Logo Aerzteverlagszeitung
ArchivÖÄZ 2014ÖÄZ 4 - 25.02.2014

neu & aktuell: Politische Kurzmeldungen (25.02.2014)


Lehrgang: akademisch geprüfter Arbeitsmediziner

Erstmals und einmalig in Europa bietet die Österreichische Akademie für Arbeitsmedizin und Prävention (AAMP) – vormals Akademie für Arbeitsmedizin (AAM) – in Kooperation mit der Medizinischen Universität Graz in diesem Jahr Universitätslehrgänge in Arbeitsmedizin mit akademischem Abschluss an. „Gut ausgebildete Arbeitsmediziner ersparen Betroffenen nicht nur persönliches Leid, sondern der Wirtschaft auch wachsende Krankheitskosten und teure Umschulungen. Dafür sind exzellent aus- und fortgebildete Spezialisten erforderlich“, betont Univ. Prof. Werner Aberer, Leiter der neuen Universitätslehrgänge. Weitere Informationen: Österreichische Akademie für Arbeitsmedizin und Prävention, Tel.: 02243/24 31 10, E-Mail: oeaamno@sonicht.aamp.at; www.aamp.at


Vorarlberg: Pilotprojekt für Lehrpraxen

Im Sommer 2014 startet in Vorarlberg ein Pilotprojekt für Lehrpraxen – darauf haben sich die Ärztekammer Vorarlberg, das Land Vorarlberg, das Gesundheitsministerium, und die Gebietskrankenkasse geeinigt. Die jungen Ärzte werden dabei in zwei Modellen - sechs beziehungsweise zwölf Monate lang - in einer von fünf Lehrpraxen tätig sein; sie bleiben aber während dieser Zeit im Krankenhaus angestellt. Nach dem Ende des Pilotprojekts soll eine externe Evaluierung ergeben, welche Lehrpraxis-Dauer sinnvoll und notwendig ist. Die jährlichen Kosten dieses Projekts von 270.000 Euro teilen sich Land (100.000 Euro), Bund (80.000 Euro), Vorarlberger Ärztekammer und Vorarlberger GKK (45.000 Euro; stammen aus dem Reformpooltopf) und allen Lehrpraxisinhabern (insgesamt 45.000 Euro). Vorarlberg nehme mit diesem Projekt eine Vorreiterrolle in Österreich ein, betonte Burkhard Walla, Präsidialreferent der Ärztekammer Vorarlberg.


Belgien: Sterbehilfe bei Kindern

Ein Gesetz, das die Sterbehilfe bei unheilbar kranken Minderjährigen erlauben soll, hat in Belgien den Justizausschuss des Parlaments passiert. Sozialisten, Liberale, Grüne und N-VA sind dafür, Christdemokraten und Rechtspopulisten dagegen. Für über 18-Jährige ist die Sterbehilfe in Belgien bereits erlaubt, wenn sie an unheilbaren Krankheiten leiden und Ärzte unerträgliche Schmerzen bescheinigen.


Niederlande: wieder Pferde- in Rindfleisch

In den Niederlanden wurden rund 28.000 Tonnen verdächtiges Rindfleisch, das mit Pferdefleisch vermischt sein könnte, zurückgerufen. Die gesamte Produktion der letzten zwei Jahre einer Großschlachterei aus der Provinz Gelderland ist betroffen; in den Beständen war Pferde-DNA entdeckt worden, wie die Kontrollbehörde für Nahrungsmittel mitteilte. Welche Länder vom Export betroffen sind, ist nicht bekannt.


USA: Drogeriekette stoppt Zigaretten-Verkauf

In den USA stoppt die erste landesweite Drogeriekette, CVS Caremark, mit 1. Oktober 2014 den Verkauf von Zigaretten und anderen Tabakprodukten in ihren mehr als 7.600 Filialen. Zwar rechnet man dadurch mit Umsatzeinbußen von jährlich zwei Milliarden Dollar. Weil in den USA Drogerien aber auch Apotheken sind, will das Unternehmen durch eine engere Kunden-Bindung profitieren.


WHO: Palliativmedizin ausbauen

Nur 20 Länder weltweit – darunter Österreich und Deutschland – haben laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) ein angemessenes System der Palliativmedizin. Vor allem in armen, aufstrebenden Staaten gebe es Mängel. 2011 haben drei Millionen Patienten Palliativmedizin erhalten; laut einer Studie aus dem Jahr 2008 hätten es schon damals 20 Millionen sein sollen.


Tirol schreibt Flugrettung aus

Weil in Tirol bei einem „Runden Tisch“ im Landhaus mit den in der Flugrettung tätigen Hubschrauberunternehmen keine Einigung erzielt werden konnte, wird die Flugrettung nun „gesetzlich verankert und ausgeschrieben“, erklärte Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (V). Im Juli 2012 hatte das Land Tirol mit sechs Hubschrauberunternehmen eine Tarif- und Abrechnungsvereinbarung für die Flugrettung getroffen; diese kann erst mit 31. Dezember 2015 aufgelöst werden. Auslöser für die heftige Diskussion war ein Streit um die Inbetriebnahme eines Helikopters durch den Flugunternehmer Roy Knaus in Mayrhofen im Zillertal. Die ÖAMTC-Flugrettung und „Schider Helicopter Service“ drohten daraufhin mit der Auflösung der Flugrettungsvereinbarung. Die zuständige Behörde sperrte den Flugplatz aus Sicherheitsgründen. Indessen kündigte Tilg an, neuerlich eine Bedarfserhebung durchzuführen. Aktuell gibt es in Tirol neun ganzjährige und sechs saisonale genehmigte Hubschrauber-Stützpunkte.


Genmais: Ärztekammer Wien gegen Zulassung

In der Diskussion um die EU-Zulassung des Genmais „Pioneer 1507“ appellierte die Wiener Ärztekammer an die Vernunft der EU-Länder. Rechtsunsicherheiten und formale Gründe dürften nicht zu unüberlegten Entscheidungen führen, die man nicht mehr rückgängig machen kann, betonte der Referent für Umweltmedizin der Wiener Ärztekammer, Piero Lercher. Formal fand zwar keine Abstimmung auf EU-Ebene statt: Schweden, Finnland, Großbritannien, Estland und Spanien sprachen sich für die Zulassung aus; Deutschland, Portugal, Belgien und Tschechien enthielten sich. Hätte Deutschland dagegen gestimmt, wäre die Zulassung gestoppt worden. Stimmt der EU-Rat nicht ab, müsse die Kommission das Produkt binnen 24 Stunden zulassen, erklärte EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg. Gesundheitsminister Alois Stöger (S) will ein nationales Anbau-Verbot verhängen, sollte die Kommission den Genmais zulassen.


Gratis-Zahnspange für Kinder kommt doch

Die Koalitionspartner haben sich geeinigt: Für unter 18-Jährige sollen Zahnspangen – egal ob festsitzend oder abnehmbar – ab 1. Juli 2015 gratis sein. Voraussetzung für die Kostenübernahme durch die Krankenkassen ist eine mittlere oder schwere medizinische Indikation. So sollen spätere medizinische Folgeschäden wegen einer Zahnfehlstellung vermieden werden. Rund 85.000 Kinder sollen jährlich davon profitieren; der Mehraufwand wird vom Gesundheitsministerium mit rund 80 Millionen Euro pro Jahr angegeben. Hingegen geht die Generalsekretärin des Verbandes der Kieferorthopäden, Silvia Silli, von einem doppelt so hohen Betrag aus.


Großbritannien: Verfehlte Diagnosen bei COPD

Nach schlechten Ergebnissen bei der Karzinom- und Myokardinfarkt-Mortalität schneidet das britische Gesundheitswesen auch bei COPD schlecht ab. Bis zu 85 Prozent der COPDPatienten werden einer Studie zufolge nicht früh genug diagnostiziert. „Die erhebliche Zahl der Patienten mit falscher oder gar nicht erfolgter Diagnose in dieser Studie beunruhigt“, betonte Autor Rupert Jones von der Universität Plymouth. Laut Studie waren 85 Prozent der COPD-Patienten in den fünf Jahren vor der Diagnose der Erkrankung mit Beschwerden in den unteren Atemwegen bei einem Haus- oder Facharzt. Die diagnostischen Möglichkeiten waren in den sechs bis zehn Jahren davor bei 58 Prozent und in den elf bis 15 Jahren davor bei 42 Prozent nicht genutzt worden. Schätzungen des britischen Gesundheitsministeriums zufolge leben rund 2,2 Millionen COPD-Patienten ohne Diagnose und Therapie. Durch eine frühe Behandlung könnten laut Angaben des staatlichen Gesundheitswesens jährlich rund 100 Millionen Pfund eingespart werden.


Influenza-Welle beginnt

Mit rund 8.400 Neuerkrankungen innerhalb einer Woche in Wien läuft laut Grippemeldedienst der Stadt Wien die Influenza-Welle in Österreich an. In den Wochen davor waren es 7.200 beziehungsweise 6.400 Fälle. „Die jährliche Influenza steht bei uns vor der Tür. Jetzt kann man sich noch impfen lassen“, betont Univ. Prof. Franz X. Heinz, Leiter des Departments für Virologie der Medizinischen Universität Wien. In den vergangenen Jahren ließen sich allerdings nur noch acht Prozent der Menschen gegen Influenza impfen. Das österreichische Impfgremium empfiehlt jedem Österreicher die Influenza-Impfung, besonders aber zum Beispiel Kindern ab sieben Jahren, über 50-Jährigen oder Schwangeren. Experten gehen von jährlich etwa 350.000 bis 400.000 Erkrankungen und rund 1.000 bis 1.200 Todesfällen aus. Tipp: Der Impfplan 2014 steht unter www.aerztezeitung.at/Service zum Download zur Verfügung.


ÖÄK fordert: Spitalsambulanzen entlasten

Für eine qualitätsvolle medizinische Versorgung müssen die Spitalsambulanzen entlastet werden, fordert der Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte der ÖÄK, Harald Mayer: „Wir werden nicht umhin kommen, den Zugang zu den Ambulanzen einzuschränken etwa durch Überweisungen vom Hausarzt oder niedergelassenen Facharzt.“ Denn die Ambulanzfrequenzen – 16 Millionen Besuche gibt es jährlich – seien für die Spitalsärzte nicht mehr zu bewältigen. Der niedergelassene Bereich müsse unbedingt ausgebaut werden, lautet seine Forderung. Mayer: „Offensichtlich reichen die Öffnungszeiten nicht aus, um die Bevölkerung zu versorgen, und das trotz Wochenend- und Nachtdiensten der niedergelassenen Kollegen.“ Das von der ÖÄK entwickelte Modell der vorgelagerten Akutordinationen könnte Abhilfe schaffen und auch stark frequentierte Randzeiten bedienen. „Die Patienten werden rund um die Uhr versorgt, die Ambulanzen werden spürbar entlastet. Das wäre eine Win-Win-Situation für alle“, resümiert Mayer.


Krebs-Überlebensrate: Österreich im Spitzenfeld

Österreich ist europaweit bei den Krebs-Überlebensraten im Spitzenfeld; Großbritannien schneidet schlecht ab, osteuropäische Staaten noch schlechter. Das ergab eine Vergleichsstudie von Forschern des nationalen Epidemiologiezentrums Italiens. Roberta De Angelis und Co-Autoren haben die Daten von neun Millionen Erwachsenen und 60.415 Kindern, bei denen zwischen 2000 und 2007 Krebs diagnostiziert wurde, ausgewertet. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate ist zwar überall in Europa gestiegen; große Unterschiede gibt es aber nach wie vor zwischen Nord- und Westeuropa einerseits und Osteuropa andererseits. Während in Österreich die Überlebensrate bei den meisten Karzinomen deutlich über dem Durchschnitt liegt, schneidet das von Gesundheitsökonomen und Health Technology Assessment-Experten oft als Beispiel angeführte Großbritannien schlecht ab. So liegt etwa bei Dickdarmkrebs die Fünf-Jahres-Überlebensrate in Österreich bei 61,2 Prozent, in Großbritannien bei 51,3 Prozent; bei Magenkrebs sind es 31 versus 17 Prozent, beim Prostatakarzinom 90,4 versus 80,4 Prozent. Insgesamt betrachtet sind die Fünf-Jahres-Überlebensraten am größten bei Hodenkrebs (90 Prozent) und Mammakarzinom (etwa 80 Prozent).


Burgenland: HPV-Impfung an Schulen ab Herbst

Im Herbst dieses Jahres startet in den vierten Volksschulklassen im Burgenland eine Gratis-Impfaktion gegen HPV. Buben und Mädchen können sich vom Schularzt oder auf Wunsch der Eltern auch vom Gemeinde- oder Hausarzt impfen lassen. Auch für Kinder vom vollendeten neunten bis zum zwölften Lebensjahr gibt es eine Gratis-Impfaktion bei niedergelassenen Ärzten oder bestellten Impfärzten. Die Nachholimpfung ab dem vollendeten zwölften Lebensjahr kostet im Burgenland 50 Euro; 40 Euro für den Impfstoff, das Impfhonorar beträgt zehn Euro. „Wir erhoffen uns dadurch eine sehr hohe Durchimpfungsrate“, so der Vizepräsident der Ärztekammer Burgenland, Michael Schriefl. Die Gratis-Impfung gegen HPV wurde heuer in den Nationalen Impfplan aufgenommen. Der Impfplan 2014 steht unter www.aerztezeitung.at/Service zum Download zur Verfügung.


Wien: ÖÄK kritisiert Patientenanwältin


Einen „verbissenen Kleinkrieg gegen Wiener und Österreichische Ärztekammer“ ortet Johannes Steinhart, Obmann der Bundeskurie niedergelassene Ärzte der ÖÄK. Grund dafür waren die erneuten Vorwürfe der Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz gegen die ÖQMed (Österreichische Gesellschaft für Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement) nach der aktuellen Diskussion um PAP-Abstriche in der Ordination einer Wiener Gynäkologin. Es stelle sich die Frage, ob die Bestellung von Pilz – deren Funktion mit 12.700 Euro doppelt so hoch dotiert ist wie die eines Landtagsabgeordneten – eine gute Entscheidung war, sei sie doch „offenbar sachlich überfordert“, so Steinhart weiter. Denn: „Nach zwei Jahren im Amt müsste auch eine Nicht Juristin wissen, welche Aufgaben der Gesetzgeber der ÖQMed übertragen hat und welche nicht.“ Schon allein mit Hausverstand könne man verstehen, dass die ÖQMed heute nicht Delikte von morgen verhindern könne. Noch rätselhafter seien die Vorwürfe, wenn man bedenkt, dass Pilz seit ihrem Amtsantritt im wissenschaftlichen Beirat der ÖQMed sitzt – und dieser bestimme, wie und was die ÖQMed kontrolliert und evaluiert. „Deswegen soll sich Pilz lieber dort einbringen, wo sie es von Gesetz wegen im Sinne der Patientensicherheit auch tun sollte“, erklärte Steinhart.

Als „bizarr und nicht mehr nachvollziehbar“ bezeichnete auch ÖÄK-Präsident Artur Wechselberger die von Pilz geäußerte Kritik. Sein Appell: „Ich ersuche die Wiener Patientenanwältin, in die Realität zurückzukehren. Die Realität ist: Ärzte haben Medizin zu betreiben.“ Die unsachliche Aggressivität gegen die Ärztekammern und deren Einrichtungen richte sich ohnehin selbst. Wenn Pilz ihre Schimpftiraden jedoch undifferenziert auf alle Ärzte loslasse, deren Vertrauensstellung untergrabe, sich dilettierend in die Ärzteausbildung einmische und Ärzte unter einem Kontrollradar sehen wolle, „sind ihr klare Grenzen zu setzen“, betonte Wechselberger abschließend.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 4 / 25.02.2014