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ArchivÖÄZ 10 - 25.05.2010

Standpunkt - Vize-Präs. Günther Wawrowsky


Danke für die Solidarität


(c) Foto Weinwurm

Unsere Gegner sind nicht viele, diese wenigen aber zeigen sich kompromisslos und geben sich machtvoll.

Als 2007 eine schlecht beratene Gesundheitsministerin glaubte, AVZs, also medizinische Versorgungszentren, als basismedizinische Versorgungseinheiten kreieren zu müssen, oder als 2008 eine Bundesregierung sich ungeschickt einem „Sozialpartnerpapier“ anschließen wollte, hätten wir betroffenen Ärztinnen und Ärzte glauben können, die hohe Staatspolitik hätte sich gegen unseren Berufsstand – den Garanten für eine qualitativ hochwertige, verlässliche medizinische Versorgung der Bürger dieses Landes – verschworen.

Aber bei näherer Betrachtung sehe ich, wie mit Leid und Krankheit von einer einzigen, allerdings politisch hoch einflussreichen, Gruppierung umgegangen wird.

Diese bildet derzeit nicht die Staatsspitze unseres Landes. In fachlich-medizinischer Hinsicht ist und bleibt diese Gruppe jedenfalls unqualifiziert, sozialmedizinische Strukturen zu organisieren oder in Frage zu stellen. Und doch tut sie es immer und immer wieder – ohne jede Selbstkritik.

Sicher wissen Sie längst, welche Menschen sich angesprochen fühlen sollten. Es sind keine Gewerkschafter, auch keine Bauern. Ich meine auch nicht Beamte oder freiberuflich Tätige. Hier ist ausschließlich eine politische Gruppe gemeint, deren eigentliche Aufgabe es wäre, das hoch zu respektierende Kollektiv der selbstständig Berufstätigen zu vertreten. Man kann entgegnen, dass gerade die Angesprochenen unlängst in einer demokratischen Wahl eindeutig bestätigt wurden. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass eben diese Wahl mit einer gerade 40-prozentigen (!) Wahlbeteiligung erfolgte, was die Beteiligung an der jüngsten Bundespräsidentenwahl einem Massenauflauf gleichkommen lässt. Letztlich beweist es nur das Interesse der Wirtschaftstreibenden an ihrer Vertretung.

Aber unverdrossen – hoffentlich nicht unbremsbar – werken sie im Sozialwesen darauf los und sind gleich in Personalunion die Funktionärstruppe einer großen Sozialversicherung, um so die Gesundheitsversorgung von etwa 700.000 wehrlosen Zwangsversicherten zu dominieren. Was bleibt angesichts dieser Tatsachen noch „sozial“ an dieser Versicherung?

Woher nehme ich mir das Recht für solche Feststellungen? Aus meinen ureigensten, langjährigen Erfahrungen, egal ob jetzt als Vertragspartner oder als Ärztevertreter! Habe ich doch in meiner Funktion die Aufgabe, mit fünf SV-Trägern, bundesweit neben der Gewerblichen mit denen der Beamten, der Eisenbahnen und des Bergbaus, sowie in Niederösterreich mit der GKK und der Bauernversicherung in Kontakt zu stehen und zu verhandeln. Dort steht deutlich das Interesse der Versicherten im Vordergrund, bei der SVA das der Versicherung!

Ich glaube nicht, dass die derzeitige Staatsspitze Interesse an der Demontage der medizinischen Versorgung in unserem Land hat. Ich weiß, dass nahezu alle Sozialversicherungen und auch deren Hauptverband an einer partnerschaftlichen Fortführung der Vertragssituation interessiert sind. Ich bin mir aber auch sicher, dass die Spitzenvertreter der SVA - und damit auch jene der österreichischen Wirtschaftskammer - daran arbeiten, dass das bewährte System herunter gefahren wird. Das spüren unsere Kollegen schon lange.

Wenn nun im derzeitigen Vertragskonflikt die immer wieder kommunizierten, unmoralischen Angebote der SVA ungehört verhallen, dann hat das keine besonderen Aufrufe zur Solidarität erfordert. Das haben diese Versicherer durch ihr Verhalten schon längst und gründlich erledigt.

Dennoch danke ich für Ihre Solidarität, sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege! Denn sie zeigt die Freiheit der Ärzteschaft, ohne uns ist Medizin undenkbar, ohne SVA sehr wohl!


Günther Wawrowsky
3. Vize-Präsident der Österreichischen Ärztekammer



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 10 / 25.05.2010