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ArchivÖÄZ 2013ÖÄZ 3 - 10.02.2013

neu & aktuell: Politische Kurzmeldungen (10.02.2013)


Kuba: Cholera in Havanna

In der kubanischen Hauptstadt Havanna gibt es 51 bestätigte Fälle von Cholera. Der Ausbruch war Anfang Jänner 2013 bemerkt worden; Gerüchte hatte es schon zuvor gegeben. Die Krankheitsübertragung ist laut Angaben der Behörden aber nahezu beendet. Als Auslöser gilt eine Infektion bei einem Lebensmittelverkäufer. Erst vor einem halben Jahr wurde auf Kuba neuerlich das Auftreten der Cholera registriert.


EU: keine BSE-Tests mehr

Zehn Jahre nach dem BSE-Skandal will die EU die strengen Sicherheits-Vorkehrungen lockern. Ab März 2013 soll es mit Ausnahme von Rumänien und Bulgarien keine flächendeckenden BSE-Tests mehr geben. Die EU erspart sich so jährlich 36 Millionen Euro; Österreich 1,5 Millionen Euro. Ab Mai darf wieder Tiermehl an Fische verfüttert werden, nicht aber an Rinder, Schafe, Schweine oder Hühner.


Pakistan: 100 Masern-Tote

In Pakistan sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit Jahresbeginn mehr als 100 Kinder an den Folgen von Masern gestorben – etwa an Pneumonien, Enzephalitis oder Diarrhoen. Im Vorjahr sind insgesamt mehr als 300 Kinder verstorben. Der enorme Anstieg wird auf verheerende Überschwemmungen, von denen Teile des Landes betroffen sind, zurückgeführt.


Israel: Gesetz verbietet Magermodels

Als einziges Land weltweit verbietet Israel seit 1. Jänner 2013 Magermodels per Gesetz die Arbeit. Weisen sie nicht alle drei Monate mittels ärztlichen Attests einen BMI von 18,5 nach, dürfen ihre Fotos nicht kommerziell verwendet werden. Auch der Mode-Industrie drohen Geldstrafen, werden zu dünne Models beschäftigt. Außerdem muss auf retuschierte Fotos hingewiesen werden.


LKH Graz West: neuer Vorschlag

War ursprünglich geplant, dass die Barmherzigen Brüder das LKH Graz West übernehmen sollten, gibt es nun einen Alternativvorschlag gegen die geplante Privatisierung. Der von Thomas Joszeffi, Aufsichtsrat der Steiermärkischen Krankenanstalten-Gesellschaft KAGES, gemeinsam mit Ärzten der Universitätsklinik Graz und des LKH West ausgearbeitete Plan sieht vor, dass die Uniklinik und das LKH West künftig wie „kommunizierende Gefäße“ zusammenarbeiten sollen. Durch eine genaue - eventuell auch vertraglich vereinbarte - Arbeitsaufteilung sollen alte Ressentiments ausgeräumt und die Kooperation zwischen Uniklinik und LKH West sowie in weiterer Folge mit dem Krankenhaus der Elisabethinen sowie der Barmherzigen Brüder neu aufgesetzt werden. Da die Pläne aber noch im Frühstadium sind, könne das mögliche Einsparungspotential noch nicht berechnet werden. Von Landesrätin Kristina Edlinger-Ploder (V) gibt es dazu bis dato keine Stellungnahme; zu laufenden Verhandlungen wolle man sich nicht äußern, heißt es dazu auf Anfrage der ÖÄZ aus ihrem Büro.


SVA: 39 Prozent mehr Vorsorgeuntersuchungen

Durch das Projekt „Selbständig gesund“, das mit 1. Jänner 2013 in den Regelbetrieb übernommen wurde, sind die Vorsorgeuntersuchungen bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) im Vergleich zu 2012 um 39,4 Prozent gestiegen. Bei den 35.417 Vorsorgeuntersuchungen im ersten Halbjahr 2012 haben 16.013 Versicherte (45,2 Prozent) ihre Gesundheitsziele erreicht, was die Halbierung des Selbstbehalts zur Folge hatte. In Wien war die Erfolgsquote mit 64 Prozent am höchsten. Insgesamt wurden im Vorjahr 61.529 Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt. Der größte Anstieg konnte in Niederösterreich mit mehr als 77 Prozent erreicht werden, der niedrigste in Tirol (17,6 Prozent). Für die Reduzierung des Selbstbehalts hat die SVA für 2013 fünf Millionen Euro bereitgestellt. Ziel sei es, durch die Prävention innerhalb von drei Jahren die Krankheitstage um 30 Prozent zu reduzieren, so SVA-Obmann Christoph Leitl.


Wiener Spitäler: Arbeitszeiten werden überschritten


Das Kontrollamt der Stadt Wien hat in einer Stichprobe von 299 Ärzten in Wiener Spitälern 283 Arbeitszeit-Überschreitungen und 900 Ruhezeit-Unterschreitungen festgestellt. In zwei Drittel der Fälle waren Turnusärzte betroffen. Die Kritik, dass in Wiener Spitälern vor allem Turnusärzte die Arbeitszeiten überschreiten, lasse sich 1:1 auf Krankenhäuser in ganz Österreich übertragen, wie der stellvertretende Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte in der ÖÄK, Karlheinz Kornhäusl, erklärte. Der Arbeitsdruck, der auf Turnusärztinnen und Turnusärzte laste, sei in ganz Österreich unterträglich hoch, wie zuletzt die Turnusärzte-Evaluierung belegt habe. Der Kurienobmann der angestellten Ärzte in der ÖÄK, Harald Mayer, fügte hinzu: „Wir trommeln seit Jahren, dass die Arbeitsumstände extrem belastend sind. Wir zeigen auch Alternativen und Lösungswege auf. Nur: Es hört uns offenbar niemand zu.“ Auch Univ. Prof. Thomas Szekeres, Präsident der Wiener Ärztekammer, sieht dringenden Handlungsbedarf: „Jetzt geht es darum, die Notbremse zu ziehen und Änderungen herbeizuführen, um mögliche negative Konsequenzen abzuwenden.“


Grippewelle in Österreich: seit 22.1.2013

Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger informiert in Abstimmung mit dem Virologischen Institut der Medizinischen Universität Wien, dass die Grippewelle mit 22. Jänner 2013 Österreich erfasst hat. Somit können bei einer Influenza die antiviralen Substanzen wie Tamiflu® 75 mg Hartkapseln, Tamiflu® 6 mg/ml Pulver zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen sowie Relenza® Pulver Einzeldosis 4x5 ohne chefärztliche Bewilligung verordnet werden.


FSME-Impfstoff Encepur® derzeit nicht verfügbar

Wegen eines produktionsbedingten Ausfalls – die Ausbeute bei der Antigen-Gewinnung war zu gering – wird der FSME-Impfstoff Encepur® von Novartis erst in der zweiten Jahreshälfte 2013 verfügbar sein. Davon sind sowohl die Encepur®-Impfstoffe für Kinder als auch für Erwachsene betroffen. Als Alternativpräparate steht FSME-Immun® von Baxter zur Verfügung. Das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen empfiehlt in Abstimmung mit der Österreichischen Apothekerkammer, primär die jährliche Impfkampagne auf März 2013 zu verschieben. Weitere Informationen gibt es unter www.aerztezeitung.at/Service für Ärzte


Konsumentenschützer warnen vor Online-Praxis „DrEd“

Schon im April 2012 hat die Londoner Online-Arztpraxis „DrEd“ heftige Kritik hervorgerufen. Nun fiel auch ein Test des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) mit zwei „Patienten“ negativ aus: „In beiden Fällen erhielten unsere Testpersonen im Arztbrief fehlerhafte Informationen. Die vorgeschlagene Behandlung entspricht nicht den derzeit gültigen Empfehlungen beziehungsweise ist unnötig.“ So wurde etwa einem Kunden zu einer unnötigen Malariaprophylaxe geraten. Bei einer anderen Testperson, die angab „Sexarbeiterin“ zu sein und an Gonorrhoe zu leiden, wich die verschriebene Therapie mit zwei Antibiotika von den Empfehlungen in Österreich ab. Ebenso erfolgt keine Meldung der Erkrankung an die zuständigen Behörden. Fazit der Konsumentenschützer: „Wir können keinesfalls zu einem Besuch der Online-Ordination raten. Eine virtuelle Arztpraxis kann die persönliche Begegnung von Arzt und Patient nicht ersetzen.“


Angehörigen-Pflege beeinflusst Leistungsfähigkeit

Die Pflege von Angehörigen beeinflusst Berufstätige in ihrer Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz, wie eine Studie des Forschungsinstituts für Altersökonomie an der Wirtschaftsuniversität Wien ergab. Dafür wurden rund 900 Berufstätige in Wien mit und ohne Betreuungspflicht für Angehörige befragt. Während sich eine zu große psychische und nervliche Belastung negativ auf die Leistungsfähigkeit auswirkt, kann moderate Pflege die Produktivität sogar erhöhen. Die Ursache sehen die Forscher darin, dass informelle Pflege organisatorische Fähigkeiten und Selbstmanagement erhöht und so positiv auf die Produktivität wirkt. Für die Studienautoren ist das ein Beweis dafür, wie wichtig die Unterstützung von pflegenden Angehörigen ist. Sie verspreche eine „doppelte Dividende“: Wird Überlastung vermieden, verbessern sich familiäre Pflegearrangements und auch die Produktivität der betroffenen Arbeitnehmer.


Psychiatrische Rehabilitation nützt

Wird mit der medizinische-psychiatrischen Rehabilitation bei psychischen Erkrankungen früh begonnen - bestenfalls wenn die Patienten noch im Arbeitsleben stehen - ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis positiv. Das ergab eine Studie des gemeinnützigen Rehabilitationsanbieters pro mente. Dabei wurde die Kosten-Nutzen-Bilanz der 2002 gegründeten Einrichtung Sonnenpark Bad Hall analysiert. Ergebnis: Nach einem Jahr bringt jeder investiert Euro zwischen 0,82 und 1,32 Euro. Durchschnittlich amortisieren sich die Reha-Kosten nach spätestens neun Monaten; bei denjenigen, die noch im Berufsleben stehen, schon nach fünf Monaten. „Die Angebote müssen so früh wie möglich einsetzen“, erklärt Sozialminister Rudolf Hundstorfer (S). Das sei oft der Haken, weil vor allem im ländlichen Raum die flächendeckende Versorgung nicht gegeben ist. Psychische Erkrankungen betreffen fast jeden dritten Österreicher einmal im Lauf seines Lebens und machen fast ein Drittel der Invaliditätspensionierungen aus.


Oberösterreich: kürzere Wartezeit für Augenarzt-Termine

Durch ein Maßnahmenpaket der Oberösterreichischen Ärztekammer und der Gebietskrankenkasse sollen Patienten in Oberösterreich künftig nicht mehr ein halbes Jahr oder länger auf einen Termin beim Augenarzt warten müssen. Einen Termin für eine Routinekontrolle soll man innerhalb von drei Monaten bekommen; in medizinisch dringenden Fällen soll man rascher und als Akut-Patient noch am selben Tag behandelt werden. Auch Folgetermine sollen gleich in der Ordination vereinbart werden. Dafür sollen die Stellen für Fachärzte für Augenheilkunde und Optometrie von derzeit 55,5 um vier weitere aufgestockt werden, indem bestehende Ordinationen zu Gruppenpraxen ausgebaut werden. Weitere Maßnahmen: bessere Schulungen für Mitarbeiter und Anreize für längere Öffnungszeiten.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 3 / 10.02.2013