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ArchivÖÄZ 2013ÖÄZ 22 - 25.11.2013

neu & aktuell: Medizinische Kurzmeldungen (25.11.2013)


Hoher Blutzuckerspiegel beeinträchtigt Gedächtnis im Alter

Wer im Alter einen hohen Blutzuckerspiegel hat, kann sich Worte schlechter merken als Gleichaltrige mit niedrigem Blutzuckerspiegel. Das ergab eine Studie des Teams um Univ. Prof. Agnes Flöel von der Berliner Charité, in der die Gedächtnisleistung von 141 gesunden Erwachsenen mit einem Durchschnittsalter von 63 Jahren getestet wurde. Zunächst prüften die Forscher die Merkfähigkeit der Probanden und ließen sie etwa 15 Wörter lernen; diese mussten sie nach 30 Minuten wiedergeben. Mit Hilfe eines Bluttests wurde dann der Zuckerspiegel erfasst, zusätzlich wurde eine Kernspintomografie durchgeführt, um die Größe und die Struktur des Hippocampus, der unter anderem für die Gedächtnisleistung zuständig ist, zu erfassen. Probanden mit einem hohen Blutzuckerspiegel merkten sich im Durchschnitt zwei Worte weniger als jene mit niedrigen Werten. Außerdem zeigte sich bei hohem Blutzuckerspiegel ein kleinerer Hippocampus, der auch eine schlechtere Struktur aufwies. Die Ergebnisse sollen nun in weiteren Studien bestätigt werden.
APA/Neurology


Oberschenkelhalsfraktur: Diagnose mittels Schwingungsmessung


Das Maschinenbau-Verfahren der Schwingungsmessung soll in Zukunft die Diagnose von Oberschenkelhalsbrüchen erleichtern. Den Einfall hatte die 24-jährige Carina Wagner, Entwicklungsingenieurin im Bereich Maschinenbau an der Fachhochschule Wels (Oberösterreich). In ihrer Diplomarbeit stellte sie die These auf, dass feste Körper bei Anregung gewisse Schwingungsmuster aufweisen, die von der Masseverteilung und der Steifigkeit des Körpers abhängen. Wenn sich also die Steifigkeit des Knochens – etwa durch eine Fraktur – deutlich ändert, zeigt sich das auch in den Schwingungsmustern. Von dieser Überlegung ausgehend, entwickelte sie ein Verfahren, um Oberschenkelhalsfrakturen zu diagnostizieren. In einem nächsten Schritt soll jetzt ein praxistauglicher Prototyp entwickelt werden.
APA


Asthma bei Kindern: oft unerkannt

Vor allem bei häufig wiederkehrenden Symptomen und erblicher Vorbelastung sollte man bei Kindern auch an Asthma denken. Asthma ist inzwischen die häufigste chronische Erkrankung bei Zwei- bis Sechsjährigen; zehn Prozent der Schulkinder leiden daran. Eine Lungenfunktionsprüfung (ab dem sechsten Lebensjahr möglich) sowie eine Allergie-Austestung sollten durchgeführt werden.
APA


Lithium im Wasser senkt Suizidrate

Ist Lithium im Trinkwasser nachweisbar, sinkt auch die Suizidrate. Es handelt sich dabei um Pharmaka-Rückstände, die in Kläranlagen nicht herausgefiltert werden. Das konnte eine Studie der Universitätsklinik für Psychoanalyse und Psychotherapie Wien zeigen. Ob eine gezielte, präventive Beigabe von Lithium sinnvoll ist, sollen weitere Studien zeigen.
Medizinische Universität Wien


Neues Peptid gegen Diabetes

Das neu entwickelte Peptid, das eine Kombination von zwei Inkretinen – GLP-1 und GIP – darstellt, hat eine verstärkte Insulinausschüttung zur Folge. Nach Tierversuchen wurden in einer Studie 53 Personen mit Typ 2-Diabetes damit behandelt. Entwickelt wurde das Peptid von Münchner Forschern in Zusammenarbeit mit der Indiana University in Bloomington (USA).
APA/Science Translational Medicine


Zecken „schwimmen“ in die Haut

Zecken ritzen zuerst mit ihren Kieferklauen die Haut an, bevor sie ihren Unterkiefer mit den Widerhaken in Mensch und Tier bohren, um ihn dort zu verankern. Diesen mehrere Minuten dauernden Vorgang haben Forscher der Berliner Charité und der Harvard Universität anhand von Mikroskopaufnahmen untersucht. Dabei wurden die Zecken auf die Ohren von betäubten, haarlosen Mäusen gesetzt.
APA/Proceedings B


Frühere Pubertät bei übergewichtigen Kindern

Ein erhöhter BMI hat laut Frank Biro vom Kinderkrankenhaus in Cincinnati (Ohio) das „stärkste Anzeichen“ für ein frühes Brustwachstum geliefert. Der Forscher und sein Team untersuchten im Rahmen einer Brustkrebsstudie 1.239 Mädchen zwischen sechs und acht Jahren über Jahre hinweg regelmäßig. Dabei fiel den Forschern auf, dass das Brustwachstum bei weißen Mädchen heute durchschnittlich im Alter von 9,7 Jahren einsetzt, vier Monate früher als noch im Jahr 1997 beschrieben wurde. Bei afroamerikanischen Mädchen begann das Brustwachstum sogar noch früher. Die Wissenschafter folgern daraus, dass bei übergewichtigen Kindern die Pubertät früher einsetzt als bei normalgewichtigen. Die frühzeitige Geschlechtsreife kann bedeutende psychosoziale und biologische Folgen wie etwa ein höheres Risiko für ein Ovarialkarzinom oder Hypertonie haben. Die Ursachen für die frühzeitige Geschlechtsreife sind vielfältig und noch nicht zur Gänze erforscht; auch zahlreiche, früher unbekannte Umweltfaktoren spielen hier eine Rolle.
APA/Pediatrics


Influenza: Tiefststand bei Impfungen


Immer weniger Österreicher lassen sich gegen Influenza immunisieren: Mit nur 621.000 ausgelieferten Vakzine-Dosen wurde in der Saison 2012/2013 ein absoluter Tiefststand erreicht. Mit weniger als zehn Prozent hat Österreich damit auch eine der weltweit niedrigsten Immunisierungsraten, wie Univ. Prof. Ursula Kunze vom Institut für Sozialmedizin der Medizinischen Universität Wien im Zuge ihrer Studie herausfand. Selbst bei der Risikogruppe Senioren ist die Durchimpfung mit 37 Prozent immer noch denkbar schlecht. Dementsprechend sind auch jährlich rund 350.000 bis 400.000 Influenza-Erkrankungen im Rahmen saisonaler Epidemien zu verzeichnen; die Schätzungen sind aufgrund des schlechten Beobachtungssystems aber ungenau. Jährlich sterben etwa 1.000 bis 1.200 Menschen an Influenza. Für die Studie wurden die ausgelieferten Dosen an Influenza-Impfstoff analysiert und auf die Bevölkerung hochgerechnet: Bis zum Jahr 2006 stieg der Verbrauch, seitdem sinkt er ständig. Gründe dafür sind u.a. die Verwechslung mit dem grippalen Infekt, mangelnde Erstattung der Kosten und fehlende Propagierung durch Angehörige des Gesundheitswesens.
APA/Vaccine


Schizophrenie künftig verhinderbar?


Nicht erst im frühen Erwachsenenalter mit dem Auftreten der vollen Symptomatik der Schizophrenie sondern bereits die ersten, ganz frühen Anzeichen nach der Pubertät wollen Forscher künftig erkennen. Wissenschafter um den US-amerikanischen Psychiater Jeffrey Lieberman von der Columbia University in New York konnten in der bildgebenden Magnetresonanz-Untersuchung typische Veränderungen feststellen. So kommt es bei Ausbruch der Symptome zu einem erhöhten Blutfluss und somit zu einer erhöhten Stoffwechselaktivität in der CA1-Region des Hippocampus im Gehirn. Reihenuntersuchungen hätten ergeben, dass sich diese Veränderungen durch eine Therapie mit konventionellen Antipsychotika bei den ersten Anzeichen rückgängig machen lassen – später allerdings nicht mehr.
APA



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 22 / 25.11.2013