Logo Aerzteverlagszeitung
ArchivÖÄZ 2012ÖÄZ 22 - 25.11.2012

neu & aktuell: Medizinische Kurzmeldungen (25.11.2012)


Erstmals Hörimplantat am Hirnstamm implantiert


Bei einem 23-Jährigen, dessen Hörnerv beidseits durch einen Tumor zerstört war, implantierten Experten der Medizinischen Universität Wien erstmals ein Hörimplantat direkt am Hirnstamm. Die Elektrode wurde direkt am Hörnervenkern platziert. Bereits einige Wochen später kann das Hirnstammimplantat auf einer Intensivstation erstmals aktiviert werden.
APA


Nichtraucher-Gesetze verringern Spitalsaufenthalte

Schon kurz nach dem Inkrafttreten verringern Nichtraucher-Gesetze die Krankenhaus-Aufenthalte wegen Insulten, Herzinfarkten und Lungenkrankheiten um bis zu 24 Prozent, wie eine US-amerikanische Studie ergab. Das Team um Stanton Glantz (Universität von San Francisco/Kalifornien) analysierte dafür 33 Gesetze weltweit. Je umfassender der Nichtraucher-Schutz, desto besser war das Ergebnis.
APA/Circulation


Rauchen im Auto erhöht Feinstaub-Belastung

Durch Rauchen im Auto übersteigt die Feinstaub-Belastung den Grenzwert der WHO von
25 Mikrogramm um mehr als das Dreifache. Schottische Forscher um Sean Semple maßen den Wert bei 83 Autofahrten; bei 49 wurde geraucht. Bei Nichtraucher-Fahrten lag die Belastung bei 7,4 Mikrogramm; wurde geraucht, betrug sie 85 Mikrogramm. Bei einer Fahrt wurden sogar 880 Mikrogramm gemessen.
APA/Tobacco Control


Schleimhaut erkennt Keime am Bitter-Geschmack

Bitter-Sensoren in den Schleimhäuten der oberen Atemwege erkennen eindringende Bakterien an den spezifischen Chemikalien, die sie abgeben. Eine Abwehrreaktion wird ausgelöst. Funktioniert dieser Sensor nicht, bleibt die Reaktion aus. Diese auf Genvarianten beruhenden Unterschiede könnte erklären, warum manche Menschen anfälliger für Erkältungen sind.
APA/Journal of Clinical Investigation


Gentherapie gegen Epilepsie erfolgreich


Erstmals konnte Epilepsie bei Ratten mittels Gentherapie geheilt werden. Forscher um Robert Wykes vom University College London haben dafür zusätzliche Kopien eines Gens für den Kaliumkanal in das Gehirn der Ratten eingeschleust. Die Genkopien verhinderten eine Übererregung der Gehirnzellen und damit die Ursache für einen epileptischen Anfall. Durch die einmalige Behandlung wurden die Anfälle ohne Nebenwirkungen über mehrere Wochen gestoppt. Das Verfahren wirke bei etablierter Epilepsie, verhindere aber auch das Entstehen von epileptischen Herden etwa nach Hirnverletzungen, erklärten die Wissenschafter. Zwar wurde die Wirkung bisher nur für eine Art der Epilepsieherde untersucht; die Daten wiesen aber darauf hin, dass diese Therapie auch andere Epilepsieformen heilen könne. Weitere Tests müssen nun zeigen, ob die Methoden auch beim Menschen wirkt.
APA/Science Translational Medicine


Lachgas-Narkose erhöht Herzinfarkt-Risiko nicht

Entgegen bisherigen Annahmen dürfte eine Lachgas-Narkose das Herzinfarkt-Risiko während einer Operation nicht erhöhen. Das berichtete der österreichische Arzt Peter Nagele, der am Washington University Medical Center in St. Louis (US-Bundesstaat Missouri) tätig ist, bei der Jahrestagung der American Society of Anesthesiologists im Oktober in Washington D.C. (USA). Im Rahmen derer erhielt er als erster Europäer den Presidential Scholar Award 2012, mit dem Mediziner geehrt werden, die einen besonderen Beitrag für die anästhesiologische Forschung geleistet haben. Um festzustellen, ob der durch das Lachgas induzierte Anstieg des Homocystein-Spiegels das Herzinfarkt-Risiko erhöht, untersuchte Nagele bei 500 mit Lachgas narkotisierten Patienten den Troponin-Spiegel. Ein Teil der Patienten erhielt Vitamin B-Präparate, die den Homocystein-Spiegel senken, der andere Teil ein Placebo und eine Kontrollgruppe mit 125 Patienten weder Lachgas noch Vitamine. Ein signifikanter Anstieg des Troponin-Spiegels wurde bei keiner der drei Gruppen festgestellt; auch bei der Zahl der Herzinfarkte gab es keinen Unterschied. Bezüglich des Herzinfarktrisikos werden die Ergebnisse einer groß angelegten klinischen Studie 2014 vorliegen.
APA


Mehr Tote durch kardiovaskuläre Erkrankungen im Winter

Im Winter sterben mehr Menschen an kardiovaskulären Erkrankungen als im Sommer, wie eine Studie von Forschern um Bryan Schwartz des Good Samaritan Krankenhauses in Los Angeles (US-Bundesstaat Kalifornien) ergab. Dabei sei das Risiko – entgegen den bisherigen Annahmen – unabhängig von der klimatischen Region, in der man lebt. Die Wissenschafter hatten die Anzahl der Todesfälle zwischen 2005 und 2008 an sieben US-amerikanischen Standorten mit verschiedenen Klimata untersucht. Demnach stiegen die Todesfälle durch kardiovaskuläre Ekrankungen wie Insulte und Myokardinfarkte im Winter an allen Orten um 26 bis 36 Prozent. Grund dafür könnten neben dem kälteren Wetter, das sich vermutlich negativ auf den Kreislauf auswirkt, mangelnde Bewegung und die im Winter ungesündere Ernährung sein.
APA


Frauen leben durch rechtzeitigen Rauchstopp länger


Frauen, die vor dem 40. Lebensjahr aufhören zu rauchen, leben durchschnittlich um neun Jahre länger als jene, die weiter rauchen. Das ergab eine Studie, für die Forscher der Universität Oxford rund 1,2 Millionen 50- bis 65-jährige Britinnen von 1996 bis zum Jahr 2011 beobachteten. Alle drei Jahre wurden sie zu ihrem Lebensstil und ihrem Gesundheitszustand befragt. 20 Prozent der Frauen rauchten, 28 Prozent waren ehemalige Raucher und 52 Prozent hatten nie geraucht. „Ob Frauen oder Männer – Raucher, die im mittleren Alter aufhören, gewinnen im Durchschnitt zehn Lebensjahre“, so die Autoren. Dennoch leben Raucherinnen durchschnittlich elf Jahre kürzer als Frauen, die nie geraucht haben. Eine Frau, die zwischen 45 und 55 Jahren aufhört, zu rauchen, hat ein um 56 Prozent höheres Risiko, früh zu sterben als eine gleichaltrige Nichtraucherin. Im Vergleich zu einer Raucherin lebt sie aber sechs bis sieben Jahre länger.
APA/The Lancet


Leichte Bewegung verlängert das Leben


Schon leichte körperliche Bewegung lässt Übergewichtige durchschnittlich länger leben als normalgewichtige und inaktive Menschen. Das ergab die Analyse von Daten aus sechs Untersuchungen mit mehr als 650.000 Menschen zwischen 21 und 90 Jahren. Wer wöchentlich 75 Minuten zügig geht, steigert seine Lebenserwartung um 1,8 Jahre, fanden die Forscher um Steven Moore vom Nationalen Krebsinstitut in Bethesda (US-Bundesstaat Maryland) heraus. Normalgewichtige, die sich kaum bewegten, starben durchschnittlich
3,1 Jahre früher als aktive Übergewichtige mit einem BMI zwischen 30 und 34,9. Inaktive mit einem BMI über 30 wiederum starben um durchschnittlich 7,2 Jahre früher als schlanke, aktive Menschen.
APA/PLoS Medicine



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 22 / 25.11.2012