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ArchivÖÄZ 2012ÖÄZ 19 - 10.10.2012

neu & aktuell: Medizinische Kurzmeldungen (10.10.2012)


China: vermehrt Todesfälle durch COPD

Zigarettenkonsum, Smog in den Städten, Luftverschmutzung, veraltete Diagnosen und mangelnde Behandlung der COPD führen dazu, dass diese Lungenerkrankung in China zu einem steigenden Gesundheitsproblem wird. Für 2030 rechnen Experten damit, dass jährlich rund drei Millionen Menschen an COPD sterben – um rund eine Million Menschen mehr als heute.
APA/Nature


M. Alzheimer: Mischung von Proteinen verantwortlich

Nicht nur die Proteine Tau und Beta-Amyloid sind an der Entstehung von M. Alzheimer beteiligt. Wissenschafter vom Klinischen Institut für Neurologie der Medizinischen Universität Wien haben herausgefunden, dass bei den Betroffenen sowohl eine Mischung unterschiedlicher Proteine als auch eine unterschiedliche regionale Verteilung des Nervenzellverlustes registrierbar ist.
APA


Neues Verhütungspflaster: Zulassung beantragt

Der Pharmakonzern Bayer hat in Europa die Zulassung für ein neuartiges Verhütungspflaster beantragt. Dieses niedrig dosierte Pflaster wird auf dem Bauch, dem Gesäß oder an der Außenseite der Oberarme aufgeklebt und gibt laufend Hormone an den Körper ab. Das Pflaster wird jede Woche erneuert; nach drei Wochen Anwendung folgt eine hormonfreie Woche.
APA


SARS-ähnliches Virus entdeckt

Britische Ärzte haben bei einem 49-jährigen Mann aus Quatar einen bisher unbekannten Virus, der SARS ähnelt, entdeckt. Es sei „komplett anders als das, was wir bisher in Menschen identifiziert haben“. Für eine Ansteckungsgefahr von Mensch zu Mensch gibt es bislang keinen Hinweis. Der Erreger verursacht eine Atemwegsinfektion und Nierenversagen.
APA


Übergewicht und Stress: rascher Herzinfarkt

Sind Übergewichtige im Stress, schüttet das Fettgewebe deutlich mehr körpereigene Cannabinoide aus, die wiederum das Risiko für einen Herzinfarkt erhöhten. Wissenschafter um Thomas Schindler vom Universitätsspital Genf konnten zeigen, dass Cannabinoide die Herzkranzgefäße in Mitleidenschaft ziehen. Die Hauptrolle spielt das Fettgewebe: Unter Stress werden vermehrt Botenstoffe freigesetzt. Diese docken an den Wänden der Blutgefäße an, beeinträchtigen deren Elastizität und vermindern den maximalen Blutfluss in den Herzmuskel. Für ihre Untersuchungen erhöhten die Forscher bei 111 normal- und übergewichtigen Teilnehmern den Blutfluss und bestimmten die Endocannabinoide. Ergebnis: Je höher der BMI, umso schlechter funktionierten die Gefäße und es wurden mehr Botenstoffe registriert.
APA/JACC: Cardiovascular Imaging


Neuer Ansatz: Lipide als Coating für Medikamente

Neue Ansätze zur „Geschmacksmaskierung“ (Schutzschicht auf Medikamenten, die unangenehm schmecken; Anm.) verfolgt Andreas Zimmer vom Institut für Pharmazeutische Wissenschaften der Universität Graz. Er verwendet für das Coating von Arzneimitteln Lipide, die neutral beziehungsweise nach gar nichts schmecken. Der Nachteil dabei: Da Fette schlecht wasserlöslich sind, ist der schnelle Wirkeintritt – sofern dieser gewünscht ist – problematisch. Der Standard bisheriger Überzugsverfahren bildet das Coating mit Polymethacrylaten oder mit modifizierten Cellulosen. Allerdings muss prozesstechnisch eine enorme Lösungsmittelmenge eingesetzt werden. Bei Lipiden werden keine Lösungsmittel benötigt und die Prozesszeit verkürzt, weil die Trocknung entfällt. Ein Ziel der Forschungen ist nun, die Stabilität der Lipid-Coatings vorherzusagen sowie die Suche nach Zusatzstoffen, welche die Auflösung der Fette im Magen beschleunigen.
APA


Schweinegrippe-Impfstoff erhöht Risiko für Narkolepsie

Wie aus einer französischen Studie zu Pandemrix®, das 2009 als Impfstoff gegen die Schweinegrippe eingesetzt wurde, hervorgeht, erhöht sich dadurch das Risiko für eine Narkolepsie nicht nur bei Kindern und Jugendlichen, sondern auch bei Erwachsenen: bei Menschen unter 19 Jahren um das Fünffache; bei älteren Menschen um den Faktor 3,5. In Frankreich erkrankten bis dato 51 Patienten an Narkolepsie; 47 von ihnen waren mit Pandemrix® geimpft worden. Der Impfstoff, der in Österreich nicht eingesetzt wurde, enthält Adjuvantien, die ihn effektiver machen, aber auch stärkere Nebenwirkungen verursachen können. Von Mexiko ausgehend hatte sich die Schweinegrippe weltweit ausgebreitet. Im Juni 2009 rief die WHO (Weltgesundheitsorganisation) schließlich eine Pandemie aus, die erst im August 2010 für beendet erklärt wurde.
APA


Genmais verursacht bei Ratten Krebs


Ratten, die mit gentechnisch verändertem Mais gefüttert werden, sterben jünger und erkranken deutlich häufiger an Krebs als Tiere, die herkömmliche Nahrung erhalten. Zu diesem Ergebnis kommen französische Wissenschafter der Universität Caen. Der dort tätige Professor Gilles-Eric Seralini bezeichnet die Ergebnisse als „alarmierend“. Für ihre Untersuchung hatten die Wissenschafter zwei Jahre lang 200 Ratten beobachtet. Eine Gruppe wurde mit unbehandeltem Genmais gefüttert; eine zweite mit Genmais, der zuvor mit einem Pestizid behandelt wurde. Eine dritte Gruppe erhielt herkömmlichen Mais, der ebenfalls mit dem Pestizid behandelt wurde. 17 Monate nach Beginn der Untersuchung waren in der mit Genmais gefütterten Gruppe fünf Mal mehr tote Tiere zu verzeichnen als in der Vergleichsgruppe. Die Weibchen erkrankten meist an Brustkrebs, die Männchen an Haut- oder Nierentumoren. Laut Seralini würden durch die gentechnische Manipulation Maissorten hergestellt, die Pestizide tolerieren oder sogar eigene Pestizide produzieren.
APA/Food and Chemical Toxicology


Übergewicht bei Kindern erhöht später kardiovaskuläres Risiko


Claire Friedemann von der Universität Oxford (Großbritannien) und ihre Kollegen analysierten 63 Studien, an denen insgesamt 40.220 gesunde Kinder im Alter von fünf bis 15 Jahren teilgenommen hatten. Dabei wurden das Körpergewicht sowie mindestens ein Herz-Risikofaktor wie etwa hoher Blutdruck oder erhöhte Cholesterinwerte ermittelt. Ergebnis: Fettleibige Kinder (ab einem BMI von 30) hatten einen deutlich höheren Blutdruck und Cholesterinwert als normalgewichtige Kinder. Sie zeigten auch ein erhöhtes Risiko für Diabetes. Die Forscher betonten, dass Fettleibigkeit einen signifikanten Einfluss auf die Risikofaktoren für kardiovaskuläre Krankheiten hat. Bleiben diese Risikofaktoren über die Jahre hinweg erhalten, steigt die Gefahr, im Erwachsenenalter einen Schlaganfall oder eine Herzkrankheit zu erleiden, im Vergleich zu Normalgewichtigen um 30 bis 40 Prozent.
APA/British Medical Journal



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 19 / 10.10.2012