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ArchivÖÄZ 2012ÖÄZ 12 - 25.06.2012

neu & aktuell: Medizinische Kurzmeldungen (25.06.2012)


Kombinationstherapie mildert Tinnitus

Mit der Kombination von psychologischer Behandlung und Hörtherapie an 245 Erwachsenen konnten niederländische Forscher der Universität Maastricht nach einem Jahr eine Besserung des Tinnitus von durchschnittlich 33 Prozent feststellen. In der Kontrollgruppe, die konventionell behandelt wurde, gab es nur eine Besserung um rund 13 Prozent.
APA/The Lancet


Innsbruck: neues Verfahren für Schädelimplantate

Ein neu entwickeltes Verfahren, bei dem der Kopf des Patienten mit CT-Bildern rekonstruiert und ein dreidimensionales Modell erstellt wird, kommt an der Uniklinik Innsbruck zum Einsatz. Der medizinische Einsatz wird dabei am Modell passgenau geformt und die beim Aushärten entstehende Hitze beeinträchtigt nicht das Gehirn. Das Verfahren wurde bisher komplikationslos an 50 Patienten angewandt.
APA


Mechanismus bei Masern-Infektion entdeckt

Masernviren besitzen ein Bindungs- und ein Funktionseiweiß. Nach Andocken des Bindungseiweißes entstehen bestimmte Bewegungen des „Stiels“ des Bindungsproteins, die das Fusionseiweiß aktivieren. Dieses sorgt dafür, dass Löcher in der Zelle entstehen, durch die das Virus hineinschlüpfen kann. Dass die Aktivierung durch Vibration erfolgt, sei laut Universität Bern neu.
APA/Journal of Biological Chemistry


Diesel gefährlicher als bisher angenommen

Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) stuft Diesel-Abgase nicht mehr nur als potenziell kanzerogen ein, sondern sieht belegt, dass sie eine Ursache für Lungenkrebs sind und dass es auch eine Verbindung zu Blasenkrebs gibt. Damit beurteilt die WHO Dieselabgase gefährlicher als bisher und stuft sie in die gleiche Gruppe wie Arsen, Asbest und Senfgas ein.
APA


Peritonealdialyse: neue Substanz verbessert Verträglichkeit

Durch den Zusatz von Alanyl-Glutamin zur schon bisher verwendeten Flüssigkeit
zur Peritonealdialyse soll diese besser verträglich sein. Ein Wiener Biotech-Unternehmen, an dessen Gründung Christoph Aufricht von der Universitätsklinik für Kinderheilkunde beteiligt ist, hat „PD-protec“ – so die Bezeichnung des Produkts – entwickelt; eine erste klinische Studie wurde kürzlich abgeschlossen. Aufricht dazu: „Diese Studie hat gezeigt, dass PDprotec sicher ist und gut vertragen wird.“ Es gebe darüber hinaus Hinweise auf eine schonendere Wirkung als bei der Verwendung von herkömmlichen Dialyse-Lösungen. Mit diesen kann es im Lauf der Zeit zu Schäden des Peritoneums kommen; rund ein Drittel der Patienten bekommt innerhalb von drei Jahren Probleme. Weltweit sind zwei Millionen Menschen auf die Dialyse angewiesen; rund 200.000 davon erhalten eine Peritonealdialyse.
APA


Menschlicher Organismus: mehr als 10.000 Bakterien

Nach fünf Jahren Forschungsarbeit von Wissenschaftern an mehr als 80 Forschungseinrichtungen stellten diese ihre Ergebnisse kürzlich vor: Insgesamt leben vermutlich mehr als 10.000 verschiedene Arten von Bakterien im und am Menschen, wobei sich die Art und Anzahl sowohl von Mensch zu Mensch als auch von Körperregion zu Körperregion erheblich unterscheidet. Ende 2007 hatte die US-amerikanische Gesundheitsbehörde NIH (National Institutes of Health) das Humane Microbiome Project (HMP) ins Leben gerufen mit dem Ziel, das menschliche Mikrobiom zu charakterisieren. Die Forscher nahmen dafür Proben von 242 gesunden Erwachsenen aus der Nase, dem Mund und Rachen, aus der Vagina, dem Stuhl und von der Haut. Genetische Untersuchungen zeigten, dass alle Bakterien gemeinsam etwa acht Millionen Gene besitzen.
APA/Nature


Neurologische Erkrankungen: steigende Inzidenz

Rund 81 Millionen Menschen in Europa leiden an neurologischen Erkrankungen, was jährliche Kosten von knapp 800 Milliarden Euro verursacht. Das ergaben Berechnungen des European Brain Council, die beim Europäischen Neurologenkongress Anfang Juni in Prag präsentiert wurden. Die häufigsten Erkrankungen: Angststörungen (61,3 Millionen Betroffene), Migräne (50 Millionen), Schlafstörungen (45 Millionen), Depressionen etc. (33,3 Millionen), physische Störungen – vor allem Schmerzen, für die keine somatische Ursache gefunden werden kann (20 Millionen), Sucht (15,5 Millionen), Demenz (6,3 Millionen), Epilepsie (2,6 Millionen), Schlaganfall (1,3 Millionen pro Jahr), M. Parkinson (1,2 Millionen), Multiple Sklerose (540.000), Neuromuskuläre Erkrankungen (260.000) sowie traumatische Gehirnverletzungen (1,2 Millionen). „Die ökonomische Last, die wir damit schultern, werden wir nur durch konsequente Vorsorge und verstärkte Forschungsanstrengungen in den Griff bekommen“, wie der Präsident der Europäischen Neurologengesellschaft, Heinz Reichmann vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden, erklärte.
APA


WHO warnt vor resistentem Tripper

Alarmierende Berichte über Cephalosporin-resistente Gonokokken gibt es nach Angaben der WHO (Weltgesundheitsorganisation) aus Australien, Frankreich, Japan, Norwegen und Schweden. Cephalosporine galten bis dato als letzte Behandlungsmöglichkeit. Mit den nun aufgetretenen Resistenzen steige die Gefahr, dass aus einem mutmaßlich „harmlosen“ Tripper eine schwere Erkrankung mit tödlichem Ausgang werden könne. „Die Gonorrhoe wird durch hohe Infektionsraten und schwindende Behandlungsmöglichkeiten zu einer bedeutenden Herausforderung für das Gesundheitswesen“, erklärte die zuständige WHO-Expertin Manjula Lusti-Narasimhan. Jährlich infizieren sich weltweit – fast ausschließlich beim Geschlechtsverkehr – 106 Millionen Menschen mit dem Erreger.
APA


Kognitive Störungen: erste Anzeichen für Schizophrenie


Kognitive Ausfälle wie Konzentrations- und Aufmerksamkeitsprobleme oder starke Vergesslichkeit bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen treten oft Jahre vor der eigentlichen Psychose auf und kommen bei Hochrisikopatienten häufiger vor als bei Gesunden. Das konnte ein internationales Forscherteam, an dem auch die Gruppe von Stefan Borgwardt von den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel beteiligt war, anhand von Studien an insgesamt 1.200 Betroffenen und mehr als 1.000 Gesunden nachweisen. Fazit: Rund ein Drittel aller Patienten mit frühen Anzeichen einer Schizophrenie entwickelt später eine volle Psychose. Insgesamt schnitten Hochrisikopatienten bei sämtlichen geistigen Funktionen schlechter ab als Gesunde; bei jenem Drittel, das später eine Psychose entwickelt, waren zwei Funktionen – die Sprachkompetenz und das Gedächtnis – sogar noch stärker beeinträchtigt. Ziel der Forschung von Borgwardt ist es, dieses Drittel der Betroffenen früher zu identifizieren und behandeln zu können. Problematisch erweist sich im Moment jedoch noch die Tatsache, dass die Aussagen der aktuellen Studie nur für Gruppen gelten. „Der nächste Schritt wird sein, diese Erkenntnisse auf Einzelfälle anwenden zu können“, so Borgwardt. Ersten Ergebnissen zufolge können mit Kernspintomographie und gängigen neuropsychologischen Tests rund 80 Prozent der Psychose-Gefährdeten entdeckt werden; werden beide Verfahren zusammen angewendet liegt die Rate sogar bei 90 Prozent.
APA/Archives of General Psychiatry



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 12 / 25.06.2012