNO: Jährlich 850.000 Malaria-Tote

Nach Angabe der Vereinten Nationen (UNO) sterben jedes Jahr etwa 850.000 Menschen an Malaria. Die meisten der Opfer sind laut dem UN-Kinderhilfswerk UNICEF Kinder unter fünf Jahren. Etwa 90 Prozent von ihnen kommen aus der Sahara-Region; die Mehrheit sind Kleinkinder. Die Bekämpfung der Krankheit reduziert die Mittel für Gesundheit, die in Afrika dringend benötigt werden.


Australien: Krank durch Impfung

Eine Grippe-Impfung hat zur Erkrankung von mehreren Dutzend Kindern in Australien geführt, woraufhin Ärzte das Impfprogramm gestoppt haben. Die Kleinen bekamen plötzlich Fieber und Krämpfe. Mindestens 20 mussten ins Spital gebracht werden. Die Grippe-Impfung enthielt heuer eine Dosis gegen die "Neue Grippe"; vermutlich haben die Kinder darauf reagiert.


Schärfere Abtreibungsregeln in Oklahoma

Gegen den Willen des Gouverneurs hat das Parlament des US-amerikanischen Staats Oklahoma eine Reihe von strengeren Abtreibungsregeln verabschiedet, die auch Schwangerschaftsabbrüche bei Opfern von Vergewaltigungen erschweren. Selbst Opfer von Vergewaltigungen oder Inzest müssen sich nunmehr eine ausführliche Schilderung ihres ungeborenen Kindes anhören und eine sehr anschauliche Ultraschalluntersuchung des Fötus vornehmen lassen, bevor sie abtreiben dürfen. Die Neuerungen sehen außerdem vor, dass Ärzte in Oklahoma werdende Eltern nicht über Untersuchungen möglicher Missbildungen des Fötus informieren müssen. Die Ärzte werden im Fall von Missbildungen bei Neugeborenen außerdem vor Klagen der Eltern geschützt.


EU warnt vor Alkoholexzessen

Österreich liegt bei Alkoholexzessen nach einer Eurobarometer-Umfrage der Europäischen Kommission in der EU gemeinsam mit Deutschland an dritter Stelle. Spitzenreiter bei der Frage, wie oft man im vergangenen Jahr fünf oder mehr alkoholische Getränke hintereinander konsumiert hat, ist Irland mit 44 Prozent vor Rumänien (39 Prozent) sowie Österreich und Deutschland mit je 36 Prozent. Der EU-Schnitt liegt bei 29 Prozent. Über diesem Schnitt liegen weiters noch Großbritannien, Spanien, Griechenland und Italien. Den ersten Platz beim Alkoholkonsum belegten Österreicher bei der Frage, ob man vier- bis fünfmal wöchentlich trinkt, mit 15 Prozent. Einen weiteren Spitzenplatz belegte Österreich bei der Frage, ob man zwei- bis dreimal wöchentlich zur Flasche greift: Hier gab es mit 32 Prozent Zustimmung einen weiteren ersten Platz.


Ungeborener klagte die Republik

Der kleine Vorarlberger Emil, seine Eltern und sein Anwalt Paul Sutterlüt werden ihre Klage gegen die Republik Österreich nicht weiter verfolgen. Emil hatte 2008 noch als Ungeborener wegen Verletzung seiner Ehre und Würde geklagt. Er hätte wegen seiner Behinderung, einer Spina bifida, bis zu seiner Geburt am 4. August 2008 straffrei abgetrieben werden können. Der Oberste Gerichtshof hatte Eltern in einem vergleichbaren Fall wegen einer fehlerhaften Pränatal-Diagnose Schadenersatz für ihr behindert geborenes Kind zugesprochen. Emils Eltern sahen in dieser Entscheidung eine Diskriminierung ihres Sohnes. Die Klagen gegen die Republik wurden in zwei Instanzen abgewiesen. Mittlerweile wird aber nach einer politischen Lösung in dieser sensiblen Frage gesucht. Emil wird - nachdem bereits mehrere Operationen stattgefunden haben - voraussichtlich ein normales Leben führen.


EU: viel mehr neue Suchtstoffe

Illegale Labors von Drogensyndikaten arbeiten weltweit im Akkord und entwickeln mehr neue Suchtgifte denn je, zeigt der Jahresbericht der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle (EBDD) und von Europol. Den beiden Agenturen wurden im Jahr 2009 insgesamt 24 neue psychoaktive Substanzen zum ersten Mal offiziell zur Kenntnis gebracht. Das ist die höchste Zahl von Substanzen, die bisher jemals in einem Jahr registriert wurde. Zu den gefährlichen Neuerungen zählen Spice-Zubereitungen. Dabei handelt es sich um rauchbare Kräuterprodukte, die mit synthetischen Cannabinoiden versetzt sind. Ebenso von Bedeutung sind synthetische Cathinone - Abkömmlinge der Muttersubstanz Cathinon, die strukturell mit Amphetamin verwandt ist.


Deutschland: mehr Studienplätze für Medizin?

In Deutschland soll nach dem Willen der Regierungspartei FDP die Zahl der Medizin-Studienplätze um zehn Prozent erhöht werden, um den Ärztemangel zu bekämpfen. Die Kosten dafür sollen sich laut Gesundheitsminister Philipp Rösler Bund und Länder teilen. Bei der Zulassung zum Medizinstudium sollen in Zukunft unter anderem neben dem Notendurchschnitt auch die Motivation und die Bereitschaft, auch in ländlichen Regionen tätig zu werden, berücksichtigt werden. Rösler: "Heute haben wir noch genügend Ärzte. Aber angesichts der demographischen Entwicklung werden wir in den nächsten Jahren noch stärker unter dem Ärztemangel zu leiden haben, als wir das heute regional schon teilweise tun."


Rumler: neuer Pharmig-Präsident

Pfizer-Geschäftsführer Robin Rumler ist der neue Präsident des Verbands der pharmazeutischen Industrie Österreichs Pharmig. Er wurde von den Geschäftsführern der Pharmig-Mitgliedsunternehmen bei der Generalversammlung an die Spitze des 14-köpfigen Vorstandsteams gewählt und folgt auf Hubert Dreßler. Vizepräsidenten sind Martin Hagenlocher (Bayer) und Pascal Broschek. Mit Gabriele Grom (MSD), Evelyn Schödl (GSK) und Simone Thomsen (Eli Lilly) sind erstmals drei Frauen im Vorstand der Pharmig vertreten.


Schutz bei importierten Medikamenten

Die Zahl von gefälschten Medikamenten, die über den schwer kontrollierbaren und illegalen Internet-Handel auch nach Österreich gelangen, hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Gesundheitsminister Alois Stöger hat nunmehr das neue Arzneiwaren-Einfuhrgesetz 2010 in Begutachtung geschickt, das in diesen Bereich mehr Sicherheit bringen soll. In Zukunft müssen alle nach Österreich eingeführten Arzneiwaren im Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) gemeldet beziehungsweise bewilligt werden. Durch diese Überwachungsmöglichkeiten - wie etwa die Entnahme von Proben eingeführter Arzneiwaren - soll mehr Schutz für die Gesundheit der Patienten gewährleistet sein. Darüber hinaus wird die Wirkung der Kontrollen durch eine verstärkte Kooperation zwischen Zollbehörden und dem BASG erhöht.


477 Millionen für Grazer LKH

Bis zum Jahr 2022 sollen insgesamt 477,26 Millionen Euro in den Ausbau und die Erneuerung des LKH Universitätsklinikums Graz investiert werden. Landeshauptmann Franz Voves und Gesundheitslandesrätin Bettina Vollath unterschrieben kürzlich die Verträge für das Großprojekt "LKH 2020", zu dem der Bund 40 Prozent der Kosten beisteuert. Am Ende des Projekts sollen allein im Chirurgiekomplex 455 Betten in der Normalpflege, 60 Betten in der Intensivbehandlung, 38 Betten in der Intensivüberwachung und 18 Betten in der Tagesklinik zur Verfügung stehen. Dazu kommen 25 Operationssäle auf drei Ebenen. Mit dem Skill Center für spezielle Forschung um 11,41 Millionen Euro soll bis 2016 für angehende Ärzte mehr Platz für die Ausbildung zur Verfügung stehen.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 10 / 25.05.2010