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ArchivÖÄZ 2018ÖÄZ 21 - 10.11.2018

Im Fokus: Luftverschmutzung


1. 8,9 Millionen Todesfälle
Feinstaub verursacht weltweit um 30 Prozent mehr Todesfälle als bisher angenommen, berichteten Forscher kürzlich im Fachjournal „Pnas“. Sie gehen von 8,9 Millionen anstatt sieben Millionen Todesfällen aus. Im Rahmen der Studie wurden die Feinstaubwerte aus Messungen in 16 Weltregionen mit den Sterberaten durch nicht übertragbare Krankheiten und Erkrankungen der unteren Atemwege in Verbindung gesetzt und so das Mortalitätsrisiko durch Feinstaub (PM2,5) ermittelt.

2. Größte Gesundheitsgefahr Europas
Auch in Europa ist Luftverschmutzung der Hauptgrund für vorzeitige Todesfälle. Das geht aus dem kürzlich von der Europäischen Umweltagentur (EEA) veröffentlichten Bericht „Luftqualität in Europa 2018“ hervor. Auf der Basis von Daten aus 2015 haben Forscher rund 442.000 vorzeitige Todesfälle errechnet. Dennoch: Schärfere Vorschriften und verbesserte Standards für Fahrzeugemissionen, Industrie und Energieerzeugung haben laut EEA seit 1990 bereits zu einer Verringerung von vorzeitigen Todesfällen um rund die Hälfte geführt.

3. Besonders betroffen: Osteuropa und Städte

Menschen in städtischen Gebieten sind naturgemäß stärker der Luftverschmutzung ausgesetzt. Vor allem in den osteuropäischen Staaten ist die gesundheitliche Belastung besonders hoch: in Bulgarien, Tschechien, Lettland und Ungarn beispielsweise ist sie sogar größer als in China und Indien.

4. Hauptsächliche Quellen

Haupt-Quellen der Luftverschmutzung sind Straßenverkehr, Energieerzeugung, Landwirtschaft, Industrie und Privathaushalte. Die WHO unterscheidet zwischen Verschmutzung der Außenluft – etwa durch die Verbrennung von fossilen Rohstoffen oder Abfall sowie Industrieabgase – und der Luft in Innenräumen – zum Beispiel durch Rauch von Kerosin, Kohle oder Holz zum Kochen oder Heizen.

5. Feinstaub und bodennahes Ozon

Feinstaub, bodennahes Ozon und Stickstoffdioxid sind jene Luftschadstoffe, die die meisten Todesfälle – etwa durch Atembeschwerden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs – verursachen. „Luftverschmutzung ist eine globale Gesundheitskrise“, warnte die WHO.



© Österreichische Ärztezeitung Nr. 21 / 10.11.2018