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EbM-Guidelines online: Information per Mausklick


Noch bis Ende September können Allgemeinmediziner die EbM-Guidelines online kostenlos verwenden. Per Mausklick kann man so im Praxialltag rasch die aktuellsten Informationen nachschlagen - mittlerweile stehen mehr als 1.000 Artikel zur Verfügung.
Von Marion Huber


Blättern und Nachschlagen in Büchern während eines Arzt-Patienten-Gesprächs muss nicht sein – mit der Online-Version der EbM-Guidelines findet der Arzt schnell und effizient per Mausklick die Informationen, die er braucht. Ist er unter www.ebm-guidelines.at angemeldet, kann er ohne großen Recherche-Aufwand mit der Suche nach einem Begriff beginnen. Die gewünschte Information erscheint sofort auf dem Bildschirm und ist durch die übersichtliche Strukturierung sofort ersichtlich. Das Gespräch mit dem Patienten wird auf diese Weise nicht unnötig unterbrochen. „Der Arzt kann schnell und praxisnah etwas nachschauen. Man hat die Guidelines am Bildschirm in der Task-Leiste ständig liegen und wenn eine Frage auftaucht, kann man schnell nachschauen. Das ist für die Patienten auch überhaupt kein Problem“, schildert Barbara Degn, Ärztin für Allgemeinmedizin in Wien und selbst im Reviewer-Team der EbM-Guidelines tätig.

Aktuellster Wissensstand


Die Artikel der EbM-Guidelines werden unter Berücksichtigung der derzeit verfügbaren besten Evidenz verfasst. Die Texte werden nach der Gewissheit der Richtigkeit in die Evidenzstufen A (hohe Evidenz) bis D (sehr niedrige Evidenz) eingeteilt. Der große Vorteil der Online-Version: Sie kann rasch und ständig bearbeitet und auf den aktuellsten Stand des Wissens gebracht werden. „Ein Reviewer-Team ist regelmäßig am Werk und Neuigkeiten werden umgehend in die Online-Version eingearbeitet“, betont Degn. Aktualisierte oder überarbeitete Textstellen werden im Artikel farblich markiert – Rot gekennzeichnete Textstellen wurden aktualisiert; ein roter Punkt bedeutet, dass der Artikel grundlegend überarbeitet wurde, ein blauer Punkt deutet auf kleine Änderungen im Artikel hin. Außerdem ist bei jeder Empfehlung ein Aktualisierungsdatum angeführt, das angibt, wann der Beitrag zuletzt bearbeitet wurde.

Insgesamt stehen dem Benutzer zum Nachschlagen per Mausklick fast 1.000 Artikel zur Verfügung. Basis dafür ist die finnische Version der Guidelines, die 1989 in Finnland begründet wurde. Die deutschsprachige Ausgabe der EbM-Guidelines ist 2005 erstmals erschienen. Dabei wurden beim Übersetzen der finnischen Originaltexte die Unterschiede zwischen den Gesundheitssystemen berücksichtigt und die Artikel an österreichische Verhältnisse angepasst.

In den Empfehlungen wird nicht nur auf einen Krankheits-orientierten Ansatz (etwa Asthma) eingegangen, die Darstellung erfolgt auch Symptom-orientiert (zum Beispiel Knieschmerzen) oder Betreuungs-orientiert (etwa Ernährung im Alter). Zahlreiche Video-Sequenzen, Hörbeispiele und mehr als 1.000 Bilder können zur Veranschaulichung abgerufen werden. Möchte man wissenschaftlich in die Tiefe gehen und die Empfehlungen nachlesen, finden sich bei den Artikeln Links zu mehr als 3.500 Evidence Summaries und Cochrane-Library-Beiträgen.

Diagnostik und Therapie

Mithilfe der Guidelines können Fragen zur Diagnostik wie „Welche Untersuchungen sind notwendig, welche nicht?“ ebenso beantwortet werden wie jene zur Therapie „Was ist gesichert, was sinnvoll, wo könnten Gefahren stecken?“ Auch was die Behandlungsstrategie anlangt, kann die Datenbank zu Rate gezogen werden. Wo kann der Hausarzt helfen, was kann er tun? Oder wann ist es ratsam, den Patienten an den Facharzt oder ein Krankenhaus zuzuweisen? „In den Guidelines kann man sowohl nachschlagen, wenn man schnell wissen möchte, welches Antibiotikum man geben soll als auch dann, wenn man sich versichern möchte welcher Untersuchungsgang jetzt der richtige ist“, so die Allgemeinmedizinerin.

Noch bis Ende September 2012 stellt die Bundessektion für Allgemeinmedizin der ÖÄK den Onlinedienst in vollem Umfang allen niedergelassenen Allgemeinmedizinern zur kostenlosen Nutzung zur Verfügung. Über das Fortbildungskonto unter www.meindfp.at kann dieser Service bequem in Anspruch genommen werden. Jeder Allgemeinmediziner sollte davon Gebrauch machen, ist Degn überzeugt: „Es ist ein sehr gutes Angebot, mit dem wir die EbM-Guidelines in die tägliche Praxis unserer Kollegen einführen wollen. Außerdem sind die Guidelines auf Allgemeinmediziner zugeschnitten und deshalb wirklich sehr gut im Praxisalltag brauchbar. Derzeit gibt es nichts Adäquates auf dem Markt.“


Aus der Praxis

Eine Mutter kommt mit ihrem vierjährigen Buben in die Ordination ihres Hausarztes, weil das Kind seit mehr als einer Woche Durchfall und kolikartige Bauchschmerzen hat. Bei der Untersuchung stellt der Arzt trockene Schleimhäute und einen Elastizitätsverlust der Haut fest. Deswegen möchte er das Kind zur Sicherheit in ein Krankenhaus zuweisen. Die Mutter möchte allerdings nach der Behandlung durch den Hausarzt mit ihrem Kind nach Hause gehen.

Nach welchen objektiven Kriterien kann der Hausarzt entscheiden, ob er das Kind doch nach Hause entlassen kann?

Wie lautet die Empfehlung der EbM-Guidelines in einer solchen Situation?

Sucht der Arzt in der Online-Version nach dem Begriff „Diarrhö“, erhält er in den Suchergebnissen unter anderem den Eintrag „Diarrhö und Erbrechen beim Kind“. Er wählt diesen Punkt und kann nun entweder den gesamten Artikel mit der Diagnose, der Feststellung des Schweregrades und der Behandlung lesen oder aber schon in der Übersicht zu Beginn auf den Punkt „Indikationen für eine Krankenhaus-Einweisung“ klicken. So kommt der Arzt rasch zu der für ihn relevanten Information. In diesem Fall lautet die Empfehlung, den Buben in ein Krankenhaus zuzuweisen, da mehrere Punkte, die eine Einweisung indizieren wie mäßig schwere Dehydratation, seit mehr als fünf Tagen anhaltende Diarrhö sowie kolikartige Bauchschmerzen in seinem Fall zutreffen.




© Österreichische Ärztezeitung Nr. 17 / 10.09.2012