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ArchivÖÄZ 2013ÖÄZ 9 - 10.05.2013

neu & aktuell: Medizinische Kurzmeldungen (10.05.2013)


Schlüsselprotein für Herzverfettung entdeckt


Fehlt Mäusen das Protein CGI-58, kommt es zu einer schweren Herzverfettung und in der Folge zur Kardiomyopathie. Ausschlaggebend ist die nicht mehr funktionierende Zusammenarbeit des Proteins und des Fettspaltungs-Enzyms Adipose Triglyceride Lipase (ATGL). Das wurde in einer Studie an Mäusen am Institut für Molekulare Biowissenschaften der Universität Graz ermittelt.
APA/Journal of Biological Chemistry


Schwangerschaft in Uterus-Transplantat

Die weltweit erste Frau mit einer transplantierten Gebärmutter ist nach einer künstlichen Befruchtung schwanger. Der türkischen Frau, die ohne Gebärmutter zur Welt gekommen war, wurde 2011 das Organ transplantiert. Verläuft alles plangemäß, wird das Kind zwei Monate vor dem Geburtstermin per Sectio entbunden. Um Risken zu vermeiden, wird danach der Uterus wieder entfernt.
APA


Geschmack von Bier erhöht Dopamin-Aktivität

Schon der Geschmack von Bier führt im Gehirn zur Ausschüttung von Dopamin – auch ohne die Wirkung von Alkohol. Neurologen der Universität Indiana ließen 49 Männer ihr Lieblingsbier oder Limonade trinken und maßen dabei die Dopamin-Aktivität. Der Effekt war bei Bier viel größer als bei Limonade. Außerdem war bei Probanden aus Alkoholiker-Familien der Dopamin-Effekt deutlich stärker.
APA/Neuropsychopharmacology


Feinstaubbelastung durch U-Bahn

Die Feinstaubbelastung ist auf den Bahnsteigen der U-Bahn beziehungsweise in den Waggonszwei- bis fünfmal höher als auf offener Straße. Der Feinstaub kommt von den Bremsen, der Tunnelverkleidung, aber durch das Ventilationssystem auch von der Straße. Betroffen sind vor allem Innenstadt-Stationen und nicht klimatisierte Garnituren. Abhilfe schafft nur eine probate Filter-Ventilation.
APA


Computermodell simuliert Cholera-Ausbruch

Die Cholera-Epidemie in Haiti haben Forscher der ETH Lausanne (Schweiz) zum Anlass genommen, ein Computermodell zu entwickeln, anhand dessen künftig Aussagen über die Verbreitung von Krankheiten getätigt werden können. Wissenschafter um Andrea Rinaldo sammelten die Daten von Haiti, wo 2010 nach dem schweren Erdbeben 7.000 Menschen an Cholera starben und weitere 500.000 erkrankten. Da es in Haiti zuvor 100 Jahre lang keine Cholera-Epidemie gegeben hatte, wurde der Erreger vermutlich im Zuge der Hilfsmaßnahmen eingeschleppt. Wegen der katastrophalen Zustände konnte sich der Erreger stark vermehren. Bei der Berechnung des Modells integrierten die Forscher sowohl Daten zur Bevölkerungsstruktur als auch zu den schlechten hygienischen Bedingungen. Außerdem wurden die Flüsse des Landes, aber auch die beliebtesten Reiserouten, entlang derer die Keime transportiert wurden, berücksichtigt. Laut den Wissenschaftern stimmen die Daten der Epidemie mit dem Modell sehr gut überein. Es sei denkbar, dass man künftig bereits in einem frühen Stadium wahrscheinliche Verläufe einer Cholera-Epidemie voraussagen und Hilfsmaßnahmen ergreifen kann.
APA


Liquid biopsy bei Prostata-Karzinom

Einem Forscherteam um Univ. Prof. Michael Speicher und Assoz. Prof. Jochen Geigl vom Institut für Humangenetik der Medizinischen Universität Graz ist es in Zusammenarbeit mit dem Uniklinikum Hamburg Eppendorf gelungen, eine „liquid biopsy“, eine Gen-Analyse aus der Blutprobe eines Patienten, durchzuführen. Im Gegensatz zur Biopsie wird die DNA aus dem Plasma isoliert. Anschließend werden mit entsprechenden Computeralgorithmen Charakteristika des Tumorgenoms errechnet. Wird diese Untersuchung mehrfach wiederholt, können Änderungen der verantwortlichen Gene erfasst werden. So konnten bisher beispielsweise Translokationen bestätigt werden. Die Wissenschafter sehen in der Methode, die bislang nur im Rahmen einer kleinen Studie eingesetzt wurde, eine „geeignete Alternative zur herkömmlichen Biopsie“ – u.a. wegen der einfachen Anwendung und der geringen Kosten.
APA/Genome Medicine


Zahl der Hantavirus-Infektionen massiv gestiegen

Mit 264 diagnostizierten Ansteckungen wurde in Österreich im Vorjahr ein starker Anstieg der Infektionen mit dem Puumala-Virus, einer Variante des Hanta-Virus, registriert. Die Ursache für die gegenüber dem Jahr 2011 siebeneinhalb Mal so hohe Rate ist die enorme Vermehrung der Rötelmäuse. Diese erkranken nicht, dienen aber als Reservoir für das Puumala-Virus, das durch das Einatmen von Staub und Exkrementen übertragen wird. Es kommt zu plötzlichem hohen Fieber, Schüttelfrost sowie Bauch- und Rückenschmerzen; auch Nierenversagen ist möglich. Eine ursächliche Therapie gibt es nicht. Im Vorjahr wurde auch ein Todesfall registriert – der dritte, seit Aufzeichnungen existieren. Die bisherige Höchstzahl an Erkrankungen gab es im Jahr 2007 mit 76 Fällen, so Univ. Prof. Stephan Aberle vom Department für Virologie der Medizinischen Universität Wien. Die meisten der Fälle wurden 2012 in der Steiermark beobachtet; aber auch in Slowenien wurde ein starker Anstieg der Infektionen verzeichnet.
APA/Virusepidemiologische Information


Österreicher entwickelt biologische Kunst-Niere

Dem in Österreich geborenen Chirurgen Harald Ott ist es erstmals gelungen, eine biologische Kunst-Niere zu entwickeln. Ott, der am Massachusetts General Hospital der Harvard Medical School tätig ist, entnahm dazu Nieren von toten Menschen und Tieren und wusch sie mit einem Dezellularisierungs-Verfahren aus. Das zurückbleibende Gerüst aus extrazellulärer Matrix (ECM) – sie weist bei einer Transplantation keinerlei Abstoßungsreaktion auf – wird in einem Bioreaktor mit frischen menschlichen Endothel-Zellen sowie vordifferenzierten Nieren-Zellen von Rattenföten besiedelt. Nach zwölf Tagen Wachstum im Bioreaktor erreichte die Kunst-Niere bis zu 23 Prozent der Funktion einer normalen Niere; nach der Transplantation in eine Ratte waren es fünf bis zehn Prozent. Der niedrige Prozentsatz hängt mit den dabei verwendeten relativ unreifen Zellen zusammen; wobei der Forscher hofft, diese Rate durch bessere Methoden und Organkultur im Bioreaktor verbessern zu können. Laut Ott könnte schon eine Funktion von 15 bis 20 Prozent eines solchen Organs eine Unabhängigkeit von der Dialyse bedeuten.
APA/Nature Medicine


Kartoffelchips aktivieren Lustzentrum


Ein noch unbekannter Inhaltsstoff von Kartoffelchips spricht das Lustzentrum des Gehirns an und macht es schwierig, selbst bei einem Gefühl der Sättigung mit dem Verzehr aufzuhören. Das ergab eine Studie des Forscherteams um Tobias Hoch an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen-Nürnberg. Bisher war man davon ausgegangen, dass die Kombination aus Kohlenhydraten und Fett für den Suchtfaktor verantwortlich ist. In Versuchen fütterten die Forscher Ratten einmal mit Chips und einmal mit Futter in derselben Zusammensetzung. Ergebnis: Chips aktivierten das Sucht- und Belohnungszentrum im Gehirn wesentlich stärker, wie Messungen ergaben. Gelingt es, den molekularen Suchtauslöser in den Chips zu identifizieren, könnte es in Zukunft möglich sein, andere Substanzen beizumischen, die den Stoff blockieren, so die Wissenschafter.
APA



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 9 / 10.05.2013