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121. Deutscher Ärztetag


Beim diesjährigen 121. Deutschen Ärztetag Mitte Mai in Erfurt haben sich Ärztevertreter unter anderem mit der elektronischen Patientenakte, Cyberangriffen, der Freiberuflichkeit sowie mit der Trendwende im stationären Sektor beschäftigt.

Schutz der Arztgesundheit

Der Ärztetag stellte klar, dass die Bedingungen bei der Ausübung des Arztberufs so gestaltet sein müssen, dass eine Gefährdung der körperlichen und seelischen Gesundheit minimiert wird. Bereitschafts- und Notdienste müssten so angelegt werden, dass ausreichende zusammenhängende Ruhezeiten ermöglicht werden. Außerdem müssten die Honorarsysteme so gestaltet werden, dass bei einer „dem allgemeinen Arbeitsleben entsprechenden Jahresarbeitszeit ein auskömmliches und leistungsadäquates Honorar“ erwirtschaftet werden kann. Dabei sei auch der Zeitaufwand für Bürokratie, Verwaltung oder Betriebsführung zu berücksichtigen.


Tabakaußenwerbeverbot umsetzen

In einer weiteren Entschließung forderte das Ärzteparlament die Umsetzung des Verbots der Tabakaußenwerbung. Ein solches Werbeverbot würde zur Reduktion der Raucherprävalenz und der mit dem Tabakkonsum assoziierten Krankheits- und Todesfälle beitragen.


Freiberuflichkeit statt Konzernbildung


Die Ärzteschaft zeigte sich besorgt über den zunehmenden Aufkauf von Arztsitzen durch Konzerne. Dadurch könnten die Bedürfnisse der Patienten gegenüber den Interessen der Konzerne vernachlässigt werden. Regionale Monopole würden außerdem die freiberuflichen Niederlassungsmöglichkeiten von Ärzten einschränken. Die Forderung: „Das Gesundheitswesen darf nicht weiter zum profitzentrierten Gesundheitsmarkt werden.“


Standards gegen Cyber-Angriffe

„Beim Schutz vor Cyber-Angriffen darf es keine zwei Klassen von Krankenhäusern geben“, stellt der 121. Deutsche Ärztetag in einer Entschließung fest. Hochsensible krankheitsbezogene Patientendaten müssten überall gleich gut vor Fremdzugriffen geschützt sein. Die IT-Sicherheit in Krankenhäusern dürfe demnach keine Frage der Kosten sein; sie sei in der Zeit der digitalen Modernisierung eine Notwendigkeit.


Notfallhilfen für Notaufnahmen


Gefordert wurde auch eine umfassende Neuausrichtung der oft völlig überlasteten Notfallaufnahmen in Deutschland. Dafür brauche es u.a. mehr Personal, eine bessere Vernetzung der Versorgungsbereiche sowie deren sektorenübergreifende und extrabudgetäre Finanzierung. Der Ärztetag warnte, dass die ungesteuerte Inanspruchnahme der Notfallambulanzen in den Spitälern die immense Arbeitsbelastung der Spitalsärzte weiter verschärfe. Deshalb müssten ambulante Notfallpatienten in den dafür vorgesehenen Portal- und Notfallpraxen behandelt werden.


Trendwende im stationären Sektor

An die Bundesregierung und die Bundesländer erging der Appell, die Krankenhausstrukturen zukunfts- und versorgungsorientiert weiterzuentwickeln. Dies erfordere ausreichendes und qualifiziertes Personal, eine Sektoren-übergreifende Versorgungsplanung unter Berücksichtigung regionaler Strukturen sowie die Sicherstellung von medizinischer Kompetenz in der Fläche. Notwendig seien deutlich erhöhte Investitionen für Umstrukturierungen, neue Technologien und Digitalisierung. Dazu müssten die Bundesländer dringend ihren Investitionsverpflichtungen nachkommen. Für die Implementierung neuer Technologien sei der zusätzliche Einsatz von Bundesmitteln nötig.


Elektronische Patientenakte


Der 121. Deutsche Ärztetag hat den Gesetzgeber dazu aufgefordert, bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens mit einem zweiten E-Health- Gesetz nachzusteuern. Parallele Entwicklungen von elektronischen Gesundheitsakten-Systemen der Krankenkassen und damit Wildwuchs und Insel-Lösungen müssten unterbunden werden. Gefordert wurde auch die Etablierung einer dauerhaften Erprobungsregion für die elektronische Gesundheitskarte durch die gematik (Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH). In einer weiteren Entschließung forderte der Ärztetag die Politik auf, die verpflichtende Anbindung der Arztpraxen und medizinischen Versorgungszentren an die Telematik-Infrastruktur zum Ende des Jahres 2018 auszusetzen. Begründet wurde dies damit, dass erhebliche Probleme bei zahlreichen Praxen aufgetreten seien, die sich angeschlossen hatten. Gesundheitskarten könnten mitunter nicht eingelesen werden, Praxisabläufe würden behindert. Auch sei die Finanzierung der Installation nicht gesichert.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 11 / 10.06.2018