Logo Aerzteverlagszeitung
ArchivÖÄZ 2013ÖÄZ 21 - 10.11.2013

Kommentar - Dr. Lukas Stärker*


Zur Rolle der Ökonomen bei Reformen


Immer wieder hört und liest man, dass bestimmte Reformen oder Änderungen im Gesundheitswesen beziehungsweise bei Fragen der Krankenanstaltenorganisation so notwendig seien, da Ökonomen dies so berechnet hätten. Derartige Aussagen suggerieren u.a., dass Ökonomen – vereinfacht gesagt – „alles rechnen“ könnten, was jedoch nicht zutreffend ist.

Die Politik nimmt dies dennoch oftmals dankbar auf, da sie sich solcherart die Entscheidung oder die Kritik zu ersparen glaubt, da diesfalls der „Schwarze Peter“ den Ökonomen zuschiebbar ist.

Dies ist jedoch meines Erachtens verfehlt und das liegt zum einen schlicht und einfach an der mangelnden Kompetenz der Ökonomen, Verteilungsfragen, „Gerechtigkeitsfragen“ und damit Wertungsfragen zu berechnen. Auch Ökonomen können diesfalls nur werten, sind dazu jedoch demokratisch nicht legitimiert.

Zum anderen liegt es am Wunsch der Politik, selbst möglichst keine schlechten, negativen Botschaften zu überbringen. Da ist es durchaus bequem, Entscheidungen, die beim Wahlvolk schlecht ankommen werden, möglichst an sogenannte Experten auszulagern.

Richtigerweise sind Wertungsfragen stets von den dafür Gewählten politischen Entscheidungsträgern zu treffen. So ist daher zum Beispiel das Krankenhaus nicht zuzusperren, weil Ökonomen berechnet haben, dass es zu teuer ist, sondern – wenn schon dann – deshalb, da die politisch Verantwortlichen eine entsprechende Prioritätensetzung, Wertung und damit Entscheidung getroffen haben. Was heißt diesfalls schon zu teuer? Wo soll gespart werden? Was ist teuer und für wen? Was ist uns Gesundheit wert? Was ist uns das Spital oder die Ordination im Ort wert? Mehr als ein Eisenbahntunnel, eine Universität oder eine Bankenrettung?

Bei der Beantwortung derartiger wichtiger Fragen spielt eine Wertung die Hauptrolle. Und dies ist nicht im Sinne von richtig oder falsch berechenbar, sondern politisch – unter Einbeziehung der Akteure, bei Gesundheitsfragen der Ärzte und ihrer Vertretung – zu klären, das heißt zu (be)werten, zu priorisieren und dann zu entscheiden, transparent zu machen und zu verantworten. Die Auswirkungen der Ergebnisse können die Ökonomen ja dann ausrechnen. Das ist dann die „Rolle“ der Ökonomie, mehr nicht!

Ergebnis

Ökonomen sind zur Beantwortung von Verteilungsfragen, „Gerechtigkeitsfragen“ und damit Wertungsfragen nicht ausgebildet und nicht kompetent. Die Beantwortung derartiger Fragen ist auch nicht berechenbar im Sinne einer mathematischen Kalkulation, sondern politisch zu klären.

*) Dr. Lukas Stärker ist Kammeramtsdirektor der ÖÄK



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 21 / 10.11.2013