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ArchivÖÄZ 2014ÖÄZ 3 - 10.02.2014

4. Tag der Gesundheitsberufe


23 Institutionen - ein Weg

Will man die künftigen Herausforderungen im Gesundheitswesen bewältigen, ist die Zusammenarbeit aller gesetzlich legitimierten Gesundheitsberufe und die Koordination durch den Hausarzt notwendig. Beispiele dafür präsentierten Experten beim 4. Tag der Gesundheitsberufe in Wien.
Von Marion Huber


Nicht aus dem Blickwinkel der einzelnen Berufsgruppen, sondern „mit der gemeinsamen Zielsetzung, der bestmöglichen Versorgung der Patienten, im Auge“ kann man die künftigen Herausforderungen im Gesundheitssystem bewältigen, betonte Karl Forstner, Vizepräsident der ÖÄK, im Umfeld des Tages der Gesundheitsberufe Mitte Jänner in Wien. Die Gesundheitsberufe-Konferenz, die heuer bereits zum vierten Mal zu dieser Veranstaltung einlud, sei, so Forstner, ein „klares Zeichen“ nach Außen, dass alle gesetzlich legitimierten Gesundheitsberufe kooperieren wollen.

Die gesetzlich legitimierten Gesundheitsberufe stünden in „merkwürdiger Polarität“ gegenüber den Zahlern, die das Gesundheitssystem steuern möchten, ohne die Leistungserbringer einzubinden. „So wird es aber nicht funktionieren“, ist Forstner überzeugt. Und weiter: „Wer die Kompetenzen der Gesundheitsberufe nicht nutzt, wird das System nicht zielführend verbessern können.“ Nicht umsonst sei bislang die Formulierung des „Best Point of Service“ inhaltsleer geblieben. Die Ärzteschaft habe eine Antwort darauf: Der Hausarzt sei der richtige Weg; er biete wohnortnah medizinische Versorgung an, kenne überdies die von den Gesundheitsberufen angebotenen Leistungen und könne sie koordinieren.

Warum es für den Patienten entscheidend ist, dass alle im Gesundheitswesen Tätigen kooperieren, verdeutlichte die Psychologin Hedwig Wölfl, Leiterin des Kinderschutzzentrums „Die Möwe“, in ihrer Festrede beim Tag der Gesundheitsberufe. Ob gesund oder krank, jeder sei – in verschiedenen Rollen – immer Teil des Gesundheitssystems. Zwar bestehe das System aus Strukturen, Institutionen, Berufsgruppen, Finanzierungstöpfen, etc., geprägt sei es aber vor allem von den Menschen, die sich darin begegnen. „Unsere individuellen Entscheidungen und die Art, wie wir als Gesundheitsberufe miteinander umgehen, entscheiden, ob das Gesundheitswesen für die Patienten hilfreich und unterstützend oder mechanisch und technokratisch ist“, führt sie aus. Denn für die Patienten sei das Gesundheitswesen in den letzten Jahren zu einem „unübersichtlichen Angebotsmoloch“ (Wölfl) geworden. Sie seien überfordert und in ihrer Hilfe-suchenden Position oft außerstande, rasch die für sie beste Anlaufstelle zu erreichen. „Das leider auch deshalb, weil die verschiedenen Gesundheitsberufe mit ihren Angeboten zu wenig vernetzt arbeiten“, so Wölfl. Was es braucht? Mehr Wissen aller in den Gesundheitsberufen Tätigen über die Angebote und Leistungen der anderen. Schon in der Ausbildung müssten die Tätigkeiten der jeweils anderen Gesundheitsberufe deshalb Thema sein, forderte sie, denn „das würde von Anfang an echte Kollegialität und Interaktion zwischen den Professionen fördern“.

Als Curriculum-Direktorin der Medizinischen Universität Wien weiß auch Univ. Prof. Anita Rieder, Leiterin des Instituts für Sozialmedizin, wie wichtig es ist, die interdisziplinäre Kooperation schon in der Ausbildung anzuregen: „Nur so kann jeder Beteiligte ein Rollenverständnis für die anderen Gesundheitsberufe entwickeln.“ Nur so könnten Teamwork, Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitsberufen funktionieren.

Kommunikation und Kooperation optimieren

Dass vieles mit der Kommunikation steht und fällt, betonte auch Brigitte Ettl-Karl, ärztliche Direktorin am Krankenhaus Hietzing in Wien. „Knackpunkt ist, dass oft die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut“, so Ettl. Ohne auf große Würfe der Politik zu warten, müsse jeder in seinem eigenen Einflussbereich Potentiale nützen, um Kommunikation und Kooperation zu optimieren. „Man muss das selbst in die Hand nehmen und alle Beteiligten mitnehmen“, führte die ärztliche Direktorin weiter aus.

Nicht nur um ihr Wissen zu bündeln, sondern auch um mit der Politik auf Augenhöhe zu sein, müssten sich die Gesundheitsberufe vernetzen, betonte Ulla Konrad, Präsidentin des Berufsverbands Österreichischer PsychologInnen (BÖP) und derzeitige Vorsitzende der Gesundheitsberufe-Konferenz.


Förderpreise verliehen

Den ersten Platz beim diesjährigen Förderpreis der Gesundheitsberufe-Konferenz erzielt das interdisziplinäre Projekt „Alltagsorientieres Gangsicherheits- und Sturztraining im Setting Pensionistenhaus“ von Constance Schlegl und Catharina Barcsak im Pensionistenhaus Gustav Klimt in Wien-Penzing. Auf Platz zwei folgt das Projekt „rundum gsund – Gruppenprogramm zum Abnehmen und einer gesunden Lesensstiländerung für übergewichtige Frauen“ vom Frauengesundheitszentrum FEM Süd in Wien; Platz drei belegt das Projekt „Intensivtagebuch“ der Abteilung für Anästhesie und operative Intensivmedizin am Sozialmedizinischen Zentrum Süd/Kaiser Franz Josef Spital Wien.




© Österreichische Ärztezeitung Nr. 3 / 10.02.2014


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