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ArchivÖÄZ 2013ÖÄZ 17 - 10.09.2013

Spitalsärztinnen: Rahmenbedingungen verbessern


Der Anteil der Frauen unter Spitalsärzten steigt: 50 Prozent der Spitalsärzte sind weiblich. Bei einer Pressekonferenz forderten Vertreter der Bundeskurie angestellte Ärzte flexible Arbeitszeiten und Dienstmodelle ebenso wie eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Von Marion Huber


In der Medizin ist der Gleichstand erreicht, was die Geschlechteraufteilung anlangt“, erklärte Harald Mayer, Obmann der Bundeskurie angestellte Ärzte in der ÖÄK kürzlich anlässlich einer Pressekonferenz in Wien. 50 Prozent der Spitalsärzte sind weiblich; bei Turnusärzten sind es sogar fast zwei Drittel. „Das System hat darauf aber in keiner Weise Rücksicht genommen. Obwohl die Entwicklung seit Jahren absehbar war, hat man verabsäumt, etwas zu tun“, kritisierte er.

Speziell die junge Generation der Ärzte – und hier vor allem Frauen – lege laut Mayer besonderen Wert auf die Work-Life-Balance. Vor die Wahl zwischen Familie und Beruf gestellt, würden sich viele für die Familie entscheiden. „Für das System ist das nicht zuträglich, weil der Personalstand damit weiter sinkt und die Arbeit für die verbliebenen Ärzte zunimmt“, so Mayer. So sei zwar die durchschnittliche Wochenarbeitszeit leicht gesunken, damit nehme gleichzeitig aber der Arbeitsdruck zu. Die Konsequenz: In kürzerer Zeit muss dieselbe Arbeitslast bewältigt werden.

Nicht verwunderlich, dass sich – wie kürzlich vom IFES- (Institut für empirische Sozialforschung) Institut erhoben wurde – fast 70 Prozent der Spitalsärztinnen nicht vorstellen können, mit 65 Jahren noch in ihrem Beruf zu arbeiten. „Das ist das höchste Alarmzeichen, das man einem System geben kann“, ist Mayer überzeugt. Denn so ginge auch das Know-how der älteren, erfahrenen Ärzte verloren. Zur Zeit werde es jedoch verabsäumt, dieses Know-how sinnvoll zu nutzen. „Im System ist einfach der Wurm drin. Ändert sich daran nichts, ist es langfristig nicht haltbar“, warnt Mayer.

Dienstmodelle und Kinderbetreuung

Handlungsbedarf sieht Mayer daher „an allen Ecken und Enden“ gegeben. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf müsse erleichtert werden; Dienstmodelle und Arbeitszeiten müssten flexibler und Möglichkeiten der Kinderbetreuung umfangreicher werden, fügte Brigitte Steininger, Obfrau der Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer Burgenland, hinzu. Um die Karrieremöglichkeiten von Ärztinnen zu verbessern, müssten neben neuen Arbeitszeitmodellen auch die „verkrusteten Strukturen“ in Krankenhäusern aufgebrochen werden. „Durch die starren Strukturen und die schlechte Work-Life-Balance gibt es in Österreich nur eine Handvoll Primarärztinnen“, konstatiert Steininger.

Außerdem dürfe Ärztinnen durch eine Schwangerschaft kein Nachteil entstehen – was jedoch derzeit in vielerlei Hinsicht der Fall sei. Nicht nur, dass schwangere Ärztinnen einen „Knick in der Karriere“ in Kauf nehmen müssten; auch finanziell bedeute eine Schwangerschaft eine „klare Benachteiligung“. Steininger dazu: „Schwangere Ärztinnen dürfen keine Nachtdienste leisten. Sie fallen dadurch auf das ohnehin niedrige Grundgehalt zurück und damit verbunden sinkt auch das Wochengeld.“ Nach Ansicht von Steininger widerspricht das der EU-Mutterschutz-Richtlinie. Noch immer erarbeiten Spitalsärzte rund 40 Prozent ihres Gehalts durch Überstunden im Nachtdienst. Die Kurienobfrau forderte daher eine Reform des Gehaltsschemas und höhere Grundgehälter in ganz Österreich.

Nicht zuletzt müsse auch die maximal zulässige Arbeitszeit weiter verkürzt werden. „Mit Staunen“ verfolge er die aktuelle Diskussion um die Höchst-Arbeitszeit von zwölf Stunden, sagt Mayer. Denn die Bundeskurie angestellte Ärzte fordere schon seit Langen, die maximal zulässige Dienstdauer für Spitalsärzte gesetzlich auf 25 Stunden zu beschränken – diese Forderung höre aber niemand. „Das ist kein Renommee für Österreich“, sagt auch Steininger. Solche Zustände lassen sich junge Ärzte heutzutage nicht auf Dauer bieten; sie gehen ins Ausland oder in andere Branchen. „Und die Konsequenzen wird letztlich die Bevölkerung tragen müssen. Es wird dann nämlich weniger Ärzte geben, die sie in der heute gewohnten Form und Qualität versorgen“, warnte Mayer.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 17 / 10.09.2013