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ArchivÖÄZ 2018ÖÄZ 18 - 25.09.2018

Im Fokus: West-Nil-Fieber


1. 800 Fälle in der EU
In der EU wurden in diesem Jahr fast 800 Fälle von West-Nil-Fieber registriert. Die meisten Infektionen wurden laut dem Europäischen Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) in Italien mit 327 Fällen gemeldet. In ganz Europa gab es mindestens 71 Todesfälle – unter anderem in Serbien, Griechenland, Italien und Rumänien. In mehreren Regionen von Frankreich und Kroatien sind zum ersten Mal Infektionen von Menschen bekannt geworden. Die tatsächliche Zahl der Infizierten dürfte wegen des meist asymptomatischen Verlaufs deutlich über den offiziellen Zahlen liegen.

2. Ursprung & Übertragung
1937 wurde das West-Nil-Virus aus dem Blut einer febrilen Frau im West Nil District von Uganda isoliert. Das zur Familie der Flaviviridae gehörende Virus wird durch Stechmücken übertragen; natürliches Reservoir sind Vögel.

3. Verlauf meist asymptomatisch

Rund 80 Prozent der Fälle verlaufen asymptomatisch; bei nur 20 Prozent zeigen sich Krankheitszeichen ähnlich eines grippalen Infekts mit plötzlichem, hohem Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen etc. Weniger als ein Prozent der Patienten entwickelt eine Meningitis oder Enzephalitis.

4. Behandlung & Prophylaxe

Die Behandlung von West-Nil-Fieber beim Menschen erfolgt rein symptomatisch. Die einfachste Prophylaxe besteht in entsprechendem Schutz vor Moskitostichen; ein Impfstoff existiert nicht.

5. Situation in Österreich

In Österreich wurde erstmals im August 2008 bei Greifvögeln eine West-Nil-Virus-Infektion mit der Genotypenlinie 2 nachgewiesen. Zwischen 2009 und 2018 (Stand 3. September) wurden insgesamt 33 im Inland erworbene West-Nil-Virus-Fälle bestätigt; zehn Infektionen waren es bislang im Jahr 2018. Die wahrscheinlichen Ansteckungsorte liegen in Wien und in Niederösterreich. Es gab bislang keinen Todesfall.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 18 / 25.09.2018