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ArchivÖÄZ 2014ÖÄZ 6 - 25.03.2014

neu & aktuell: Politische Kurzmeldungen (25.03.2014)


ÖÄK: Frauenanteil unter Ärzten steigend

Frauen machen insgesamt 46 Prozent der österreichischen Ärzteschaft aus, wie die ÖÄK anlässlich des Weltfrauentages mitteilte. Mittlerweile beträgt der Anteil der Frauen unter Spitalsärzten 53 Prozent. Im niedergelassenen Bereich wiederum führen Frauen 34 Prozent der Ordinationen: 42 Prozent der allgemeinmedizinischen Ordinationen, aber nur 29 Prozent der Facharztpraxen. Der Frauenanteil unter Jungärzten werde weiter steigen, gleichzeitig würden sich aber immer weniger Männer für den Arztberuf entscheiden. „Die Ärztegeneration, die in wenigen Jahren in Pension gehen wird, ist vorwiegend männlich. Zum Schließen dieser Lücken werden künftig aber mehrheitlich Ärztinnen zur Verfügung stehen – theoretisch“, betonte ÖÄK-Präsident Artur Wechselberger. Dies nur, wenn es gelinge, frauen- und familienfreundliche Arbeitsbedingungen – Stichworte: flexible Arbeitszeitmodelle, betriebliche Kinderbetreuung, das Einhalten der Arbeitszeithöchstgrenzen – in der Medizin umzusetzen.


ELGA: Informationsdefizit bei Patienten

Es ist ganz offensichtlich, dass es ein immenses Informationsdefizit bei den Patienten gibt“, erklärte Johannes Steinhart, Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer Wien, zur aktuellen ELGA-Debatte. Die verantwortliche ELGA GmbH habe es bisher völlig verabsäumt, die Bevölkerung objektiv über ELGA zu informieren. Die Wiener Ärztekammer musste diese Lücke daher schließen und hat eine Kampagne mit Info-Boxen in Ordinationen gestartet. „Die Telefone bei uns läuten ununterbrochen, vor allem die Opt-out-Formulare werden laufend für die Ordinationen nachbestellt“, so Steinhart. Univ. Prof. Thomas Szekeres, Präsident der Wiener Ärztekammer, kritisierte, dass es zur Zeit vor allem online schwierig sei, sich von ELGA abzumelden, weil eine Bürgerkarte oder elektronische Signatur notwendig sei. 30.000 Österreicher haben sich bereits abgemeldet, 80.000 weitere haben das Abmeldeformular angefordert.


China: Regierung wegen Smog geklagt

Erstmals ist gegen die chinesische Regierung Klage wegen Versagens bei der Bekämpfung von Smog eingereicht worden. Der Kläger aus der Industrieprovinz Hebei – sie ist mit am schwersten von Smog betroffen – fordert die Behörden auf, ihre gesetzliche Kontrollpflicht zu erfüllen und klagt auf Schadenersatz für Betroffene.


Italien: weniger Zigaretten verkauft

In Italien sind die Staatseinnahmen durch die Tabaksteuer 2013 um fünf Prozent gesunken, während sie zuletzt jährlich durchschnittlich um 3,9 Prozent gestiegen sind. Dadurch fehlen nun 550 Millionen Euro in der Staatskasse. Ursache ist neben der Finanzkrise auch der illegale Zigarettenhandel: In Italien ist jede zehnte Zigarette Schmuggelware.


Polen: Arzt 175 Stunden im Dienst

In Polen war ein Neurologe am Bezirkskrankenhaus Nowy Sacz insgesamt 175 Stunden durchgehend im Dienst. Tagsüber behandelte er Patienten, nachts leistete er Bereitschaftsdienst. Nach Beschwerden von Ärzten hatte die Arbeitsinspektion landesweit mehr als 300 Einrichtungen kontrolliert. In Polen kommen auf 1.000 Einwohner 2,2 Ärzte, im EU-Schnitt sind es 3,5.


Masern auf Kreuzfahrtschiff

Auf dem Kreuzfahrtschiff „Costa Pacifica“ sind Anfang März 40 Crew-Mitglieder an Masern erkrankt. Da auch 113 Österreicher an Bord waren, hat das Gesundheitsministerium über den Vorfall mit Hilfe des europäischen Frühwarnsystems informiert. Eventuell Erkrankte sollen sich bei der Gesundheitsbehörde ihres Bundeslandes melden.


Bürgerinitiative fordert Grenzen für Embryonenforschung

Insgesamt 1,7 Millionen Unterschriften hat die europäische Bürgerinitiative „One of Us“ gesammelt und die EU-Kommission aufgefordert, Aktivitäten in der Embryonenforschung nicht mehr zu finanzieren und zu verbieten. Die Initiative hat in 18 EU-Ländern – darunter auch Deutschland – die notwendigen Unterschriften gesammelt. Nun entscheidet die EU-Kommission darüber, ob es einen entsprechenden Gesetzesvorschlag geben wird. Bürgerinitiativen wurden 2009 mit dem Lissabon-Vertrag neu geschaffen; sie müssen mindestens eine Million Unterstützer finden. Die jetzige Bürgerinitiative ist laut EU-Angaben noch erfolgreicher als „Right2Water“; gegen die Privatisierung von Wasser wurden bis Ende 2013 rund 1,65 Millionen Unterschriften gesammelt.


AKH: Kritik an Kürzungen

Die Kürzung des Akut-Schmerzdienstes im AKH Wien sei „vollkommen gegen jeden internationalen Trend“, kritisierte der künftige Präsident der Internationalen Schmerzgesellschaft, Rolf-Detlef Treede von der Universität Heidelberg, beim Internationalen Schmerzsymposium Anfang März in Wien. Im Gegenteil: In der Medizin gehe der Trend zu einer Ausweitung der Kapazitäten für eine spezialisierte Schmerztherapie in Kliniken. Seit 1. Jänner 2014 gebe es aus Einsparungsgründen am AKH kein bestehendes Akutschmerz-Dienstrad mehr, wie der Leiter der Abteilung für Spezielle Anästhesie und Schmerztherapie, Univ. Prof. Hans-Georg Kress, erklärte.


Diabetes: Disease-Management-Programm bringt wenig

Das im Jahr 2006 eingeführte Diabetes-Management-Programm (DMP) habe nur wenige Vorteile, kritisiert der Wiener Diabetologe Univ. Doz. Peter Fasching vom Wilhelminenspital in Wien. Obwohl es in Österreich zwischen 573.000 und 645.000 Betroffene gäbe, seien nur 30.000 bis 40.000 Patienten eingeschrieben. Die Beteiligung liege damit bei nicht einmal zehn Prozent. Die Hauptprobleme sieht Fasching in der Bürokratie und dem Fehlen einer guten EDV-Lösung. Außerdem gebe es zu wenige Schulungszentren und keine Regelungen der Aufgabenverteilung. Der Erfolg des Programms sollte in Salzburg in einer Studie mit 92 Hausärzten und 1.489 Patienten untersucht werden. Fasching zum Ergebnis: „Nach zwei Jahren hatten die DMP-Patienten einen HbA1c-Wert von 6,8 Prozent, die Vergleichsgruppe einen von 6,9 Prozent.“


Steiermark: Drexler neuer Landesrat

Der steirische ÖVP-Klubobmann Christopher Drexler ist neuer steirischer Landesrat u.a. für Gesundheit und Pflege. Er folgt damit Kristina Edlinger-Ploder nach, die Ende Februar 2014 nach elf Jahren überraschend zurückgetreten ist.


Bioethikkommission: Druml wiederbestellt

Die bisherige Vorsitzende der Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt, Christiane Druml, wurde von Bundeskanzler Werner Faymann (S) ebenso wiederbestellt wie ihre Stellvertreter Markus Hengstschläger und Peter Kampits. Neun der 25 Mitglieder der Kommission wurden – entsprechend den Themen im Arbeitsprogramm – neu bestellt: Alois Birklbauer, Andrea Bronner, Christian Egarter, Thomas Frühwald, Arnold Pollak, Anna Sporrer, Andreas Valentin, Jürgen Wallner und Christiane Wendehorst.


KABEG: Anzeige gegen Ex-Vorständin Manegold

Die Kärntner Krankenanstalten-Betriebsgesellschaft (KABEG) hat bei der Staatsanwaltschaft Klagenfurt Anzeige gegen die im Sommer 2013 fristlos entlassene Vorständin Ines Manegold erstattet. Demzufolge bestehe der „dringende Verdacht“ einer Fülle von Sorgfaltspflichtverstößen, die den Verdacht auf Untreue sowie weitere strafrechtlich relevante Tatbestände begründen. So soll Manegold etwa eine „Vielzahl von Auftragsvergaben“ jenseits von 100.000 Euro direkt vergeben haben. Auch die rückwirkende Änderung ihres Anstellungsverhältnisses sei ein Punkt. Weil er die Änderung abgesegnet haben soll, liegt dafür auch gegen den damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Kurt Scheuch (FPÖ) eine Anzeige vor. Manegold war im Juni 2013 wegen „schwerwiegenden Vertrauensverlusts“ mit sofortiger Wirkung fristlos entlassen worden. Details wurden aus Verschwiegenheitsgründen nicht bekannt gegeben.


Salzburger PMU gründet zweiten Standort

Der Medizinische Fakultätentag, der Zusammenschluss der Medizinischen Ausbildungs- und Forschungsstätten Deutschlands, übt heftige Kritik am geplanten zweiten Standort der Salzburger Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) am Klinikum Nürnberg. Der Medizinische Fakultätentag befürchtet die Umgehung von deutschen Vorgaben und mangelnde Wissenschaftlichkeit. Laut Bundesärzteordnung müsse ein Medizinstudium an einer wissenschaftlichen Hochschule stattfinden – das Klinikum Nürnberg sei aber kein Universitätsklinikum. Auch verstoße die nicht ausreichende Aufsicht der Privatuniversität gegen eine EU-Richtlinie. Generell warnen der Fakultätentag und der Verband der Universitätsklinika davor, neue Standorte zu gründen, während bestehende schlecht finanziert sind. Die PMU indessen weist die Vorwürfe zurück; es seien keine Vorgaben umgangen worden. Auch auf die Finanzierung deutscher Universitäten habe der PMU-Standort Nürnberg wegen der überwiegend privaten Finanzierung keine Auswirkungen. Ab August sollen dort 50 Studenten pro Jahrgang ein Medizinstudium nach dem Curriculum der PMU beginnen; der Abschluss soll auch in Deutschland anerkannt sein.


EU: Zustimmung für schärfere Tabak-Richtlinie

Das EU-Parlament hat kürzlich mit 514 zu 66 Stimmen endgültig einer strengeren Tabak-Richtlinie zugestimmt. Künftig müssen damit Warnhinweise auf Zigarettenpackungen 65 Prozent der Vorder- und Rückseite einnehmen; derzeit sind es 30 bis 40 Prozent. Slim-Zigaretten bleiben erlaubt; Aromastoffe hingegen werden verboten. Bei Menthol wird es eine Übergangsfrist bis 2020 geben; alle anderen Zusatzstoffe werden nach drei Jahren untersagt. E-Zigaretten dürfen weiter als Tabakprodukte verkauft werden und müssen keine Zulassung als Arzneimittel erhalten. Auch verführerische Verpackungen und verharmlosende Werbung werden künftig verboten. Ziel der umstrittenen Richtlinie ist es, vor allem Jugendliche mit Warnhinweisen und schockierenden Bildern vom Rauchen abzuhalten. Die Tabakrichtlinie soll ab 2017 gelten.


Präventions-Landkarte: fast 400 Projekte gemeldet

Es sind knapp 400 gesundheitsfördernde Projekte, die der AUVA (Allgemeine Unfallversicherungsanstalt) seit November 2013 für die „Präventions-Landkarte Österreich“ gemeldet worden sind. Mit dem Projekt soll die Koordination der Präventions-Angebote erleichtert werden. Die meisten Projekte wurden bislang aus Vorarlberg (36 Initiativen) gemeldet, gefolgt von Tirol und Wien (je 27). In der Steiermark wurden bisher 18 Projekte registriert, in Niederösterreich 16 und Salzburg 15; in Oberösterreich acht, Kärnten sieben und dem Burgenland vier. Die Schwerpunkte der Angebote liegen bislang vor allem auf der Gesundheitsförderung und Primärprävention; Hauptthemen dabei waren etwa Arbeitsleben, Wissensvermittlung und Bewegung. Die Ergebnisse der „Präventions-Landkarte Österreich“ sollen beim diesjährigen Forum Alpbach an die Politik übergeben werden.


Malaria: Ausbreitung durch Erderwärmung


Durch die Erderwärmung erwarten britische und US-amerikanische Forscher eine Ausbreitung der Malaria auch in den Hochebenen von Äthiopien und Kolumbien. Die Forscher untersuchten für ihre in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentliche Studie zwischen 1990 und 2005 die Antioquia-Region (Kolumbien) und zwischen 1993 und 2005 auch die Debre-Zeit-Gegend (Äthiopien). Das Ergebnis: Der Mittelwert der Malaria-Fälle stieg in wärmeren Jahren und sank in kühleren. „Die Malaria bewegt sich quasi immer weiter aufwärts, wenn ein Jahr wärmer ist“, so Studienautor Mercedes Pascual von der Universität Michigan. Früheren Studien zufolge würde ein Anstieg der Durchschnittstemperatur um ein Grad Celsius in Äthiopien die Zahl der Malaria-Fälle allein bei unter 15-Jährigen jedes Jahr um drei Millionen erhöhen. Jährlich infizieren sich 300 Millionen Menschen – vor allem in Ländern in Äquator-Nähe – mit Malaria; 2012 starben weltweit rund 627.000 Menschen daran.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 6 / 25.03.2014