Logo Aerzteverlagszeitung
ArchivÖÄZ 2018ÖÄZ 18 - 25.09.2018

Kurz und informativ


Transplantatabstoßung: IgE-Antikörper als Biomarker


Wiener Forscher um Andreas Farkas von der Universitätsklinik für Chirurgie konnten in Kooperation mit dem Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung und der Abteilung für Nephrologie der MedUni Wien erstmals IgE-Antikörper nach einer Nierentransplantation nachweisen. Farkas dazu: „Bei der Transplantation handelt es sich um eine andere Art der IgE-Antikörper, die sich gegen Gewebsmerkmale der Spenderniere richten.“ Demnach sorgen IgE-Antikörper für lokale Entzündungen und könnten – so die Hypothese der Forscher – an der späteren Abstoßung des Organs zusammen mit IgG-Antikörpern beteiligt sein. Möglicherweise könnte damit künftig mit diesen bei einer Transplantation eher ungewöhnlichen Anti-körpern das Risiko für eine spätere Abstoßung noch besser eingeschätzt werden, ergänzt Thomas Wekerle von der Med- Uni Wien. APA/MUW


Keine Reduktion der Schmerzintensität durch Cannabis

Über eine Gesamtdauer von vier Jahren hinweg untersuchte das Forscherteam rund um Gabrielle Campbell vom Nationalen Drogen- und Alkoholforschungszentrum an der Universität von South Wales den Einsatz von Cannabis bei Patienten unter Opioid-Therapie bei chronischen Schmerzen, die nicht durch eine onkologische Erkrankung verursacht wurden. Campbell zu den Ergebnissen: „Es gab keinen Hinweis darauf, dass Cannabis die Schmerzintensität reduzierte oder einen Opiod-einsparenden Effekt hatte“. Und die Experten berichteten weiter: Es fanden sich keine Hinweise auf einen zeitlichen Zusammenhang zwischen Cannabisgebrauch und der Stärke der Schmerzsymptome, der durch die Schmerzen ausgelösten Beeinträchtigungen, eine Reduzierung der verschriebenen Opiod-Dosis oder vermehrtes Absetzen der Opiod- Analgetika. APA/The Lancet Public Health


4860

Fälle von Lungenkrebs wurden im Jahr 2015 in Österreich diagnostiziert; 3.889 Menschen starben daran. Bei Lungenkrebs handle es sich noch immer um die Krebsart, die weltweit die meisten Todesfälle verursache, erläuterte Ian Banks, Co-Vorsitzender des Europäischen Krebs-Gipfels, der von 7. bis 9. September in Wien stattfand. Experten rechnen bis zum Jahr 2030 mit 92 Prozent mehr Todesfällen bei Frauen. APA


Multiple Sklerose: auch B-Zellen beteiligt

Nicht nur T-Zellen, sondern auch B-Zellen spielen eine wichtige Rolle bei der Pathogenese von Multipler Sklerose. Das hat ein Forscherteam um Roland Martin und Mireia Sospreda vom Universitätsspital Zürich herausgefunden. Rituximab und Ocrelizuma beseitigen B-Zellen, was Entzündungsherde im Gehirn sowie Krankheitsschübe der Patienten effektiv hemmt. Der Wirkmechanismus dieser Substanzen bei MS war bislang nicht völlig geklärt. Die Wissenschafter untersuchten Blutproben von Patienten: Diejenigen T-Zellen, die für den Angriff auf den Nervenhülle verantwortlich sind, vermehrten sich. Entfernten die Forscher jedoch die B-Zellen in der Blutprobe, wurde so auch die Vermehrung der B-Zellen gehemmt. Zusätzlich entdeckten sie, dass unter den sich vermehrenden T-Zellen im Blut auch speziell solche waren, die bei den Entzündungsherden im Gehirn eine Rolle spielen. Diese T-Zellen erkennen offenbar Strukturen eines Proteins, das sowohl von B-Zellen als auch von den Nervenzellen im Gehirn produziert wird. Weltweit leiden 2,5 Millionen Menschen an Multipler Sklerose. APA/Cell


Genetische Korrelation bei vielen Erkrankungen des Gehirns

Eine weltweit angelegte Studie des internationalen „Brainstorm Consortiums“ untersuchte erstmals das Genom von 1,1 Millionen Patienten mit psychiatrischen und neurologischen Erkrankungen. Bei diesem Consortium handelt es sich um einen Zusammenschluss von mehreren Arbeitsgruppen der Harvard University sowie des Massachusetts Institute of Technology. Für die aktuelle Studie wurden gemeinsame Erbanlagen von 15 neurologischen und zehn psychiatrischen Erkrankungen überprüft. Die MedUni Wien lieferte Daten zu Patienten mit Essstörungen. Fazit: Bei einigen psychiatrischen Erkrankungen gibt es große genetische Gemeinsamkeiten, wodurch sich das Risiko erhöht, im Fall einer Krankheit auch an der entsprechend korrelierten zu erkranken. Das gilt für Schizophrenie, depressive Episoden, bipolare Störung, Angststörung und ADHS. Dazu Mit-Autor Univ. Prof. Andreas Karwautz von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der MedUni Wien: „Es gibt keine ‚reine‘ Depression, oder ‚reine‘ Anorexie, die nicht Symptome anderer psychischer Störungen aufweist. Eine Diagnose ist immer heterogen“. Insgesamt zeigte sich in der Studie, dass es bei speziellen genetischen Anlagen zu Überlappungen komme, wodurch die traditionellen diagnostischen Klassifikationen neuerlich in Frage gestellt würden. APA/Science


Zu viel HDL-Cholesterin erhöht Risiko für Myokardinfarkt

Ein zu hoher HDL-Cholesterinwert wird mit einem erhöhten Myokardinfarkt- und Mortalitätsrisiko assoziiert. Zu dieser Erkenntnis kamen Experten im Zuge einer Studie von Marc Allard-Ratick von der Emory University School of Medicine in Atlanta (USA) an insgesamt 5.965 Personen. Das Durchschnittsalter lag bei 63 Jahren; die meisten von ihnen litten bereits an einer Herzerkrankung. Besonders Personen mit HDLWerten über 60 Milligramm/Deziliter (1,5 mmo/L) haben ein beinahe doppelt so hohes Risiko, an einer kardiovaskulären Krankheit zu sterben oder einen Herzinfarkt zu erleiden als jene, deren Werte sich zwischen 41 und 60 Milligramm/Deziliter bewegen. Studienautor Allard-Ratick weist jedoch darauf hin, dass weitere Untersuchungen notwendig sind, um die Mechanismen im Detail zu verstehen. APA


Melanocortin-4-Rezeptor- Blocker reguliert Lust und Frust

Sowohl Lust als auch Frust werden im Gehirn an einem einzigen Rezeptor, dem Melancortin- 4-Rezeptor (MC4R), verarbeitet. Das ergaben die Untersuchungen des Österreichers Michael Fritz, der derzeit als Gastlektor an der Stanford University in den USA tätig ist. Durch einen Eingriff in der DNA von Mäusen wurde die Bildung dieses Rezeptors unterbunden. Die so behandelten Mäuse mieden im Gegensatz zu nicht-behandelten Mäusen nicht eine Kammer, in denen die Forscher diverse Stoffe injizierten: bakterielle Stoffe, die Fieber verursachten; eine Übelkeit auslösende Salzlösung und Substanzen, die ihren Stimmungshaushalt negativ beeinflussten. Das passierte auch nach der nasalen Verabreichung eines Wirkstoffes, der MC4R blockiert. Unangenehme Empfindungen führten bei diesen Mäusen nicht zu einem Abfall von Dopamin, sondern es kam im Nucleus arcuatus sogar zu einem Anstieg von Dopamin. Die klinische Relevanz dieser Erkenntnis: Ein Nasenspray, der MC4R-Blocker enthält, könnte bei chronisch kranken Patienten künftig zur Linderung der Symptome und in weiterer Folge zur Besserung des physischen und psychischen Allgemeinzustands führen. APA/The Journal of Clinical Investigation 



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 18 / 25.09.2018