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Im Fokus: Mikroplastik


1. Rekordmengen im Mittelmeer
Im Mittelmeer wurden laut der Umweltorganisation WWF (World Wildlife Fund) Rekordmengen an Mikroplastik nachgewiesen. Die Konzentration der Kunststoffteilchen mit einer Größe von 0,1 μm bis 5 mm ist fast vier Mal so hoch wie im nördlichen Pazifik: pro Quadratkilometer finden sich bis zu 1,25 Millionen Fragmente. Der im Mittelmeer und an den Stränden gefundene Abfall besteht zu 95 Prozent aus Kunststoff und stammt hauptsächlich aus der Türkei und Spanien. Einer aktuellen USamerikanischen Studie zufolge tragen auch Kontaktlinsen zur Verschmutzung bei: Werden sie etwa – fälschlicherweise – im Waschbecken entsorgt, gelangen sie als Mikroplastik ins Meer.

2. Tierwelt betroffen
Im Mittelmehr sind 134 Tierarten von der Verschmutzung durch Mikroplastik betroffen, so der WWF. 18 Prozent der Thunfische und Schwertfische haben Plastik im Magen – vor allem Zellophan und PET. Auch die im Mittelmeer lebenden Meeresschildkröten sind betroffen: Bis zu 150 Plastikfragmente wurden in deren Mägen gefunden.

3. Meersalze und Trinkwasser

Mikroplastik ist auch in vielen Meersalzen enthalten, wie eine Untersuchung des österreichischen Vereins für Konsumenteninformation (VKI) bestätigt hat. In sechs von elf Proben fand sich Mikroplastik in Form von Granulat oder Teilchen von Folie. Eine US-amerikanische Studie hat ergeben, dass 93 Prozent der Trinkwasser-Proben aus Plastikflaschen führender Marken Plastikrückstände enthielten.

4. Maßnahmen in Italien

Italien will den Kampf gegen nicht recycelbaren Müll verschärfen. Ab 2019 sollen Wattestäbchen, die nicht biologisch abbaubar sind, nicht mehr im Handel erhältlich sein. Ab 2020 wird Mikroplastik in Kosmetika verboten. Außerdem dürfen seit Anfang 2018 im italienischen Einzelhandel nur komplett recycelbare Einweg-Plastiktaschen verwendet werden.

5. Gesundheitliche Auswirkungen

Die toxikologischen Effekte von Mikroplastik auf den Menschen wurden bisher noch nicht umfassend untersucht. Eine Aufnahme von Mikroplastik über den Magen-Darm-Trakt in die Zellen scheint aber gering zu sein.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 17 / 10.09.2018