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ArchivÖÄZ 2013ÖÄZ 6 - 25.03.2013

neu & aktuell: Politische Kurzmeldungen (25.03.2013)


Psychopharmaka: Einfluss auch auf Fische

Psychopharmaka, die als Rückstände in Ausscheidungen ins Abwasser gelangen, verändern das Verhalten von Fischen. Flussbarsche etwa werden durch Rückstände von Diazepam mutiger, wagen sich aus Verstecken und entfernen sich von ihren Artgenossen. Das könnte das Gleichgewicht im Ökosystem stören, so die Forscher um Tomas Brodin von der Umea Universität in Schweden.


Ikea: E. coli in Mandeltorte?

Nachdem in den Fleischbällchen „Köttbullar“ der schwedischen Möbelfirma Ikea Pferdefleisch gefunden wurde, meldet China eine überhöhte Konzentration von E. Coli in der vom gleichen Konzern stammenden Mandeltorte „Taarta Chokladkrokant“. Bereits im November wurden 1.800 Torten vom chinesischen Zoll aus dem Verkehr gezogen. In Österreich waren keine betroffenen Chargen vorrätig, erklärte eine Sprecherin des Konzerns.


Libyen: Tote durch gepanschten Alkohol

In Libyen sind mehr als 50 Menschen nach dem Konsum von mit Methanol gepanschtem Schnaps gestorben; weitere 378 Personen erlitten Vergiftungen. Das Gesundheits-ministerium rief die Bevölkerung auf, vorerst keinen Alkohol zu konsumieren. Der Verkauf und Konsum von Alkohol ist in Libyen verboten; allerdings blüht der Handel mit Schmuggelwaren auf dem Schwarzmarkt.


England: Alkoholkonsum wird verschwiegen


In England wird laut einer Studie des University College in London doppelt so viel Alkohol getrunken, wie die Menschen bei Befragungen angeben. „Momentan wissen wir nicht, wer fast die Hälfte des in England verkauften Alkohols konsumiert“, erklärte Studienautorin Sadie Boniface. Mit einem Mindestpreis für Bier und strengeren Regeln zur Vergabe von Lizenzen soll der Konsum gesenkt werden.


ÖÄK: Turnusärzte sind keine Systemerhalter

Über die Aussage von Gespag-Vorstandsmitglied Harald Geck in einem Beitrag in der Sendung „Report“, wonach Turnusärzte zwar „gleich wertvoll“, aber billiger als diplomiertes Pflegepersonal seien, gab es empörte Reaktionen in der Österreichischen Ärztekammer. „Es sind Aussagen wie diese, die junge Kolleginnen und Kollegen davon abhalten, ihren Turnus in Österreich zu machen. Geck degradiert Turnusärzte zu billigen Systemerhaltern“, kritisierte Karlheinz Kornhäusl, stellvertretender Obmann der Bundeskurie Angestellte
Ärzte und Obmann der Sektion Turnusärzte in der ÖÄK. Und weiter: „Es wird suggeriert, dass Turnusärzte billiges, akademisch ausgebildetes Pflegepersonal sind, und dagegen verwehren wir uns.“ So sei es nicht verwunderlich, dass Turnusstellen immer öfter unbesetzt blieben, wie Harald Mayer, Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte, hinzufügte: „Wenn hierzulande nicht bald ein Umdenken stattfindet, wird es ein böses Erwachen geben.“ Nur durch attraktive Arbeits- und Ausbildungsbedingungen, eine Aufwertung des Turnus und die Umsetzung der Lehrpraxis könne man dem drohenden Ärztemangel vorbeugen.


Oberösterreich: Streik in Ordensspitälern


Rund um die Gehaltsverhandlungen für die Beschäftigten in den oberösterreichischen Ordensspitälern haben sich die Fronten weiter verhärtet. Nach Protesten hatte das Land der Gewerkschaft vida zwar ein neues Angebot gemacht; dieses haben die Personalvertreter nicht angenommen. Kernpunkt ist das sogenannte Vierzigstel, mit dem die Arbeitszeiten in den Ordensspitälern an jene der gespag-Häuser angeglichen werden sollen; eine vollständige Gleichstellung sei aber laut Landeshauptmann Josef Pühringer (V) nicht möglich. Die Gewerkschaft, die eine Teuerungsabgeltung oder eine unbefristete Reduktion der Arbeitszeit auf 39 Wochenstunden fordert, rief daraufhin zum Streik auf, an dem alle acht Ordensspitäler teilnahmen. Wird die laut Gewerkschaft „bescheidene Forderung“ nicht erfüllt, sind weitere Streiks nicht ausgeschlossen.


New York: Gericht stoppt Verbot von XXL-Softdrinks

Der Oberste Gerichtshof des US-amerikanischen Bundesstaats New York hat das geplante Verbot von Supersize-Getränken kurz vor dem Starttermin gestoppt. Das Gesetz sei „überfrachtet mit willkürlichen und unberechenbaren Konsequenzen“, wie der Richter befand. Außerdem sei die New Yorker Gesundheitsbehörde nicht berechtigt, eine solche Regelung einzuführen. Weiters sei die Einschränkung auf bestimmte Verkaufsorte und bestimmte Getränke nicht gerecht. Bürgermeister Michael Bloomberg will so bald wie möglich Einspruch gegen den Entscheid einlegen: „Wir sind zuversichtlich, dass die Regelung schlussendlich in Kraft treten wird.“ Bloombergs Prestige-Projekt sieht vor, dass gesüßte Getränke unter anderem in Kinos, Stadien und Fast-Food-Restaurants nicht mehr in XXL-Bechern (mehr als 473 ml) verkauft werden dürfen. Getränkehersteller und Händler-Verbände waren schon seit Monaten Sturm gegen diese neue Regelung gelaufen und hatten dagegen geklagt.


Weichmacher in Bio-Lebensmitteln

Große Mengen an Bisphenol A (BPA), einem Weichmacher für Kunststoffe, haben US-amerikanische Wissenschafter in Bio-Lebensmitteln festgestellt. In einer Studie mit zehn Familien wollten sie testen, ob Ernährung mit Bioprodukten die Belastung mit Bisphenol A verringern kann. Dabei ernährten sich fünf Familien normal und erhielten Tipps, um Bisphenol A zu vermeiden; die anderen fünf Familien konsumierten eigens gelieferte Bio-Lebensmittel. Das Ergebnis war „extrem überraschend“, so Erst-Autorin Sheela Sathyanarayana von der University of Washington: Während die BPA-Werte der Familien, die weiter normale Nahrung zu sich genommen hatten, gleich blieben, stiegen sie bei jenen, die Bioprodukte aßen, um mehr als das 30-Fache. In weiteren Analysen wurden in Milchprodukten bis zu 673 Nanogramm, in Bio-Pfeffer 700 Nanogramm und in gemahlenem Koriander sogar 21.400 Nanogramm Bisphenol A pro Gramm festgestellt. Die Forscher betonten, dass bessere und strengere Kontrollen nötig seien. Weil Weichmacher nicht deklariert werden müssen, ist es für den Konsumenten selbst kaum möglich, belastete Produkte zu vermeiden.


Gesundheitsreform: Begutachtungsfrist zu Ende


Im Zuge des Anfang März zu Ende gegangenen Begutachtungsverfahren zur Gesundheits-reform warnt die Österreichische Ärztekammer vor Leistungskürzungen. Das wesentlichste Ziel der Reform sei ein Finanzziel. Erklären müssten aber die Ärzte den Patienten „wenn im konkreten Fall Leistungen einfach nicht mehr zur Verfügung stehen werden“, kritisierte die ÖÄK. Sie fordert außerdem, dass die fachliche Expertise der Leistungserbringer und die Bedürfnisse der Patienten in die Zielsteuerungskommissionen eingebunden werden. Nach Ansicht der Ärztekammer könne es sich „eine der reichsten Volkswirtschaften leisten, eine bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung zur Verfügung zu stellen und damit auch die aufgrund der Demographie steigende Nachfrage sowie den medizinischen Fortschritt abzudecken.“ Kritik an der Gesundheitsreform kommt auch von der Arbeiterkammer. In ihrer Stellungnahme zeigte sie sich „äußerst skeptisch“ über die Bindung der Gesundheits-ausgaben an das BIP. Die Finanzziele seien „nicht nur ungewiss, sondern wohl kaum realistisch“; werden sie nicht erreicht, könnten Patienten Leistungskürzungen oder Kostenbeteiligungen drohen. Die Gesundheitsreform soll Ende April im Nationalrat beschlossen werden; die Umsetzung soll mit 1. Jänner 2014 starten.


Generikaverband: Leiter wiederbestellt

Der bisherige Präsident des Österreichischen Generikaverbandes (OEGV), Bernd Leiter, wurde kürzlich einstimmig in seinem Amt bestätigt. Vize-Präsidenten für die dreijährige Funktionsperiode sind Ilse Bartenstein (G.L. Pharma), Friedrich Sernetz (Sandoz/Hexal) und Martin Spatz (TEVA/ratiopharm). Weiters wurden Wolfgang Andiel (Sandoz/Hexal) und Gerhard Klinger (Genericon) in den Vorstand gewählt.


Gesundheitsreform: ÖVP Wien gegen 15a-Vereinbarung

Anfang März wurde im Gesundheitsausschuss des Wiener Gemeinderates zwar die 15a-Vereinbarung mit rot-grüner Mehrheit beschlossen; die ÖVP stimmte dagegen. Man wolle vor Beschlüssen der mit der Reform einzusetzenden Zielsteuerungskommission informiert und eingebunden werden, so die Gesundheitssprecherin der Wiener ÖVP, Ingrid Korosec. Sie sei zwar eine „große Verfechterin einer Gesundheitsreform“, könne aber keinen „Freibrief“ unterschreiben. Korosec kritisierte, dass das Wiener Gesundheitsfonds-gesetz, das die 15a-Vereinbarung rechtlich umsetzen soll, noch nicht vorliege. Aus dem Büro von Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (S) hieß es dazu: „Ohne Änderung der 15a-Vereinbarung kann man das Wiener Gesundheitsfondsgesetz nicht adaptieren.“ Auf Bundesebene haben die beiden 15a-Vereinbarungen den Ministerrat passiert; sie müssen noch von den Ländern ratifiziert werden.


EU: Mehrkosten durch Kohlekraftwerke

Durch Kohlekraftwerke entstehen in der EU Gesundheitsschäden, die jährlich Kosten zwischen 15,5 und 42,8 Milliarden Euro verursachen. Die Höhe der Kosten durch vorzeitige Todesfälle, ausgefallene Arbeitszeit und medizinische Behandlung hängt dabei von den Umrechnungs-Faktoren ab, heißt es in dem vom Umwelt- und Gesundheitsverband HEAL (Health and Environment Alliance) erstellten Bericht. So führen Emissionen zu mehr als 18.000 vorzeitigen Todesfällen und rund 8.500 neuen Fällen von chronischer Bronchitis. Außerdem gehen jährlich vier Millionen Arbeitstage verloren. Bei der Verstromung und Erzeugung von Kohle zu Heizwärme werden giftige Substanzen wie zum Beispiel Dioxine und Quecksilber frei, was Asthma, Herzinfarkte und Frühgeburten verursachen kann. Mehr als die Hälfte der Emissionen werden durch Kraftwerke in Polen, Rumänien und Deutschland verursacht.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 6 / 25.03.2013