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ArchivÖÄZ 2012ÖÄZ 8 - 25.04.2012

Salzburger Landeskliniken (SALK): Arbeiten am Limit


Von den 4.634 Stellen in den Salzburger Landeskliniken sind laut Rechnungshof ganze 224 nicht besetzt; Tendenz steigend. Ursächlich liegt jedoch kein Mangel an Ärzten, sondern mangelnde Attraktivität der Arbeitsbedingungen vor.
Von Marion Huber


Mit ganzen 224 Stellen waren in den Salzburger Landeskliniken (SALK) fünf Prozent der insgesamt im Jahr 2010 vorgesehenen 4.634 Planstellen nicht besetzt, wie ein Prüfbericht des Landesrechnungshofes zum Personal der SALK im März 2012 ergab.

Daraufhin forderte der Rechnungshof die SALK auf, „Maßnahmen zu ergreifen, um das im Stellenplan ersichtliche, zwingend erforderliche Personal zur Verfügung stellen zu können“. Von Seiten der SALK-Geschäftsführung hat man sich damit gerechtfertigt, dass zwar „erhebliche Anstrengungen“ unternommen wurden, es am Arbeitsmarkt jedoch keine verfügbaren Kräfte für bestimmte Posten gebe. Ein Argument, das Karl Forstner, Präsident der Salzburger Ärztekammer, nicht gelten lässt: „Ich unterstelle nicht, dass die SALK-Geschäftsführung absichtlich Stellen nicht besetzt hat. Ich glaube schon, dass sie die Posten ausgeschrieben hat. Aber sie sollte sich dann die Frage stellen, ob die SALK ein so attraktiver Dienstgeber sind, dass das Personal hier arbeiten will.“ Denn für Rekrutierungsprobleme gebe es zwei Erklärungen: einerseits einen leeren Arbeitsmarkt, wo schlichtweg kein Personal zur Verfügung steht. „Das ist in der Medizin ja nicht der Fall“, stellt Forstner klar: „Aber die Ärzte suchen sich heute aus, wo sie arbeiten wollen.“

Das ganze Bündel der Arbeitsbedingungen – bei jungen Ärzten die Ausbildungsqualität, die Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes, flexible rbeitszeitmodelle bis hin zur Bezahlung der Leistung – spiele hier eine Rolle. „Wenn man weniger attraktive Bedingungen bietet, soll man sich nicht wundern, dass man Rekrutierungsprobleme hat.“ Dem stimmt auch Jörg Hutter, Obmann der Kurie angestellte Ärzte in Salzburg, zu: „Der Konkurrenzdruck unter den Häusern ist inzwischen sehr groß.“ Auch die Einkommensunterschiede spielen eine Rolle: „In punkto Gehälter und Sondergebühren liegt Salzburg im Wettstreit mit Bayern im Hintertreffen. Wir fürchten aber auch, dass Salzburg durch die Gehaltsreform in Oberösterreich wieder deutlich zurückfallen wird.“ Somit sei es falsch, Besetzungsprobleme in Krankenhäusern auf einen Mangel an Ärzten zurückzuführen: „Es gibt keinen Mangel an Ärzten, sondern einen Mangel an Attraktivität in den ärztlichen Berufsfeldern. Das ist der entscheidende Punkt“, resümiert Forstner.

Fakt ist: Die Arbeit, die anfällt, muss erledigt werden. Fehlt Personal, sind es die vorhandenen Angestellten, die zusätzlich belastet werden. „Eine solche Situation geht mit Sicherheit auf Kosten derer, die für den Dienstgeber noch verfügbar sind“, ist Forstner überzeugt. Hutter ergänzt: „Was wir immer wieder kritisieren, ist, dass es durch die Ausschreibepraxis immer wieder zur Nichtbesetzung oder verspäteten Nachbesetzung von frei werdenden Stellen kommt. Das bedeutet zwangsläufig eine Mehrbelastung. Wenn bereits am Limit gearbeitet wird, darf wirklich niemand mehr krank werden und ausfallen.“

Augenscheinlich sei, dass die SALK generell „extrem knapp“ (Forstner) mit dem Personal kalkulieren. Auch bei der Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes ortete der Rechnungshof gröbere Verstöße; so werde regelmäßig gegen verschiedene Bestimmungen des KA-AZG verstoßen. „Es ist sicherlich nicht richtig, einen gesetzlichen Rahmen immer so auszuschöpfen, dass man sich dauernd an der Grenze bewegt“, kritisiert Forstner. Seit 2007 sind in den SALK stets weit weniger Posten besetzt als im Dienstpostenplan ausgewiesen; die Tendenz, dass Stellen unbesetzt bleiben, ist steigend. Grundsätzlich sei zwar zuzubilligen, dass es bei einem Betrieb, der knapp 5.000 Mitarbeiter beschäftigt, immer freie Stellen geben werde, aber: „In  Summe sollten die SALK zur Kenntnis nehmen, dass sie den Bogen schon sehr weit spannen“, so der Ärztekammer-Präsident.

Denn die Folgen unbesetzter Stellen werde nicht nur das ärztliche Personal zu spüren bekommen, wie Forstner betont: „In letzter Konsequenz wird sich das auch auf die Versorgungsqualität und damit auf den Patienten auswirken.“



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 8 / 25.04.2012