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ArchivÖÄZ 2013ÖÄZ 21 - 10.11.2013

neu & aktuell: Politische Kurzmeldungen (10.11.2013)


Vorarlberg: „Aktionsplan Augenheilkunde“

Weil die Wartezeiten auf Katarakt-Operationen in Vorarlberg immer länger werden, haben die Vorarlberger Landeskrankenhäuser, die Ärztekammer und Gesundheitslandesrat Christian Bernhard (V) einen „Aktionsplan Augenheilkunde“ entwickelt. Geplant sind eine stärkere Einbindung der niedergelassenen Augenärzte sowie eine Kooperation mit der Liechtensteiner Augenklinik Reis. Außerdem werden 2,4 Millionen Euro in einen dritten Operationssaal und einen IVOM-Eingriffsraum in Feldkirch investiert; bei den Ärzten und beim Pflegepersonal sollen 2014 von derzeit 2,5 Dienstposten um acht weitere aufgestockt werden. Damit soll bis Ende 2014 unter anderem die Wartezeit auf eine Katarakt-Operation von derzeit 10,5 Monate auf vier Monate reduziert werden. Wurden etwa am Landesklinikum Feldkirch im Jahr 2005 rund 1.200 Katarakt-Operationen durchgeführt, waren es im Vorjahr bereits rund 2.200 - Tendenz weiter steigend.


AKH Wien: Personalmangel durch Dienstzeiten-Beschränkung

Dass die längst fällige Senkung der Maximal-Dienstzeiten der Ärzte im Wiener AKH nun zu Engpässen in der Patientenversorgung führt, dürfe nicht zur Dauerlösung werden, erklärte der Obmann der Bundeskurie angestellte Ärzte in der ÖÄK, Harald Mayer. Mehrere Klinikchefs des AKH hatten zuletzt gewarnt, dass katastrophaler Personalmangel herrsche. „Das ging immer mehr auf Kosten der Gesundheit der Ärztinnen und Ärzte, letztlich aber auch zulasten der Patienten“, so Mayer. Den politisch Verantwortlichen müsse klar sein, dass sich Qualität und Umfang der spitzenmedizinischen Versorgung nur mit entsprechend mehr Personal aufrechterhalten lassen. Es sei zu hoffen, dass die von Rektor Wolfgang Schütz in Aussicht gestellte Aufstockung des ärztlichen Personals möglichst rasch umgesetzt werde, betonte Mayer. Schütz hatte kürzlich versprochen, dass man bis 1. März 2014 versuchen werde, „das jetzige Defizit wieder auszugleichen“. So soll der Ärztestand insgesamt erhöht und Nachtdienste eingespart werden. Jedoch auch das Gebäude selbst verursacht Probleme: Nach der Eröffnung im Jahr 1994 – und mehreren Jahrzehnten Planungs- und Bauzeit – ist eine Generalsanierung dringend notwendig. Betrugen die Errichtungskosten 42,5 Milliarden Schilling (3,09 Milliarden Euro), sollen für die Sanierung rund 1,5 Milliarden Euro nötig sein. Die genauen Kosten werden jedoch erst im Frühjahr 2014 feststehen.


Quecksilber: internationales Abkommen

In Minamata (Japan) wurde kürzlich ein internationales Abkommen zur Reduzierung der globalen Quecksilber-Emissionen verabschiedet. Demnach ist es ab 2020 verboten, quecksilberhaltige Produkte wie Batterien, Kosmetika, Thermometer zu produzieren und verkaufen. Auch Quecksilber-Abfälle dürfen künftig nur noch unter strengen Auflagen entsorgt werden.


China: HIV-Positive diskriminiert

In China ist ein Gesetz geplant, das „Menschen mit sexuell übertragbaren Krankheiten, Aids und ansteckenden Hautkrankheiten“ den Zutritt in öffentliche Bäder und Wellnessanlagen verbietet. Heftige Kritik kommt dazu von UNAIDS- Koordinatorin Hedia Belhadj. Schätzungen zufolge sind rund 780.000 Menschen in China HIV-positiv.


New York: Mindestalter bei Zigarettenkauf

In New York hat das Stadtparlament das Mindestalter für den Kauf von Zigaretten auf 21 Jahre angehoben. Der Mindestpreis pro Zigarettenpackung wurde auf 10,50 US-Dollar (7,62 Euro) festgelegt. Durch die strenge Anti-Tabak-Politik ist der Anteil der jugendlichen Raucher von 17,6 (2001) auf 8,5 Prozent (2007) gesunken, stagniert aber seither.


Rückruf: NovoMix®30 FlexPen®

Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk ruft drei Chargen des Insulin-Pens NovoMix®30 Flex-Pen® wegen falscher Insulin-Konzentrationen zurück: CP50639, CP50750 und CP50912. Laut AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) sind in Österreich etwa 30.000 Pens betroffen. Die Chargen wurden von Mai bis Oktober dieses Jahres ausgeliefert.


Gesundheitsminister als „kompetenter Partner“

Wir wollen einen kompetenten Partner, der uns hört“ und einen „visionären Träger“ von Zukunftsgedanken – das wünscht sich ÖÄK-Präsident Artur Wechselberger vom kommenden Gesundheitsminister, wie er kürzlich im Rahmen der „Pressestunde“ im ORF erklärte. Für ihn sei auch eine mögliche Zusammenlegung von Gesundheits- und Sozialministerium „eine Variante“. Erneut bekräftigte der ÖÄK-Präsident die Standpunkte der Ärztekammer: der niedergelassene Bereich sei „ausgehungert“, für Gruppenpraxen gäbe es zu viele Hürden, es mangle an Landärzten und auch mit der Gesundheitsreform sei man unzufrieden. „Eine Gesundheitsreform, die funktioniert, muss die Versorgung im Vordergrund haben“, betonte er. Seiner Ansicht nach benötige man in Österreich „Freiheit, eine Aufbruchsstimmung“.


Contergan: Prozess gegen Produzenten

In Spanien hat kürzlich der erste Prozess gegen den früheren Contergan-Produzenten Grünenthal begonnen. Die Kläger, vertreten durch den Opferverband Avite, fordern 204 Millionen Euro Schadenersatz; das Geld soll nach dem Grad der gesundheitlichen Probleme aufgeteilt werden. Thalidomid – so der Name des Wirkstoffes – hat Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre bei schätzungsweise 10.000 bis 20.000 Kindern zu schweren Fehlbildungen geführt. In Spanien waren etwa 3.000 Menschen betroffen; viele von ihnen sind inzwischen verstorben. Das ursprünglich als Schlaf- und Beruhigungsmittel vermarktete Medikament wurde Betroffenen weltweit gegen Übelkeit in der Schwangerschaft verschrieben. Contergan wurde in Deutschland Ende 1961 vom Markt genommen, in anderen Ländern wie Spanien erst Monate später.


EU: Krebs kostet Milliarden

Krebserkrankungen haben die EU-Volkswirtschaft im Jahr 2009 ganze 126 Milliarden Euro gekostet. Das ergab eine kürzlich im „The Lancet Oncology“ publizierte Studie der Universität Oxford und des King’s College London. Laut den Wissenschaftern handelt es sich dabei um die erste Studie, im Rahmen derer die Kosten von Krebs zwischen den einzelnen Ländern der EU verglichen werden. Allein die Kosten in den vier größten Staaten der EU - Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien - machen zwei Drittel der Gesamtsumme aus. Am meisten geben Luxemburg und Deutschland aus, am wenigsten Bulgarien. Bronchialkarzinome verursachten europaweit die höchsten Gesamtkosten und den höchsten Produktivitätsverlust. Die teuerste medizinische Versorgung hingegen – vor allem wegen der Medikamenten-Kosten – erhalten Frauen, die an einem Mammakarzinom leiden. Generell trug das Gesundheitswesen mit einem Betrag von 51 Milliarden Euro zwei Fünftel der Gesamtkosten; die Angehörigen der Betroffenen leisteten drei Milliarden Stunden Pflege im Wert von 23,2 Milliarden Euro. Noch höher liegen jedoch die Kosten, die durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursacht werden: Sie betragen 195 Milliarden Euro.


Niederösterreich: Rotes Kreuz kündigt GKK-Vertrag

In Niederösterreich haben das Rote Kreuz und der Arbeiter-Samariter-Bund den mit Jahresende auslaufenden Direktverrechnungsvertrag mit den Krankenkassen gekündigt. Sie fordern eine Anpassung der Tarife, die seit dem Jahr 2005 unverändert sind. Für die Patienten ändert sich vorerst nichts; Gespräche mit den Krankenkassen laufen. Gibt es aber bis 31. Dezember 2013 keine Einigung, müssen Patienten ab 1. Jänner 2014 die Rechnungen mit Selbstbehalt bezahlen und zur Rückerstattung einreichen, so der Sprecher des Roten Kreuzes Niederösterreich, Andreas Zenker. Mit der fristgerechten Vertragskündigung schaffe man sich eine „weitere Verhandlungsmöglichkeit“. Zenker weiter: „Hätten wir den Vertrag nicht gekündigt, wäre er automatisch zu den alten Konditionen verlängert worden. Das hätten wir uns nicht mehr leisten können.“ Das Rote Kreuz führt jährlich etwa 737.200 Einsätze in Niederösterreich durch; der Samariterbund 122.200.


Kärnten: Streit um KABEG-Vorstand

Heftige Diskussionen gibt es in Kärnten rund um die Bestellung des neuen Vorstands der Krankenanstalten-Betriebsgesellschaft KABEG. Der Büroleiter von Landeshauptmann Peter Kaiser (S), Arnold Gabriel, war vor kurzem dafür an erster Stelle gereiht worden. Die ÖVP-Aufsichtsräte hatten im rot-schwarz-grünen Koalitionsausschuss gegen Gabriel gestimmt, SPÖ und Grüne für ihn. ÖVP-Landesparteichef Gabriel Obernosterer kritisierte „Ungereimtheiten“ und forderte die sofortige Einberufung des Koalitionsausschusses. Grünen-Landesrat Rolf Holub verteidigte zwar das Mitziehen seiner beiden Aufsichtsräte mit der SPÖ, bestätigte aber, dass die Bewerbung Gabriels „kein gutes Bild“ ergebe. Auch FPÖ und Team Stronach haben eine Sondersitzung beantragt. FPÖ-Parteichef Christian Ragger will „alles daran setzen“, um die Bestellung rückgängig zu machen. Der Vorstandsposten muss neu besetzt werden, nachdem Ines Manegold im Juni 2013 vom Aufsichtsrat wegen „schwerwiegenden Vertrauensverlusts“ fristlos gekündigt wurde.


Neu: Vortragspool-CD

Unterstützung für Ärzte, die Vorträge halten, bietet die Vortragspool-CD des Ärztlichen Qualitätszentrums der Ärztekammer für Oberösterreich und des Instituts für Vorsorge- und Sozialmedizin. In rund 70 aktuellen PowerPoint-Präsentationen werden Informationen zu zahlreichen Themen wie etwa Burnout, Depression, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der Vorsorgeuntersuchung geboten. Die vollständige Themenliste sowie weitere Informationen gibt es unter www.aerztliches-qualitaetszentrum.at unter „Vortragspool Medizin“. Die CD kann um Euro 90,- bei der Ärztekammer Oberösterreich bestellt werden: Frau Ganhör, Tel.: 0732/77 83 71/244, E-Mail: ganhoerno@sonicht.aekooe.or.at.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 21 / 10.11.2013