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ArchivÖÄZ 2013ÖÄZ 5 - 10.03.2013

neu & aktuell: Medizinische Kurzmeldungen (10.03.2013)


Teamwork lässt Salmonellen überleben


Salmonellen können sich bei der Besiedelung des Darms am besten durchsetzen, wenn verschiedene Varianten zusammenarbeiten. Ein Teil der Population opfert sich auf und verliert die Fähigkeit, in die Darmschleimhaut einzudringen, um für die Salmonellen, welche die Diarrhoe auslösen, die Bedingungen zu verbessern. Das zeigt eine Studie an Mäusen an der ETH Zürich.
APA/Nature


Autoimmunität: Neuer B-Zell-Defekt

Einen bisher unbekannten B-Zell-Defekt, der für eine schwere Autoimmunität verantwortlich ist, haben Forscher der Medizinischen Universität Wien in Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftern mittels „Next Generation Sequencing“ innerhalb weniger Tage identifiziert. Der primäre Immundefekt im PRKCD-Gen verursacht eine Störung in der Regulation der B-Lymphozyten.
APA/Blood


Oktansäure gegen Tremor

Die Alkohol-ähnliche Oktansäure könnte als neues Medikament gegen essentiellen Tremor eingesetzt werden. So wurde im Rahmen einer Studie an 19 Probanden drei Stunden nach der Einnahme eine beruhigende Wirkung festgestellt; in einigen Mess-Parametern zeigte die Oktansäure im Vergleich zu Placebo eine Überlegenheit. Für eine Zulassung ist eine wesentlich größere Studie notwendig.
APA/Neurology


Rauchausstieg im Alter wirkt

Selbst ein Rauchausstieg im fortgeschrittenen Alter reduziert das Risiko für einen Insult und einen Myokardinfarkt innerhalb von fünf Jahren um mehr als 40 Prozent. Ehemalige Raucher sind fast genauso selten von einem Ereignis betroffen wie gleichaltrige Nichtraucher. Das ergab eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums an 8.807 Personen im Alter von 50 bis 74 Jahren.
APA


Frauen: Lungenkarzinom häufigste Todesursache

Ab 2015 wird in Europa das Lungenkarzinom die häufigste Todesursache bei Frauen sein und damit auch die Zahl der durch ein Mammakarzinom bedingten Todesfälle übersteigen. Während die Krebs-Mortalität insgesamt abnimmt, steigt in allen europäischen Staaten die Todesrate aufgrund von Lungenkrebs an. Das zeigt eine epidemiologische Studie von italienischen und Schweizer Wissenschaftern. Bei Frauen werden 14 Prozent aller Karzinom-bedingten Todesfälle durch Lungenkrebs verursacht. Im Vergleich zu 2009 bedeutet
das eine Steigerung um sieben Prozent. Das liegt vor allem an der oft zu
spät gestellten Diagnosen; hier soll in Zukunft eine verbesserte Früherkennung helfen. In Großbritannen liegt bereits jetzt die Sterblichkeit, die durch ein Lungenkarzinom verursacht ist, an der Spitze.
APA/Annals of Oncology


Exzessiver TV-Konsum macht Kinder unsozial

Kinder mit hohem Fernsehkonsum haben als Erwachsene eine weitaus höhere Gefahr, unsozial und kriminell zu werden. „Die Wahrscheinlichkeit, bis zum jungen Erwachsenenalter verurteilt zu werden, steigt mit jeder Stunde, die ein Kind an einem normalen Wochenabend vor dem Fernseher verbringt, um 30 Prozent“, so die Autoren der Langzeitstudie aus Neuseeland. Die Wissenschafter der Universität Otago beobachteten 1.000 Kinder der Jahrgänge 1972 und 1973 ab dem fünften Lebensjahr zehn Jahre lang bei ihren Fernsehgewohnheiten. Dann verglichen sie die Werdegänge ab dem 26. Lebensjahr. Fernseh-Inhalte, elterliche Aufsicht, sozialer Status oder Intelligenz erwiesen sich als weniger relevant als die Dauer des Konsums. Die daraus resultierende Vereinsamung des Kindes ist dabei besonders prägend und führt auch in der Folge zu unsozialem Verhalten. Da die Daten aus der Zeit stammen, in der Computer in Kinderzimmern noch nicht üblich waren, sind die Auswirkungen der vielen Gewaltspiele laut Studienautor Bob Hancox wohl „noch schlimmer“ als Fernsehen.
APA/Pediatrics


Babys erkennen Sprachunterschiede im Bauch


Obwohl das Gehirn drei Monate vor der Geburt noch nicht ausgereift ist, können Babys im Bauch der Mutter bereits feine Sprachunterschiede wie Silben oder männliche und weibliche Stimmen unterscheiden. Das rechte Frontalhirn der Babys reagiert auf diese feinen Unterschiede - etwa zwischen „Ba“ und „Ga“ - , das linke dagegen nur auf Lautverschiebungen, was die Wissenschafter mit der langsameren Entwicklung der linken Seite erklären. Die Forscher der Université de Picardie Jules Verne in Amiens (Frankreich) untersuchten für ihre Studie zwölf Frühchen, die zwischen der 28. und 32. Schwangerschaftswoche auf die Welt gekommen waren. Zu diesem Zeitpunkt sind die Neuronen noch nicht an ihrem endgültigen Bestimmungsort im Gehirn angekommen und auch deren „Verdrahtung“ nocht nicht abgeschlossen. Mit speziellen Messgeräten maßen sie die Gehirnaktivität der schlafenden Babys und ihre Reaktion auf verschiedene Laute und Stimmen.
APA/Proceedings


Verhaltenstherapie gegen Binge Eating

Kognitive Verhaltenstherapie kann Patienten mit Binge Eating-Störung helfen, wie eine Studie eines Forscherteams um Simone Munsch an der Universität Freiburg ergab. 80 Übergewichtige und Adipöse mussten 16 Wochen lang entweder eine Verhaltenstherapie oder ein Programm zur Gewichtsreduktion besuchen. Noch sechs Jahre nach der Therapie wiesen nur vier Prozent der Patienten weiterhin die für Binge Eating typischen unkontrollierbaren Essanfälle auf; auch psychische Begleiterscheinungen wie Depressionen oder Ängstlichkeit gingen deutlich zurück. Die Betroffenen nahmen nicht weiter zu und konnten ihren Körperfettanteil sogar leicht senken. Betroffene sollten sich deshalb so bald wie möglich behandeln lassen, so das Fazit der Studienautoren.
APA/Behaviour Research and Therapy


Insulin-Rhythmus beeinflusst Gewicht


Das konnten Forscher der Universität Nashville im Tierversuch nachweisen: Nachtaktive Mäuse sind während ihrer Ruhephase am Tag besonders Insulin-resistent, der Blutzuckerspiegel steigt. In der aktiven Nachtphase steigt die Insulinwirkung wieder an. Genetisch manipulierte Mäuse, deren innere Uhr gestört ist, Phase der Insulin-Resistenz. Ist die innere Uhr etwa durch ständige Beleuchtung gestört, geht ebenfalls der biologische Rhythmus verloren.
APA/Current Biology



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 5 / 10.03.2013