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ArchivÖÄZ 2012ÖÄZ 22 - 25.11.2012

Dermatologische Symptome bei internistischen Erkrankungen


Blickdiagnose als Hinweis

Dermatologische Symptome von internistischen Erkrankungen können sowohl als erste Symptome vor den inneren Organsymptomen auftreten als auch im weiteren Verlauf.
So kann auch bei wenig ausgeprägten Erscheinungen eine gründliche Erhebung des Hautstatus früh klare Hinweise auf eine internistische Erkrankung geben.
Von Elisabeth Gerstendorfer


Die Ursachen für pathologische Veränderungen der Haut, der angrenzenden Schleimhäute und Hautnahgebilde können vielfältig sein und im Unterschied zur ersten Vermutung vieler Betroffener handelt es sich nicht immer um ausschließliche Dermatosen. „Selbst relativ harmlose Zeichen an der Haut können ein Abbild innerer Grunderkrankungen darstellen und maßgeblich für ihre frühzeitige Diagnose sein. Die Verbindung zwischen Dermatologie und Innerer Medizin ist in vielen Punkten sehr intensiv“, sagt Univ. Prof. Werner Aberer, Vorstand der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie Graz. Das zeigt sich auch historisch: Das Fachgebiet der Dermatologie entwickelte sich als Abspaltung der Inneren Medizin; in manchen Ländern wie etwa in den USA sind dermatologische Abteilungen nach wie vor Teil der Inneren Medizin. Aberer weiter: „Pathologische Hautveränderungen sind eine wichtige klinische Hilfestellung und erfordern eine Zusammenarbeit von Dermatologen
und Internisten.“

Typische Beispiele


Dermatologische Symptome von internistischen Erkrankungen können als erste Symptome sowohl vor den inneren Organsymptomen auftreten als auch im weiteren Verlauf. Umso wichtiger ist eine gründliche Erhebung des Hautstatus - auch bei wenig ausgeprägten Erscheinungen -, die zum Teil über die Blickdiagnose früh klare Hinweise geben kann. Häufige Ursachen für pathologische Hautveränderungen sind hämatologische, endokrinologische, rheumatische, kardiale, gastrointestinale, neurokutane und maligne Erkrankungen sowie Kollagenosen. Typische Beispiele von inneren Erkrankungen, die auch an Hautsymptomen sichtbar werden:

Psoriasis
Die Schuppenflechte ist typischerweise durch stark schuppende, punktförmige bis handtellergroße Hautstellen gekennzeichnet - meist an Kopfhaut, Ellenbogen und Knien. Auch an den Nägeln können Veränderungen auftreten. „Die Psoriasis wird heute nicht mehr als bloße Hauterkrankung isoliert gesehen. Viele Patienten haben neben den kosmetischen Störungen an der Haut auch Gelenksbeschwerden und ein erhöhtes Risiko für innere Erkrankungen“, betont Aberer.

Systemischer Lupus erythematodes (SLE)

Die Autoimmunerkrankung manifestiert sich bei etwa jedem vierten Betroffenen zuerst an der Haut mit je nach Verlaufsform unterschiedlichen Manifestationen: Charakteristisch für den SLE ist das Schmetterlingserythem - eine persistierende, symmetrische Rötung an Nase, Stirn und Wangen mit leichter Schuppung in Form eines Schmetterlings. „Die Hauterscheinungen bestimmter Formen des Lupus erythematodes sind schwer von einer Sonnenallergie zu unterscheiden. Häufig sind sehr unangenehme, juckende Ausschläge an jenen Stellen, wo man den Körper frei trägt, weshalb die Patienten meist denken, sie leiden an einer Sonnenallergie“, so Aberer.

Diabetes mellitus
Aufgrund einer gestörten Durchblutung kann es zu Nekrosen, Entzündungen sowie einer erhöhten Anfälligkeit für Mykosen oder bakterielle Infektionen kommen. Auch eine Verdünnung der Haut, Verletzlichkeit und vorzeitige Hautalterung können auf Diabetes mellitus hinweisen. „Infolge der Mangeldurchblutung kommt es nicht selten zu Ulzera und schlecht heilenden Wunden an der Haut, vor allem an den Füßen beziehungsweise Unterschenkeln“, erklärt Paul Pavek, Internist in Graz. Häufig ist auch die Diabetische Dermopathie, die zu kleinen braun-roten, unregelmäßig begrenzten und nicht schmerzhaften Flecken sowie Papeln im Bereich der Schienbeine und der Knöchel führt sowie zu vermehrter Pigmentierung.

Systemische Sklerodermie
Im Frühstadium ist die Sklerodermie schwer zu diagnostizieren, da sie zunächst schmerzfrei verläuft und typische Symptome der betroffenen Organe oft fehlen. Bemerkt werden von den Patienten nur Hautveränderungen, aufgrund derer sie den Arzt aufsuchen. Neben rissiger und starrer Haut, Ödembildung an Händen und Füßen sowie Fibrose der Haut und des Unterhautfettgewebes ist aber auch das Bindegewebe von inneren Organen - besonders von Lungen, Herz und Nieren - massiv beeinträchtigt. Typisch für die lokalisierte Sklerodermie sind plaqueförmige Morphea mit lilafarbenem Randsaum.

Störungen des Porphyrin-Stoffwechsels

Krankheiten in Zusammenhang mit Porphyrinen können bei Abbaustörungen des Hämoglobins zu Gelbfärbungen der Haut, der Schleimhäute und der Bindehaut des Auges (Ikterus wie zum Beispiel bei Hepatitis) aber auch zu durch Licht ausgelöster Blasenbildung in der Haut führen. Bei Häm-Aufbaustörungen kommt es ebenfalls zu einer starken Lichtunverträglichkeit der Haut. Weitere hämatologische Erkrankungen, welche die Haut betreffen, sind Sichelzellenanämie, die häufig zu Ulzera führt sowie Eisenmangelanämie, bei der es zu blasser Haut, Entzündungen der Zunge (Glossitis), Haarausfall und brüchigen Nägeln kommt.

Dermatologische Farbenlehre
Bestimmte Farbveränderungen der Haut können auf spezifische Organstörungen hinweisen. „Bei Herzerkrankungen, besonders dann, wenn das Herz mangelhaft arbeitet, verfärben sich die Schleimhäute und die Haut bläulich. Bei anderen kardialen Störungen kommt es zu einer typischen Rotfärbung des Gesichts“, sagt Pavek. Patienten mit Nierenerkrankungen weisen hingegen oft eine graue bis blassweiße Hautfärbung auf; Beeinträchtigungen der Leber können eine Gelbfärbung sowie die Bildung von Leberflecken bewirken. Neben Organerkrankungen sind manchmal Komplikationen oder Nebenwirkungen von Therapien mit pathologischen Hautveränderungen assoziiert, etwa bei bestimmten Medikamenten. Manche Antibiotika können etwa Nebenwirkungen wie Rötungen, Juckreiz oder ein brennendes Gefühl auf der Haut verursachen.

Bei der Therapie von internistisch bedingten pathologischen Hautveränderungen wird Ursachen-geleitet vorgegangen, wobei die dermatologischen Symptome je nach Erkrankung primär, sekundär oder parallel behandelt werden. „Für eine erfolgreiche Therapie ist die enge Zusammenarbeit zwischen Dermatologen und Internisten erforderlich“, resümiert Pavek.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 22 / 25.11.2012