Logo Aerzteverlagszeitung
ArchivÖÄZ 2013ÖÄZ 10 - 25.05.2013

neu & aktuell: Medizinische Kurzmeldungen (25.05.2013)


Typ 1-Diabetes: Implantierbare Insulin-Kapsel

Ein Behälter in der Größe eines Herzschrittmachers könnte – subkutan implantiert – bei Typ 1-Diabetikern künftig Insulin produzieren. Dresdner Forscher untersuchen derzeit einen von israelischen Forschern entwickelten „Bioreaktor“, der mit Beta-Zellen gefüllt ist. Das Modell wird derzeit im Tiermodell getestet; klinische Studien an Patienten könnten in zwei bis drei Jahren starten.
APA


Künstliche Luftröhre für Zweijährige

Erstmals erfolgreich wurde einem zweijährigen Mädchen in den USA eine künstliche Luftröhre eingesetzt. Eine Kunststoffröhre wurde dafür mit den Stammzellen aus dem Knochenmark des Mädchens besiedelt. Das Kind war ohne Luftröhre zur Welt gekommen und hatte sein bisheriges Leben auf der Intensivstation verbracht. Es wurde bislang künstlich beatmet und ernährt.
APA


Corona-Virus erstmals in Frankreich

Das neue Corona-Virus (nCoV) haben Ärzte in Frankreich erstmals bei einem Patienten nachgewiesen. Dieser war erst kurz zuvor aus Saudi-Arabien zurückgekehrt. Der Erreger gehört zur gleichen Gruppe wie das SARS-Virus. Nahezu alle bislang gemeldeten 30 Infektionen mit dem Corona-Virus traten auf der Arabischen Halbinsel auf; 18 Personen sind daran gestorben.
APA


Epilepsie-Anfall: Warnung durch Elektroden

Mithilfe von Sensoren, die elektrische Impulse an der Gehirnoberfläche messen, sollen Epilepsie-Patienten vor Anfällen gewarnt werden. Die Elektroden sind mit einem Gerät, das im Brustbereich unter die Haut implantiert wird, verbunden. Es unterscheidet zwischen Anfall, gemäßigtem und geringem Risiko. Betroffene müssten demnach nicht mehr regelmäßig Medikamente zu sich nehmen.
APA/The Lancet Neurology


Faust ballen stärkt Lernleistung

Das Ballen der rechten Faust hilft Rechtshändern, sich Worte besser zu merken. Ballt man die linke Faust, hilft das dagegen, die Worte wieder aus dem Gedächtnis abzurufen. In einer Studie der Universität Montclair (New Jersey, USA) wurden 51 rechtshändige Probanden gebeten, entweder gar nicht oder zwei Mal kurz hintereinander mit derselben Hand einen kleinen Gummiball 45 Sekunden lang zu drücken und sich dabei auf ein X auf einem Bildschirm zu konzentrieren. Danach sollten sich die Testpersonen 72 Worte merken, die auf dem Bildschirm erschienen. Im letzten Schritt mussten die Kandidaten so viele Worte wie möglich wiedergeben, während sie wieder entweder den Ball drückten oder ruhen ließen. Am besten schnitten dabei jene Probanden ab, die beim Lernen mit der rechten Hand und beim Wiedergeben mit der linken Hand gedrückt hatten. Diese Ergebnisse deuteten darauf hin, dass „einfache Bewegungen das Gedächtnis verbessern können, etwa durch zeitweise Veränderung der Gehirnaktivität“, erklärte Studienleiterin Ruth Propper.
APA/PLOS ONE


Cannabis-Kapseln wirksamer gegen Schmerzen als Joints

Probanden, die Präparate mit dem Wirkstoff Dronabinol in Kapselform konsumieren, verspüren Schmerzen später und ertragen sie länger als Testpersonen, die Cannabis in Form von Rauchwaren konsumieren. Das ergab eine Studie der Columbia Universität in New York, bei der 30 Probanden, die bereits regelmäßig Cannabis rauchten, über zwei Wochen lang täglich Dronabinol-Kapseln in unterschiedlicher Konzentration oder aber Placebos konsumierten. Zusätzlich rauchten die Versuchsteilnehmer Joints, ohne jedoch zu wissen, ob und wie viel Cannabis darin enthalten war. Um die Schmerzempfindlichkeit zu testen, hielten die Probanden ihre Arme in Wasser, das eine Temperatur von nur vier Grad aufwies. Ergebnis: Sowohl Cannabis in Form von Rauchwaren als auch Dronabinol wirken schmerzlindernd. Jene Probanden, die Dronabinol in Kapselform konsumiert hatten, hielten den Schmerz jedoch länger aus. Die Ergebnisse der Studie sind jedoch nur bedingt aussagekräftig, da alle Probanden bereits zuvor regelmäßig Cannabis konsumiert hatten.
APA/Neuropsychopharmacology


Fluoreszenzmarker erleichtert Tumor-Biopsie

In Zukunft kann die korrekte Entnahmestelle für eine Nadel-Biopsie bei Lymphomen im Gehirn und Gliomen durch den Fluoreszenzmarker 5-Aminolävulinsäure (5-ALA) bestimmt und auch die exakte Diagnose im OP gestellt werden. Dies zeigt eine Studie an der Universitätsklinik für Neurochirurgie an der Medizinischen Universität Wien. Der Patient nimmt den in Wasser aufgelösten Marker rund vier Stunden vor der Operation zu sich. Durch die tumorbedingte Störung der Blut-Hirn-Schranke sowie vermutete Enzymdefekte der Tumorzelle reichert sich der Marker in den aggressiven Anteilen des Tumors an. Während der Operation sendet das Mikroskop ein Blaulicht aus, das die Tumorzellen rot fluoreszieren lässt. Laut Studienautor Georg Widhalm könne „bei klarer 5-ALA-Fluoreszenz der Tumorprobe die Biopsie beendet werden, ohne dass eine neuropathologische Untersuchung während des Eingriffs und eine Serienbiopsie durchgeführt werden müssen“. Zusätzlich konnte erstmals nachgewiesen werden, dass nur die aggressiven Anteile der Geschwulst bei hirneigenen Tumoren leuchten. Das ermöglicht die Tumor-Biopsie an der richtigen Stelle und erleichtert die Tumor-Resektion.
APA


Gehirn muss jedes Lachen interpretieren

Tübinger Wissenschafter haben herausgefunden, wie das Gehirn verschiedene Lachsignale verarbeitet: Fröhliches Lachen wird ganz anders verarbeitet als höhnisches Lachen. Prof. Dirk Wildgruber und sein Team haben dafür den Probanden verschiedene Arten des Lachens vorgespielt und gemessen, wie die Verarbeitung im Gehirn erfolgt. Dabei zeigte sich, dass beim Kitzeln etwa diejenigen Hirnregionen reagieren, die für die Verarbeitung von komplexen akustischen Signalen zuständig sind. Hingegen werden bei einem fröhlichen oder höhnischen Lachen die Bereiche, die bei der Abschätzung der Absicht eines anderen Menschen eine Rolle spielen, stärker aktiviert. Dabei wurden jeweils unterschiedliche Verbindungen zu anderen Bereichen im Gehirn hergestellt. Demnächst soll untersucht werden, wie Lachsignale im Gehirn von Menschen mit sozialen Ängsten verarbeitet werden. Die Wissenschafter erhoffen sich davon Informationen, an welchen Stellen man mit Hirnstimulationsverfahren ansetzen kann, um Patienten in der psychotherapeutischen Behandlung zu helfen.
APA/PLOS ONE


Vogelgrippe: Neues Virus stammt von Enten


Das neue Vogelgrippe-Virus A(H7N9) ist durch mehrfache Genveränderungen entstanden und hat Enten und Wandervögel als Zwischenwirte genutzt. Zu diesem Ergebnis kommen Di Liu vom Institut für Mikrobiologie der chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking und Co-Autoren. Sie haben für ihre Untersuchungen die ersten Erbsubstanz-Sequenzdaten analysiert, mit rund 100 anderen Virus-Varianten verglichen und daraus einen Stammbaum rekonstruiert. Dabei kommt es vor allem auf die Veränderungen bei den beiden Virus-Oberflächenbestandteilen Hämagglutinin sowie Neuraminidase an. Das Hämagglutinin-Gen des neuen Vogelgrippe-Virus könnte von Vogel-Influenza-Viren aus Enten stammen; das Neuraminidase-Gen könnte von Wandervögeln stammen. Die inneren Strukturproteine dürften durch Gene von zwei verschiedenen Vogelviren, die von Hühnern stammen, kodiert sein. Bis Ende April 2013 wurden in China 129 Erkrankungen registriert; 32 Personen starben.
APA/The Lancet



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 10 / 25.05.2013