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ArchivÖÄZ 2013ÖÄZ 7 - 10.04.2013

Ebola


Horrorszenarien bleiben Science Fiction

Filoviren wie das Ebola- und das Marburg-Virus gehören zu den tödlichsten humanpathogenen Viren - allerdings gibt es keinerlei Therapie oder Prophylaxe. Experten geben Entwarnung: Ein großflächiger Ausbruch oder ein Export des Virus in unsere Breiten ist unwahrscheinlich.


Filoviren verursachen immer wieder kleinere Ausbrüche in verschiedenen Regionen Afrikas. Ein Ebola-Ausbruch im Juli 2012 führte in Uganda zu 17 Todesfällen. Fast 20 Menschen starben im Nachbarland Kongo. In der Regel sind die Viren aber relativ rasch in den Griff zu bekommen. In Uganda gilt der Ausbruch bereits offiziell als beendet. Die Gesundheitsbehörden dürfen Entwarnung geben, wenn 42 Tage nachdem der letzte Patient entlassen wurde, kein weiterer Fall mehr aufgetreten ist. Das ist die doppelte maximale Inkubationszeit.

„Die ersten humanen Infektionen durch Filoviren wurden nicht in Afrika sondern im Jahr 1967 in Marburg identifiziert“, erklärt Univ. Prof. Franz X. Heinz, Vorstand des Department für Virologie an der Medizinischen Universität Wien. Damals wurden Affen zur Herstellung des Polio-Impfstoffes importiert und die Tiere waren offenbar mit dem damals noch unbekannten Virus infiziert. 32 Personen, die im Labor mit den infizierten Tieren zu tun hatten, sind kurz darauf erkrankt und sieben davon verstorben. Das Filovirus wurde damals isoliert und nach dem Ort seines erstmaligen Auftretens als Marburg-Virus bezeichnet. 1976 wurde ein verwandtes Virus im Norden des ehemaligen Zaire identifiziert. Das Virus breitete sich damals zunächst an den Ufern des Ebola-Flusses aus und wurde dann nach diesem Fluss benannt.

Die Krankheit hat seither aufgrund der hohen Letalität und der fehlenden Therapie weltweit große Angst verbreitet. Häufig war das Virus bereits Gegenstand für Katastrophenfilme oder potentielle bioterroristische Horrorszenarien. Größere Ausbrüche sind jedoch bisher ausgeblieben. Insgesamt wurden seit der Entdeckung des Virus circa 2.300 klinische Fälle von Filovirus-Infektionen beschrieben, von denen mehr als die Hälfte zum Tod führten.

1989 konnte in der Stadt Reston (USA) bei mehreren Personen auch eine apathogene Variante des Virus nachgewiesen werden. Die betroffenen Personen hatten Kontakt mit von den Philippinen importierten Affen und erkrankten nicht an dem Virus. „Dass das Reston-Virus auf den Philippinen auch in Schweinen nachgewiesen wurde, hat trotz seiner fehlenden Pathogenität beim Menschen für einige Beunruhigung gesorgt“, schildert Heinz.

Systemische Reaktion


Nach einer Inkubationszeit von durchschnittlich einer Woche beginnt die Krankheit plötzlich mit hohem Fieber sowie Kopf- und Gliederschmerzen. In weiterer Folge zeigt sich eine systemische inflammatorische Reaktion, die das Gefäß- und Gerinnungssystem beeinträchtigt, in vielen Fällen Blutungen in Nase, Mund und Gastrointestinaltrakt hervorruft und schließlich zu Multiorganversagen und Tod führt. Das Virus kann nur im Zuge einer Laboruntersuchung in Blut, Urin oder Speichel zweifelsfrei nachgewiesen werden. Da die Virulenz des Erregers extrem hoch ist, sind Behandlungsversuche meist erfolglos. Die Letalitätsrate beträgt etwa 50 bis 90 Prozent. „Es gibt keine spezifische Therapie. Man kann nur symptomatisch behandeln“, so Heinz. Die Patienten erhalten orale sowie intravenöse Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr, während das Immunsystem den Kampf gegen das Virus aufnimmt. Soweit es im akuten Fall möglich ist, sollte eine Schocksituation verhindert und die Aufrechterhaltung der Nierenfunktion erfolgen. Gibt es Verwandte, die als Blutspender in Frage kommen, kann man die Patienten mit Bluttransfusionen behandeln. Im Vordergrund steht jedoch die Reduktion der Virusübertragung. „Das Virus wird zwar leicht übertragen, aber diese Übertragung kann auch sehr leicht verhindert werden“, erklärt der Experte.

Übertragung durch Sekrete

Ausgangspunkt für Filovirus-Infektionen des Menschen sind direkte Kontakte mit infizierten Tieren. „Es handelt sich zunächst um klassische Zoonosen, und viele der dokumentierten Ausbrüche konnten auf den Umgang mit erkrankten oder verstorbenen Tierkadavern - wahrscheinlich Affen - zurückgeführt werden. Bei diesen Tieren sind Ebola-Viren ähnlich pathogen wie beim Menschen“, weiß Heinz. Laut dem Experten sind jedoch Primaten nicht das natürliche Reservoir der Viren. Vor kurzem konnten Früchte-fressende Fledermausarten als natürliche Wirte sowohl für das Ebola- als auch für das Marburg-Virus identifiziert werden. „Für das Ausbruchsgeschehen ist jedoch die Mensch zu Mensch-Übertragung verantwortlich“, berichtet Heinz.

Ebola wird von Mensch zu Mensch durch Körpersekrete wie Speichel, Blut, Urin und Stuhl übertragen. Auch eine Ansteckung durch sexuelle Kontakte ist möglich. Außerdem können Hautverletzungen oder Injektionen mit nicht sterilen Nadeln zu Infektionen führen. „Werden bei der Behandlung jene Hygienemaßnahmen eingehalten, die bei uns Standard sind, ist eine Infektion leicht zu vermeiden“, erläutert Heinz. Das Pflegepersonal muss eine strikte Infektionsroutine einhalten und den direkten Kontakt mit den Erkrankten möglichst vermeiden. „Meist wird das Virus durch Unkenntnis verbreitet. Die Menschen in afrikanischen Dörfern wissen über das Virus nicht Bescheid und pflegen die Menschen ohne Einhaltung jeglicher Hygienestandards weiter“, beschreibt Heinz die Situation. Eine häufige Übertragungsursache sieht der Virologe auch in den landestypischen Bestattungsriten, da sich die Hinterbliebenen durch engen körperlichen Kontakt von den Verstorbenen verabschieden. Dies trifft auch auf den letzten Ausbruch in Uganda zu, der Berichten zufolge beim Begräbnis des ersten Opfers durch die Infektion von 15 der 65 Trauergäste seinen Ausgang genommen hat.

Entwarnung für Export des Virus

Die Gefahr, dass es zu größeren Ausbrüchen des Virus in weiteren Erdteilen kommt, sieht der Experte nicht. „Es kann auch einmal ein Patient in unsere Breiten gelangen, aber er wird dann auf einer Isolierstation behandelt und dann besteht keine Gefahr, dass sich die Erreger weiter verbreiten“, beruhigt Heinz. Die beiden Ausbrüche Mitte 2012 seien laut dem Experten keine Veränderung der üblichen Situation. Es besteht kein Grund zur Sorge, dass sich Krankheitsausbrüche künftig häufen werden. „Filoviren spielen in Afrika als Infektionserreger eine völlig untergeordnete Rolle. Die großen ungelösten Probleme werden durch viele andere Viren, Bakterien, Parasiten und Unterernährung verursacht“, stellt Heinz abschließend fest.
VU



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 7 / 10.04.2013