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ArchivÖÄZ 2014ÖÄZ 1/2 - 25.01.2014

ÄKVÖ


30 Jahre Notarzthubschrauber

Der Notarzt-Hubschrauber stellt einen wichtigen Teil in der Rettungskette zur optimalen Versorgung von Patienten bei. Bei einem Symposium anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des Notarzt-Hubschraubers in Österreich warnten Vertreter der ÄKVÖ davor, diesen Bereich „aushungern“ zu lassen, um damit Kosten zu sparen.
Von Raimund Saam*


Start für den Notarzthubschrauber in Österreich war der 1. Juli 1983 - einer der Initiatoren war der Innsbrucker Chirurg Univ. Prof. Gerhard Flora. Bis 1988 wurden nach und nach in ganz Österreich Stützpunkte für Notarzt-Hubschrauber eingerichtet. Damit ergab sich eine drastische Verkürzung der Rettungszeiten. In der Regel ist in etwa 15 Minuten ein Notarzthubschrauber vor Ort; der Transport ins nächst gelegene Krankenhaus dauert rund acht Minuten. Somit konnten sowohl die Mortalität als auch die Folgebeschwerden von Unfällen, akuten Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie akuten zerebralen Erkrankungen drastisch reduziert werden. Derzeit gibt es in Österreich 36 Hubschrauberstandorte, wobei 22 Standorte ganzjährig betrieben werden. Der ÖAMTC betreibt 16 Notarzthubschrauber.

Im Rahmen des ÄKVÖ-Symposiums zeigte Univ. Prof. Wolfgang Schreiber vom Wiener AKH/Universitätsklinik für Notfallmedizin beeindruckende Daten über den Benefit einer raschen Therapieeinleitung sowohl beim akuten Koronarsyndrom (STEMI-Infakt) als auch bei akuter zerebraler Symptomatik. Von 21.000 Patienten aus dem Zeitraum von 2003 bis 2009 wurden rund 800 Patienten primär optimal versorgt mit dem Notarzt-Hubschrauber in das entsprechende Stroke-Center gebracht.

Der Notarzthubschrauber bringt von den geretteten Patienten große Zufriedenheit, wie Patientenanwalt Mag. Michael Prunbauer im Rahmen der ÄKVÖ-Tagung erklärte. Nachdem es kaum Beanstandungen mit der Flugrettung von Patientenseite gibt, ist keine spezielle AnlaufsteIle mehr nötig. Die wenigen Beschwerden, die auftraten, wurden von Seiten des ÖAMTC raschest und unproblematisch erledigt.

Probleme bei der Finanzierung

Massive Probleme gibt es allerdings bei der Finanzierung des Notarzt-Hubschraubers. Die Sozialversicherungsträger zahlen den Einsatz nur dann in Form einer Pauschale, wenn der Chefarzt im Nachhinein feststellt, dass dieser auch gerechtfertigt war. Dieser Kostenbeitrag deckt jedoch nur etwa 30 Prozent der Einsatzkosten und wurde noch nie dem Index angepasst. Den Rest zahlen die Bundesländer. Dieses System ist extrem aufwändig und sollte dringendst reformiert werden. In letzter Zeit werden außerdem immer mehr Einsätze von Chefärzten nicht akzeptiert, wobei offensichtlich vermehrte Sparmaßnahmen der Grund sind. Diese kurzsichtige Maßnahme wird jedoch sekundär bedingt durch die schlechtere Versorgung der Patienten sicherlich einen höheren Kostenfaktor verursachen. Insbesondere ist die NACA-Einteilung oft ein Problem. Es werden nur Einsätze von NACA IV bis VI bezahlt. Sieben Prozent aller Einsätze sind NACA VII-Fälle - wo der Verunfallte verstirbt - wobei es vor dem Einsatz nicht absehbar ist, ob der Verletzte überlebt oder nicht.

Unfallchirurg Univ. Prof. Harald Hertz, ärztlicher Leiter des Lorenz Böhler-Krankenhauses sowie Vizepräsident des ÖAMTC, bewies, wie wichtig eine lückenlose und rasche Unfallhilfe ist. Das beginnt am Unfallort mit dem Notarzthubschrauber oder Notarztwagen und endet bei der Erstaufnahme im Spital, wo der Patient sofort mittels CT abgeklärt wird und die Therapie rasch einsetzen kann.

Der Notarzt-Hubschrauber bringt sowohl im Bereich der Verweildauer in der Intensivbehandlung als auch bei der Länge des gesamten Krankenhausaufenthaltes zeitliche Vorteile - ein weiterer Punkt der Kostenreduktion. Wesentliche Erkenntnisse aus dem ÄKVÖ-Symposium waren, dass der Notarzt-Hubschrauber aus der heutigen Notfallmedizin nicht mehr wegzudenken ist und als wichtiges Glied in der Rettungskette zur optimalen Versorgung der Patienten beiträgt. Die ÄKVÖ-Ärzte und besonders ÄKVÖ-Präsident Prim. Dr. Walter Dorner warnen davor, den Notarzt-Hubschrauber sozusagen aushungern zu lassen, um damit irgendwelche Kosten zu sparen. Das Gegenteil wäre der Fall, nämlich eine massive Verschlechterung der Heilungsdauer, der Mortalität und der Invalidität. Ein klares Ergebnis aus dieser Erkenntnis ist, das solche Tendenzen zu einer weiteren Kostensteigerung für die Sozialversicherungsträger führen.


*) Prof. MR. Dr. Raimund Saam ist Vizepräsident der ÄKVÖ



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 1-2 / 25.01.2014