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ArchivÖÄZ 2018ÖÄZ 13/14 - 15.07.2018

BKAÄ: Teach me, if you can


Einig sind sich alle: Je besser die ärztliche Ausbildung, desto größer die Qualität der medizinischen Versorgung. Ein Blick in Österreichs Spitäler und Lehrpraxen zeigt allerdings, dass es nach wie vor an finanziellen und zeitlichen Ressourcen fehlt.
Bosko Skoko

Die Zukunft der medizinischen Versorgung hängt zu einem wesentlichen Teil von der Qualität der Ausbildung ab. Die Reform der ärztlichen Ausbildung mit der Einführung der Lehrpraxis war ein wichtiger Schritt, um eine moderne und qualitativ hochwertige Ausbildung auch in Zukunft sicherzustellen. Die Rückmeldungen der Auszubildenden, aber auch der Ausbildner zeichnen allerdings noch ein anderes Bild: Wartezeiten auf Ausbildungsplätze, Routinetätigkeiten und Bürokratie, fehlende Konzepte und allgemein zu wenig Zeit und Geld für die Ausbildung. „Eine Ärztin, ein Arzt kann nur so gut sein, wie sie oder er ausgebildet wurde. Wir fordern daher eine Ausbildung, die praxisrelevant ist, eine hohe Qualität wahrt und die gesetzlichen Vorgaben einhält“, so Karlheinz Kornhäusl, Turnusärztevertreter und stellvertretender Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte.

„Das Problem an der Wurzel packen“

So hat die Bundeskurie Angestellte Ärzte in ihrer letzten Bundeskuriensitzung eine Resolution zum Problem des Ärztenachwuchses beschlossen. Der Aufhänger dafür: Einzelne Bundesländer haben unterschiedliche Förderungen für Allgemeinmediziner vergeben, um diese zur Niederlassung im ländlichen Raum zu bewegen. Diese stellen allerdings Einzelaktionen dar, es fehlt an strukturiertem Vorgehen und an Abstimmung. Auch die geplante Strukturreform der Bundesregierung sieht eine Stärkung des niedergelassenen Bereiches, insbesondere der Landmedizin, vor. Dazu der Turnusärzteverteter: „Wir müssen das Problem bei der Wurzel packen und schon früher, nämlich bei der Ausbildung, ansetzen.“ Erst durch geeignete Anreize, das Sicherstellen ausreichender Ausbildungsplätze, den Abbau von Wartezeiten sowie allgemein eine qualitativ hochwertige Ausbildung könne es gelingen, den Arztberuf attraktiv zu machen und zu verhindern, dass Ärzte ins Ausland abwandern oder sich einem anderen Beruf zuwenden.

Wartezeiten abbauen, Qualität erhöhen

Die Forderungen der Bundeskurie Angestellte Ärzte beinhalten unter anderem flexiblere Arbeitszeitmodelle, familienfreundliche Lösungen, den Abbau von Bürokratie und administrativen Aufgaben, das Erhöhen der Ausbildungsqualität sowie einen Zugang zur Basisausbildung ohne Wartezeiten. Länder und Krankenanstalten-Träger müssen genügend Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen, hier sei die Politik gefordert (siehe Kommentar Harald Mayer, Kasten). „Länder und Krankenanstalten-Träger müssen Ausbildung als ihre Aufgabe wahrnehmen und die Ausbildungstätigkeit in der Bedarfsplanung abbilden. Nur so können wir die Ausbildungsqualität erhöhen und praxisorientiert gestalten“, so Kornhäusl. Es gehe auch darum, das ärztliche Berufsbild schon während des Studiums besser zu vermitteln, indem man zum Beispiel das Bild der Allgemeinmedizin attraktiver gestaltet. Zehn Punkte für eine gute Ausbildung Die Bundeskurie hat aus den Evaluierungen, die seit 2011 laufen (siehe Kasten), zehn Kriterien zusammengefasst, anhand derer Ausbildungsqualität bewertet werden kann: Diese beinhalten die Qualität und Umsetzung eines guten Ausbildungskonzeptes genauso wie Rotationsmöglichkeiten, oftmaliges Feedback durch den Vorgesetzten sowie häufige Evaluierungsgespräche. Es geht aber auch um die Rahmenbedingungen für die Ausbildner: Diese benötigen genügend Unterstützung durch die Leitung sowie ausreichend Zeit für die Ausbildungsaufgabe. „Es muss die oberste Priorität der Politik sein, Zeit- und Personalressourcen für eine qualitativ hochwertige Ausbildung unserer künftigen Ärztinnen und Ärzte sicherzustellen“, so Kornhäusl abschließend.

Mitmachen und evaluieren!

Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) führt seit 2011 regelmäßige Evaluierungen durch, um die Qualität der Ausbildung laufend zu verbessern. Im Auftrag der Bundeskurie Angestellte Ärzte befragt das Ärztliche Qualitätszentrum alle in Ausbildung befindlichen Ärztinnen und Ärzte (Basisausbildung, Allgemeinmedizin und Facharztausbildung) und ersucht diese, unter anderem die Qualität ihrer Ausbildung, Arbeitsabläufe und Organisation, Arbeitsbelastung und Leistungsdichte in den jeweiligen Ausbildungsabschnitten zu bewerten.

Die Rückmeldungen der Jungärzte werden sehr ernst genommen. So setzen sich die Landesärztekammern sofort mit den Ausbildungseinrichtungen in Verbindung, falls es Beanstandungen zulasten der Qualität gibt. Die Bemühung, Bewusstsein für die Ausbildungsverantwortung zu schaffen, ist groß. Die aktuellsten Ergebnisse der Ausbildungsevaluierung der ÖÄK zeigen: Das Niveau ist teilweise sehr hoch – es gibt aber noch Verbesserungspotenzial (die Beurteilungen nach Schulnotensystem lagen zwischen 1,56 und 3,38).

So hat sich im Laufe der Evaluierungen die Qualität von 41 Abteilungen signifikant verbessert. Warum? Weil die ÖÄK aufgrund der Evaluierungsergebnisse Maßnahmen setzt und diese Wirkung zeigen. Aber wenn es um Zeit- und Personalressourcen für die Ausbildenden geht, ist noch viel Luft nach oben. Ähnliches gilt für Administrations- und Dokumentationsaufgaben, wo die ÖÄK Entlastung für die Ärztinnen und Ärzte einfordert.

Um sich weiterhin für eine hohe Qualität der Ausbildung einzusetzen, braucht die ÖÄK die Rückmeldung derer, die sie durchlaufen. Daher der Appell an alle Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung: Jede Stimme zählt! Machen Sie bei der aktuell laufenden Evaluierung mit. Bis Ende Juli 2018 läuft die nächste Evaluierungsphase für die Facharztausbildung. Die Bewertung in der Basisausbildung erfolgt kontinuierlich (quartalsweise) und in der Allgemeinmedizin nach Abschluss einer Abteilung.


KOMMENTAR

Qualität kostet Zeit und Geld

Von Harald Mayer*

Qualität ist uns in allen Lebensbereichen wichtig: Wir fahren nur qualitätsgeprüfte Autos, legen Wert auf hohe Qualität beim Essen und wollen mit unserer Familie Quality Time verbringen. All das sollte auch beim Thema Gesundheit selbstverständlich sein. Qualität im Gesundheitswesen beginnt mit einer qualitativ hochwertigen Ausbildung, die gesetzliche Vorgaben einhält und praxisrelevant ist. Ein umfassendes Basiswissen ist dabei das Fundament: Im Spital und in der Lehrpraxis müssen wir die Ressourcen zur Verfügung gestellt bekommen, um das aus Büchern Gelernte auch in der Praxis auf Top-Niveau weitergeben zu können.

Es geht darum, sich in der Ausbildung auf ausbildungsrelevante medizinische Inhalte zu konzentrieren und die nötigen zeitlichen und finanziellen Ressourcen zur Verfügung gestellt zu bekommen. So hat sich die Bundeskurie Angestellte Ärzte jahrelang für die verpflichtende Lehrpraxis eingesetzt, damit man als künftige niedergelassene Ärztin oder Arzt in der Praxis gelernt hat und nicht nur im Spital. Die Frage der Finanzierung war lange Zeit ein großes Fragezeichen und wir haben nicht lockergelassen, bis diese geklärt und sichergestellt war. So weit, so gut.

Wenn man sich nun die Ausbildungssituation in den Spitälern anschaut – und das tun wir sowohl mit unseren Ausbildungsevaluierungen als auch in täglichen Gesprächen mit jungen Kolleginnen und Kollegen – merken wir, dass wir uns nicht zurücklehnen dürfen. Auch wenn die Voraussetzungen für eine qualitativ hochwertige Ausbildung gesetzlich geregelt sind – Stichwort: Ausbildungsverantwortlicher oder Ausbildungsplan –, zeigt die Praxis, dass es nicht immer so umgesetzt wird. So werden Jungärztinnen und -ärzte nach wie vor für Routinetätigkeiten eingesetzt, die das diplomierte Pflegepersonal übernehmen könnte. Dokumentationsarbeiten und Bürokratie stehlen Zeit, die für die Patientenbetreuung fehlt.

Ich fordere die Länder daher auf, endlich die notwendige finanzielle Ausstattung zur Verfügung zu stellen. Wir müssen die Spitäler mit Budgets ausstatten, die es ermöglichen, bestmöglich zu lehren und zu lernen. Die Politik muss Budgets für Jungärzte-Dienstposten freimachen. Der Träger muss die bestqualizierende Ausbildung in kürzestmöglicher Zeit und Lehrinhalte didaktisch geordnet vermitteln. Das kostet Zeit und Geld – für beide Bereiche muss die Politik Ressourcen zur Verfügung stellen, wenn wir eine qualitativ hochwertige Ausbildung als Basis für ein qualitativ hochwertiges Gesundheitswesen wollen.

*) Harald Mayer ist Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) und Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 13-14 / 15.07.2018